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Dr. Ulrich Kuhlmann liegt die Ökologie sehr am Herzen

Dr. Ulrich Kuhlmann sitzt entspannt am Hombach
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Endlich fließt der Hombach wieder. Das war zuletzt nicht immer so. Dr. Ulrich Kuhlmann freut sich sichtlich drüber.

Viele Jahre hat sich der Weyher Arzt Dr. Ulrich Kuhlmann um die Gesundheit seiner Patienten (auch viele Sportler waren darunter) gekümmert. Nach seinem Ruhestand liegt ihm jetzt besonders die Ökologie seiner näheren Umgebung am Herzen, wofür er sich auch engagiert.

  • Mit Berliner SV 92 ein Jahr Handball-Bundesliga gespielt
  • Schnelle Operation nach einem Lehrer-Schüler-Spiel
  • Zusammen mit dem Nabu den Hombach gerettet

Weyhe - Ärzte kennen oft kein reguläres Ausscheiden in den Ruhestand, praktizieren ab und an noch bis ins höhere Alter. Bei Dr. Ulrich Kuhlmann wäre das vielleicht auch so gewesen, aber der 70-Jährige ist Chirurg, womit das Weiterarbeiten (vielleicht in angemieteten Räumen) schier unmöglich ist, da dort das Equipment fehlt. Doch Kuhlmann ist seit 2014 alles andere als im Ruhestand.

Der sportliche Weyher, der in Berlin sogar schon in der Handball-Bundesliga und zudem für den TSV Leeste und SC Weyhe gespielt hat, liegt das Allgemeinwohl und da besonders die Ökologie und die Belange der Schüler am Herzen. Er selbst drückt das so aus: „In der Praxis ging es früher eher um das individuelle Wohl. Jetzt widme ich mich mehr dem Gemeinwohl.“ Doch dazu kommen wir später.

Sportlich ging es für Kuhlmann 1961 bei den Leester Handballern los. Nach dem Abitur zog es ihn 1970 zum Medizin-Studium nach Berlin, wo er sich dem Berliner SV 92, einem der Platzhirsche in der damals geteilten Stadt, anschloss. In der Saison 1974/75 war er sogar ein Jahr in der Bundesliga dabei. „Wir sind zwar gleich wieder abgestiegen, aber dennoch war das eine tolle Zeit“, sagt Kuhlmann. 1977 ging es dann wieder zurück. Kuhlmann spielte mit Erfolg wieder für den TSV Leeste – 1983 beendete er seine Karriere. Die Liebe zum Handball ist zwar geblieben, aber Spiele hat er sich seitdem nur selten in der Halle angeschaut; „Vor vier Jahren war ich in Berlin mal bei den Füchsen und vor zwei Jahren beim ATSV Habenhausen. Das war’s.“

Steckbrief

Name: Dr. Ulrich Kuhlmann

Alter: 70 Jahre

Wohnort: Weyhe-Leeste

Beruf: Chirurg und Orthopäde

Größter sportlicher Erfolg: Mit dem Berliner SV 92 in der Saison 1974/75 in der Handball-Bundesliga gespielt

Vereine: Als Handballer: TSV Leeste, Berliner SV 92 und SC Weyhe. Als Teamarzt: SC Weyhe (Fußball), ATSV Habenhausen, TSV Achim und TSG Seckenhausen-Fahrenhorst Damen (alle Handball)

Privates: Verheiratet mit Maria; die Kinder Jan, Anna und Marius sind 30, 28 und 26 Jahre alt

In der Heimat standen dann eher berufliche Dinge im Vordergrund. Kuhlmann sagt über seinen diesbezüglichen Werdegang, „dass immer auch etwas Zufall dabei war“. Dazu gehörte auch ein Treffen mit Dr. Franz Böhmert, dem langjährigen Präsidenten des SV Werder Bremen, der damals Chefarzt im Klinikum Links der Weser war. Kuhlmann arbeitete zuvor als Kinder-Chirurg, sattelte unter Böhmert aber in die allgemeine Chirugie um. Und dann gab es wieder so einen Zufall. Der Internist Dr. Bernd Falke wollte in Weyhe ein Ärztehaus bauen und fragte Kuhlmann, ob er dort nicht mit einer chirurgischen Praxis einziehen möchte. Kuhlmann sagte zu, und 1989 war damit die „Chirurgie Weyhe“ geboren. Bis 2010 war er dort tätig und hat unter anderem einer ungezählten Anzahl von Sportlern aus der Umgebung geholfen.

