„Einmal Mörsen, immer Mörsen“ 

Vereinslegende Harald Schütte macht nach 55 Jahren beim SVMS Schluss

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Zepter-Übergabe: Mit Martin Kohlmeyer (li.) steht bereits Schüttes (Mi.) Nachfolger für die Mörsener Oldie-Mannschaft bereit. Dem Spartenleiter und Vorsitzenden Andreas Siegmann fiel die Verabschiedung sichtlich schwer.

Mörsen - Leicht fiel Harald Schütte die Entscheidung nicht. „Aber nach 55 Jahren muss auch mal Schluss sein“, erklärt der heute 61-Jährige. Seit 1964 schnürt das Urgestein schon die Fußballschuhe für den SV Mörsen-Scharrendorf. Erlebte in der Zeit viele Höhen und Tiefen. Doch im Sommer zog er sich nun endgültig zurück. „Ich möchte die freie Zeit zum Reisen nutzen“, berichtet der Bilanzbuchhalter, der im Februar in den wohlverdienten Vorruhestand geht: „Vor allem der asiatische Raum interessiert mich. Japan, Thailand – aber auch Südafrika und eine Safari stehen ganz oben auf der Liste.“ Nur Südamerika sei jetzt nicht unbedingt sein favorisiertes Reiseziel – zu gefährlich.

Doch wenn Schütte demnächst auf Reisen geht, wird er bei seinem Heimatverein schmerzlich vermisst. Denn die Lücke, die er im Verein hinterlässt, ist kaum zu füllen. Das weiß auch Mörsens Vorsitzender Andreas Siegmann. „Ich weiß gar nicht, wie es ohne Harald weitergehen soll. Er ist im Club eine absolute Institution“, stimmt Siegmann, der gleichzeitig auch Fußball-Spartenleiter des Vereins ist, zur Lobeshymne an: „Er hat sich selbst nie zu wichtig genommen, sondern hat seine Belange regelmäßig zurückgesteckt. Für ihn steht der Club über allem. Das gibt es in der heutigen Zeit kaum noch.“

Siegmann hofft, dass der Rückzug am Ende kein endgültiger ist. „Für Harald steht die Vereins-Tür immer offen – wirklich immer! Sollte er nach seinen Reisen merken, dass es immer noch kribbelt, werden wir eine passende Funktion für ihn finden.“ Er könne sich diese mehr oder weniger selbst aussuchen.

Ein letztes Mal für die Oldies des SV Mörsen-Scharrendorf im Einsatz: Harald Schütte. Der 61-Jährige zieht sich nach 55 Vereinsjahren zurück.

Das liegt vor allem an den Verdiensten Schüttes, der 1964 als kleiner Steppke zum SV Mörsen kam. Der Offensivspieler durchlebte alle Jugend- und Herrenmannschaften des Vereins – mit Ausnahme der Fünften Herren. Nach seinem Fußbruch 1985 überwiegend als Spielertrainer. „Ich habe in all der Zeit nie eine Saison ausgesetzt, musste nur wegen des Fußbruchs einmal ein halbes Jahr pausieren“, erklärt das Mörsener Urgestein: „Wer kann so was schon von sich behaupten?“

Zudem hält Schütte zwei Clubrekorde. „Ich bin der jüngste Erste-Herren-Spieler des Vereins überhaupt – und zum anderen der jüngste Mannschaftsführer der Ersten Herren“, berichtet der 61-Jährige nicht ohne Stolz: „Und mit allen Herrenmannschaften habe ich zudem Meisterschaften und/oder Pokalsiege gefeiert.“

Sein rasanter Aufstieg im Verein begann mit gerade mal 16 Jahren. „Damals hat unser Erste-Herren-Trainer Bernd Steinkamp gefragt, ob ich nicht mal bei seiner Mannschaft in der Bezirksliga aushelfen könnte“, blickt Schütte zurück: „Ich musste natürlich nicht lange überlegen, gab Steinkamp prompt die Zusage.“ Und der Offensivspieler überzeugte gleich in seinem ersten Herrenspiel. Fortan war er fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Schütte: „In meiner ersten Herren-Saison sind wir gleich Vizemeister geworden.“ Und es kam noch besser. „Im darauffolgenden Jahr sind wir sogar in die Verbandsliga aufgestiegen. Das war damals die vierthöchste Spielklasse in Deutschland. Für einen kleinen Verein wie Mörsen eine echte Sensation“, blickt Schütte noch heute mit einem Lächeln zurück.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm das Pokalfinale 1977 gegen den SC Twistringen vor über 1000 Zuschauern. „Damals war Twistringen Verbandsliga-Meister, während wir Bezirksliga-Meister waren.“ David gegen Goliath. „Nach 90 Minuten blieb es torlos, sodass es in die Verlängerung ging. Und dann ging Favorit Twistringen mit 2:0 in Führung. Alle dachten damals, das war es. Doch wir kamen zurück, schafften nicht nur den 2:2-Ausgleich, sondern gewannen auch noch völlig überraschend das anschließende Elfmeterschießen“, erinnert sich Schütte, als wäre das Pokalfinale erst gestern gewesen: „Das war schon ein richtiges Highlight. Zumal viele Twistringer Zuschauer bereits nach der 2:0-Führung ihrer Mannschaft frühzeitig zum ,feiern‘ abgedüst sind. Das war natürlich besonders lustig.“

Doch in all der Zeit hatte Schütte nie über einen Vereinswechsel gedacht. „Mörsen ist nicht nur mein Heimatverein, sondern auch mein Herzensclub. Einmal Mörsen, immer Mörsen. Der Club ist für mich der Nabel der Welt.“

So sehr sogar, dass er bis vor Kurzem noch als Spielertrainer für die Oldie-Mannschaft unterwegs war. Aber auch als Kassenwart, als Sponsorenbeauftragter oder als Mitglied des Gesamtvorstandes war Schütte schon aktiv.

„Ich hoffe sehr“, betont Siegmann, „dass Harald nach seinen Reisen zurück zum SV Mörsen-Scharrendorf kehrt. Er hat in den 55 Jahren so viel für den Club geleistet, da fällt es einfach schwer, ihn ziehenzulassen. Einen wie Harald können wir immer gebrauchen.“

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