Mit Fragen bombardiert

NFV-Boss Distelrath erläutert Varianten für Abbruch oder Fortsetzung des Spielbetriebs

Musste viele Fragen der Mitgliedsvereine beantworten: Der NFV-Vorsitzende Günter Distelrath. Foto: imago
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Musste viele Fragen der Mitgliedsvereine beantworten: Der NFV-Vorsitzende Günter Distelrath.

Hannover – Mit zwei Webinaren hat der Niedersächsische Fußballverband (NFV) am Samstag bei seinen Vereinen für Aufklärung zum bevorstehenden außerordentlichen Verbandstag gesorgt.

Im Fokus standen die vier vom NFV-Verbandsvorstand diskutierten Varianten zum weiteren Umgang mit der derzeit unterbrochenen Saison – also entweder die komplette Annullierung, einen Abbruch mit Auf- und Absteigern, einen Abbruch ohne Absteiger oder eine Fortsetzung zu einem noch offenen Zeitpunkt. Vor allem die Auf- und Abstiegsregelungen sowie umsetzbare Vorschläge, wie die kommende Saison gegebenfalls mit einer deutlich erhöhten Zahl an Mannschaften ablaufen werden kann, standen im Fokus.

Per Live-Chat erhielten zunächst die Vereine der Bezirke Braunschweig und Hannover und dann die Clubs der Bezirke Lüneburg und Weser-Ems die Gelegenheit, sich mit ihren Fragen direkt an die NFV-Führung zu wenden. Viele Vereinsvertreter nutzten das Angebot und stellten etwa 400 Fragen an die Verbandsvertreter. NFV-Präsident Günter Distelrath bilanzierte: „Die Vielfalt und das breite Spektrum der Fragen zeigt, dass es der richtige Weg war, sich in dieser Form mit unseren Vereinen auseinanderzusetzen. Der Chataustausch hat noch einmal sehr deutlich gemacht, wo die Präferenz der Vereine liegt, nämlich beim Abbruch der Saison.“ Zudem sagte Distelrath: „Wichtiger aber und letztendlich Ziel dieses erneuten Austausches sind die festgestellten Tendenzen in den erörterten Varianten. Insofern ist dies ein weiterführendes und aussagekräftiges Meinungsbild für die weitere Diskussion.“

Wie groß die Resonanz der Vereinsvertreter war, zeigt allein die von NFV-Direktor Jan Baßler im Chat beantwortete Zahl von 169 Fragen. Zudem bearbeitete Marian Kobus (NFV-Teamleiter Spielbetrieb und Recht) die Eingänge im Chatroom. Die einzelnen Fragen und Antworten werden zeitnah auf der NFV-Homepage veröffentlicht. NFV-Justiziar Steffen Heyerhorst hatte im Verlauf der Webinare die zuvor hinlänglich kommunizierten Varianten eines Umgangs mit der laufenden Saison vorgestellt und deren Vor- und Nachteile sowie Auswirkungen auf die Folgesaison erläutert.

Viele Fragen wurden häufiger gestellt, sodass Baßler sie zusammenfasste. Zur Frage: „Wie wird die Abstimmung auf dem Verbandstag genau gewertet?“, sagte er: „Vorausgesetzt, dass diese Varianten als Anträge auf dem Außerordentlichen Verbandstag zur Vorlage kommen, sieht die Geschäftsordnung vor, dass über die Anträge nacheinander abgestimmt wird. Beginnen müsste man den am weitreichendsten Eingriff in unsere Satzungen und Ordnungen, nämlich der Annullierung der Saison. Damit dieser Antrag wirksam würde, bräuchte es 50,1 Prozent. Erreicht man diese nicht, würden wir über die nächste Variante abstimmen lassen. Die Fortsetzungsvariante hätte den kleinsten Eingriff zur Folge, so dass sie erst zur Abstimmung kommen würde, wenn keine der drei anderen Varianten eine Mehrheit erhält.“

