Verständnis für Lockdown-Verlängerung

Befragte Offizielle, Trainer und Spieler einig: Es gibt Wichtigeres als Fußball

Wetschens Trainer Oliver Marcordes am Spielfeldrand.
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Zeigt Verständnis für die Verlängerung des Lockdowns: Wetschens Trainer Oliver Marcordes. Archiv

Seit Ende Oktober vergangenen Jahres ruht der Fußball: Kein Training auf den Sportplätzen, keine Spiele. Bis zum 7. März wurde der zweite Lockdown verlängert. Ob der Amateursport danach wieder Fahrt aufnehmen darf, bleibt abzuwarten.

  • Alle fiebern der Zahl 35 entgegen.
  • Henze macht sich auch Sorgen um den Einzelhandel.
  • Besonders Kleinkindern fehlt der Vereinssport.

Syke – Die Zahl aller Zahlen lautet ab sofort 35. In anderen Jahren arbeiteten viele Fußballer der Region oft auf die 30- oder 40-Punkte-Marke hin, die je nach Liga-Größe den sicheren Klassenerhalt bedeutet. Doch nun fiebern alle der 35 entgegen – allerdings als Inzidenzwert der Corona-Neuinfektionen pro Woche auf 100 000 Einwohner. Ist diese Marke erreicht, will die große Politik über mögliche Lockerungen für den Amateursport nachdenken.

Erst dann dürfen die Kicker auf einen Wiederbeginn der Saison hoffen.

Am Mittwochabend, nach der x-ten Bund-Länder-Konferenz zum Umgang mit der Pandemie, kam das Thema Sport in den ersten zwei beschlossenen Öffnungsschritten nicht zur Sprache. „Dass er mit keiner Silbe erwähnt wurde, überrascht mich allerdings nicht“, gesteht Andreas Henze als Vorsitzender des Fußballkreises Diepholz. „Unser Präsident Günter Distelrath hat zwar angekündigt, diesbezüglich Druck bei der Politik zu machen“, erinnert er an die Worte des ersten Mannes vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV). „Aber im Moment muss sich der Sport hinten anstellen“, urteilt der Bassumer, dessen sorgenvoller Blick sich eher auf einen anderen Bereich richtet: „Viel mehr tut mir im Moment der Einzelhandel mit seinen schon monatelangen Umsatzausfällen leid.“

Henze weiß, wovon er spricht. Denn der Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitet in Goldenstedt für einen international tätigen Hersteller von Knöpfen und kennt die aktuellen Absatzzahlen der Modebranche. Mit Blick auf „seinen“ Kreisverband sieht der Vorsitzende noch keinen Zeitdruck: „Wir warten ab, was die Politik im März entscheidet – und dann steigen wir in die weiteren Planungen ein. Vielleicht können wir nach Ostern wieder spielen. Dann wäre immer noch genug Zeit.“

Denn der Fußballkreis Diepholz befindet sich in der vergleichsweise komfortablen Lage, dass in den je zwei Staffeln der Kreisliga und 1. Kreisklasse bereits acht oder neun Spiele der Qualifikationsrunde absolviert sind. Henze: „Aber natürlich sehnen wir alle einen Wiederbeginn herbei. Denn Sport sorgt nicht nur für das körperliche Wohlbefinden, sondern wegen des geselligen Aspekts auch für das seelische.“

Gabel möchte bald wieder auf den Platz

Mike Gabel, Trainer des Bremen-Liga-Spitzenreiters Brinkumer SV, möchte natürlich auch so schnell wie möglich wieder rauf auf den Platz: „Gerade für die jüngeren Spieler, die noch höhere Ziele haben, wäre es wichtig, dass es möglichst bald wieder losgehen kann.“ Aber der 39-Jährige hat nicht nur seine eigenen Spieler im Blick: „Ich habe zwei kleine Kinder. Denen fehlt der Vereinssport ungemein. Dieser Generation wurden nun schon viele, viele Monate gestohlen. Meiner Meinung nach ist das Ansteckungs-Risiko beim Sport im Freien doch eher gering. Das haben auch Studien unter anderem aus den Niederlanden klar bewiesen.“

Trotz allem fehlt mir und uns beim TuS Lemförde der Fußball und speziell das wöchentliche Zusammenkommen mit Freunden auf und am Platz ungemein.

Dino Maieli, Kapitän des TuS Lemförde

Oliver Marcordes, Trainer beim Landesliga-Neuling TSV Wetschen, kann die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer nachvollziehen: „Ich finde es richtig, dass der Lockdown verlängert worden ist. Jeder weiß doch, um was es geht. Fußball ist nicht das Hauptthema. Jeder will wieder kicken, aber es gibt Wichtigeres. Ich sehe uns im März noch nicht auf dem Platz zurück.“ Der 40-jährige B-Lizenz-Inhaber hat noch einen Rat an die Entscheidungsträger: „Wenn es die Zahlen wieder zulassen, dann sollten zunächst die kleineren Kinder wieder kicken und auf die Plätze dürfen. Wir müssen aber abwarten und es nehmen, wie es ist.“

Küpker will ab 27. März wieder trainieren

Auch Uwe Küpker, Trainer des Fußball-Bezirksligisten SC Twistringen, hält die Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März für vertretbar. „Wir sollten es jetzt auf jeden Fall durchziehen. Es bringt doch nichts, den Lockdown zu verkürzen, um dann Ende März oder im April zu einem weiteren zurückzukehren, weil die Zahlen dann wieder in die Höhe schnellen könnten.“ Er hoffe, dass nach dem 7. März wieder Mannschaftstraining zugelassen werde. „Aber spätestens ab dem 27. März wollen wir wieder das Training aufnehmen. Je früher, desto besser“, erklärt Küpker: „Zwei Wochen, bevor das offizielle Mannschaftstraining wieder losgeht, bekommen meine Spieler einen individuellen Trainingsplan zugeschickt, damit die Fitnessgrundlagen einigermaßen stimmen. Drei bis vier Monate ohne Mannschaftstraining machen sich dann doch bemerkbar. Meine Spieler müssen dann unter anderem ein Intervalltraining und andere Fitnessübungen absolvieren, bevor das Mannschaftstraining wieder steigt. Die Fitnessgrundlage brauchen meine Spieler einfach. Denn immerhin kann es möglich sein, dass wir den ganzen Juni und Juli noch durchspielen müssen“, meint Küpker.

Dino Maieli, Kapitän beim Bezirksligisten TuS Lemförde, hatte mit einer Verlängerung gerechnet: „Grundsätzlich war es mir und den meisten anderen sicherlich auch klar, dass der aktuelle Lockdown weiter verlängert wird und somit gerade das Ausüben des Amateursports und damit das Fußball spielen absolut noch nicht absehbar ist. In der aktuellen Situation gibt es sicherlich auch wichtigere Anliegen, die erst mal im Vordergrund stehen und wieder vorangetrieben werden müssen, gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht.“ Der 33-jährige Physiotherapeut gesteht: „Trotz allem fehlt mir und uns beim TuS Lemförde der Fußball und speziell das wöchentliche Zusammenkommen mit Freunden auf und am Platz ungemein. Für mich ist aktuell aber absolut nicht absehbar, wie und wann man überhaupt wieder an eine Rückkehr auf den Platz denken kann, was das Planen in jeglicher Hinsicht enorm erschwert.“  

Vermisst den Fußball und das Zusammenkommen mit Freunden: Lemfördes Dino Maieli. ARCHIV

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