2:18 gegen Kirchdorf

Untergangsstimmung – jetzt droht TuS Syke der Kollaps

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Er hält durch: Sykes Trainer Jürgen Lange denkt nicht daran, die Brocken hinzuwerfen. 

Syke - Von Arne Flügge. Trainer Jürgen Lange war im Januar angetreten, um dem Verein wieder eine Syker Identität zu verpassen, abgewanderte Spieler zurückzuholen, verstärkt auf die Eigengewächse zu setzen, um dann auch wieder Zuschauer zu ziehen.

Das klang vielversprechend. Doch die Realität bei Fußball-Kreisligist TuS Syke sieht derzeit ganz anders aus – ernüchternd, erschütternd, alarmierend.

Das Häufchen, das sich noch immer mit dem Traditionsclub identifiziert, wird immer kleiner. Spieler haben keine Lust mehr, bleiben Spiel und Training fern. Zurückkommen wird so schnell keiner. Und die Eigengewächse? Die gibt es kaum. Am Sonntag beim 2:18-Fiasko gegen den TuS Kirchdorf, das Hohn und Spott, aber auch Mitleid auslöste, standen ein 45-Jähriger, ein 47-Jähriger und ein 50-Jähriger auf dem Platz. So viel zum konzeptionellen Neuanfang mit jungen Spielern beim TuS Syke. Die Euphorie, mit der Lange seine Aufgabe angegangen war, ist längst verflogen. Dem Coach ist nichts vorzuwerfen. Er versucht alles. Und das tagtäglich. Beim TuS Syke herrscht aber generell die totale Untergangsstimmung. Und es wird bereits gemunkelt, dass der Club in der kommenden Saison keine Mannschaft mehr im Herrenbereich meldet. Es wäre das Ende einer Fußballsparte, die vor Jahren noch das Aushängeschild im Landkreis gewesen war.

Doch vielleicht ist gerade dieses Klammern an die glorreichen Zeiten eines der Probleme im TuS Syke. Meint zumindest Lange: „Viele glauben noch immer, dass wir in der Verbandsliga spielen. Dabei sind die Strukturen schon lange marode. Der Neuaufbau wurde längst verpasst.“

Doch Lange ist nicht der Typ Trainer, der die Brocken hinschmeißt, wenn es gruselig wird. „Ich ziehe das durch“, verspricht der 65-Jährige, „ich bin der Letzte, der abhaut.“

Die Gerüchte um das totale Aus des Herrenfußballs beim TuS Syke sind auch Lange bereits zu Ohren gekommen. „Ich weiß noch nicht, wie es weiter geht. Vielleicht wird tatsächlich alles abgemeldet, zumal am Saisonende fast alle Spieler den Verein verlassen wollen.“

Ohnehin ist der Kreis derer, die noch zur Stange halten, immer kleiner geworden. „Spieler kommen einfach nicht mehr oder melden sich nicht ab“, seufzt Lange – und schickt eine Drohung hinterher: „Ich war immer großzügig und tolerant. Doch wer nicht mitzieht, wird das zu spüren bekommen.“ Wie auch immer das aussehen mag.

Bleiben die Fragen: Warum haben so viele Spieler einfach keinen Bock mehr? Warum ist der TuS Syke, der den Klassenerhalt noch immer schaffen kann, nicht in der Lage, das von Coach Lange im Januar geforderte Identifikationsgefühl mit dem Club hinzubekommen? Und: Gibt es überhaupt die Möglichkeit, eine Kehrtwende herbeizuführen, um den Syker Absturz in die totale Bedeutungslosigkeit zu verhindern?

„Ich habe das Gefühl, dass das Ganze eine gewisse Eigendynamik bekommen hat“, meint Rolf Diephaus, ehemals Mitglied im Freundeskreis des TuS Syke. Für die Fehler, die bereits vor Jahren gemacht worden seien, bekäme der Club jetzt die Quittung. Diephaus: „Die richtigen Leute sind nicht mehr da. Wir haben im Sommer versucht, mit Trainer Jörg Amrhein und vielen Bremer Spielern einen Neustart zu machen. Doch das hat nicht funktioniert. Es war alles nur ein Löcherstopfen.“ Vielleicht sei es besser „jetzt einen richtigen Schnitt zu machen und in der Kreisklasse den konstruktiven Neuaufbau anzupacken.“ Ansonsten würde es auch in der kommenden Saison nur wieder darum gehen, die Lücken zu füllen.

Den kompletten Rückzug kann sich Diephaus eigentlich nicht vorstellen. „Doch möglich ist hier im Moment alles“, seufzt er.

Wie ein 2:18 in einem Kreisligaspiel. Ex-Trainer Jörg Amrhein, der im Winter gegangen war, spricht angesichts dieses Ergebnisses von „einer schrecklichen Entwicklung. Mir blutet das Herz, wenn ich das sehe.“ Diephaus tun „die Jungs leid, die jetzt so ein Spießrutenlaufen mitmachen müssen. Ich hoffe, wir kriegen die Saison vernünftig über die Bühne.“

Alles soll also auf Null gedreht werden beim TuS Syke. Doch mit welchem Personal? Spartenleiter Holger Surm hat im März aus gesundheitlichen Gründen aufgehört. Ein Neuer ist noch nicht gewählt. Der TuS Syke schippert quasi wie ein führungsloses Geisterschiff durch die Kreisliga. Finden sich starke Männer für die verantwortlichen Positionen? Wie können Spieler überzeugt werden, zum TuS Syke zu kommen? Amrhein ist skeptisch: „Du kannst nicht einfach so durch die Dörfer gehen und Spieler ansprechen.“

Heißt: Ein neues Konzept und eine neue Führungsspitze müssen her. Trainer Jürgen Lange wäre bereit, diese Herkulesaufgabe mit anzugehen: „Wir müssen alles gründlich aufarbeiten.“

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