In seiner Begrüßung hatte der NFV-Präsident zu einigen Thesen aus der Öffentlichkeit Stellung bezogen: „Es wurde in den letzten Tagen vor allem geschrieben und auch gesagt, der NFV versuche um jeden Preis, die Variante einer Saisonfortsetzung im Rennen zu halten, was nicht richtig ist. Ich möchte daran erinnern, dass wir nach einem einstimmigen Beschluss im Verbandsvorstand zu einer möglichen Fortsetzung der Saison auf Kreisebene mit allen Vereinen in einen Dialog getreten sind und ein Meinungsbild erhoben haben. Dieses hat ergeben, dass 70 Prozent keine Fortsetzung wollen.“

Nichtsdestotrotz wies der Präsident darauf hin, dass bei 30 Prozent Befürwortern der Fortsetzungsvariante die Wahrscheinlichkeit nicht klein sei, „dass von Vereinsseite ein Antrag auf Fortsetzung zum Verbandstag im Rahmen der Antragsfrist kommen könnte. Allein aus dieser Position heraus war es schon geboten, die Variante zumindest mit aufzuführen, ohne sie beim Webinar aber in den Vordergrund zu stellen.“

Der Präsident reagierte auch auf die Kritik hinsichtlich des langen Zeitraums bis zum außerordentlichen Verbandstag. „Zunächst einmal glaube ich, dass es richtig war, die Auswirkungen der behördlichen Anordnungen auf unsere Varianten noch abzuwarten und mitzunehmen. Ich denke, keiner von uns ist am 28. April davon ausgegangen, dass es so weitreichende Lockerungen, wie wir sie in der Geschwindigkeit erlebt haben und aktuell erleben, geben würde. Dass ein Trainingsbetrieb in voller Mannschaftsstärke unter Wahrung der Distanzregeln wieder möglich sein würde, war nicht wahrscheinlich.“

Gerade die angebotene Lösung des Verbandsvorstandes mit der Fortsetzung war die einzige schnelle Möglichkeit, die laut Distelrath außerhalb – also ohne Verbandstag – möglich gewesen wäre. „Heute wissen wir, dass die Vereine mehrheitlich dies nicht wollen und den Abbruch präferieren. Uns liegt ein speziell für den NFV erstelltes juristisches, 48-seitiges Gutachten vor, das für die Entscheidung über den Abbruch ganz klar das Erfordernis eines Verbandstages vorsieht. Und ich denke, niemand kann von teilweise selbst in der Haftung und Verantwortung stehenden ehrenamtlich tätigen Privatpersonen im Präsidium erwarten, dass sie dieses Gutachten ignorieren oder dagegen handeln und sich in die Gefahr von persönlicher Haftung bringen.“

Die Regelungen des NFV fordern für einen außerordentlichen Verbandstag eine Ladungsfrist von zehn Wochen. Der NFV hat sich entschlossen, diese auf fünf Wochen zu halbieren.

Wie heterogen aber auch in dieser Hinsicht das Meinungsbild unter den niedersächsischen Vereinen ist, verdeutlichte die Frage: „Warum versuchen Sie, voreilig eine Entscheidung zu treffen? Macht es nicht mehr Sinn, die Entscheidung erst vier Wochen vor dem Zeitpunkt zu treffen, an dem feststeht, dass wir wieder spielen können?“ Baßler: „So, wie viele jetzt sagen, wir brauchen eine schnelle Entscheidung, sind wir aber auch auf Vereinsvertreter getroffen, die sagen, jetzt lasst uns aber mal ruhig bleiben. Planungssicherheit haben wir so oder so nicht, weil wir nämlich gar nicht wissen, wann wieder gespielt werden kann.“

Am 20. Mai wird sich der Verbandsvorstand unter Berücksichtigung der Kenntnisse aus den Webinaren final mit der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung der möglichen Varianten zum Umgang mit der Saison 2019/2020 festlegen.

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