Vor allem seine Würfe aus dem Rückraum des TSV Leeste waren gefürchtet. Repro: töbelmann

Kuhlmann weist in diesem Zusammenhang auch gern darauf hin, dass die auch räumlich sehr enge Kooperation mit den Physiotherapeuten eine gute Sache für die Patienten war: „Das ist wichtiger als die Überweisungen zum MRT oder zum Röntgen.“

In diese Zeit fiel auch eine erfolgreiche, zehnjährige Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Bassum, wo er feste OP-Termine vergab. An eine OP in Leeste erinnert sich der Arzt noch ganz genau. Ende der 90er-Jahre fand mal ein Handballspiel an der KGS Leeste zwischen Lehrern und Schülern statt. Kuhlmann stand im Tor, als sich ein Lehrer die Achillessehne riss. Auf dem ganz kurzen Dienstweg folgte der Transport in die Praxis und die unmittelbare Operation.

Norbert Lundquist: „Uli hatte den genaueren Wurf – meiner war aber härter. . . “

Spricht man mit Leuten, die Dr. Kuhlmann als Sportler und auch als Arzt viele Jahrzehnte begleitet haben, dann fallen da überwiegend nur positive Kommentare – vor allem im menschlichen Miteinander. Frauke Spalkhaver (50) war 20 Jahre lang seine Mitarbeiterin in der „Chirurgie Weyhe“. Die Trainerin des Korbball-Niedersachsenligisten SV Heiligenfelde denkt gern an diese Zeit zurück: „Er war ein sehr guter Chef. Ihn hat ausgezeichnet, dass er immer ruhiger wurde je hektischer es in der Praxis zuging. Das hat auch auf uns Mitarbeiter ausgestrahlt. Bei den meisten Sportlern hat er ein hohes Ansehen genossen. Auch ich lag mal bei ihm auf dem Tisch und habe mich am Meniskus operieren lassen. Ich würde mich auch jetzt noch jederzeit von ihm behandeln lassen.“

Ein sportlicher Weggefährte über viele, viele Jahre war Norbert Lundquist (lag auch schon bei seinem Ex-Mitstreiter auf dem OP-Tisch und ließ sich Krampfadern entfernen). Über den Sport sind beide zu echten Freunden geworden. Der jetzt 72-Jährige erinnert sich noch gern an die gemeinsamen Zeiten Ende der 70er-Jahre beim TSV Leeste (unter anderem in der Oberliga) zurück: „Uli war mit seiner Zweitligaerfahrung aus Berlin unser bester Spieler. Er konnte ein Team auf allen Positionen im Rückraum führen und war auch unser bester Torschütze. Er war nie abgehoben, sondern einfach nur ein netter Kerl.“

Doch es gab auch Unterschiede zwischen diesen beiden Rückraum-Hünen, die Lundquist mit einem Schmunzeln so beschreibt: „Wenn es etwas zu feiern gab, zum Beispiel in unserer Vereinskneipe Meyer-Lankenau, dann war ich oft der Letzte, der den Saal verlassen hat. Uli hat sich sozusagen freigekauft, hat eine Flasche Roten spendiert und ist dann vorzeitig gegangen. Und eins noch: Er hatte sicherlich den genaueren Wurf – meiner war aber härter . . .“ töb

Nach der Weyher Zeit folgten noch vier Jahre ärztlicher Tätigkeit in Bremen, ehe Kuhlmann 2014 als Arzt das Skalpell aus der Hand legte. Aber, wie schon zuvor erwähnt: Arbeitslos ist Kuhlmann seit dieser Zeit in keinster Weise. Jetzt hat er mehr Zeit, um sich ökologischen Projekten zu widmen. Beispiele gibt es genug. In einem Waldstück nahe Syke hat er mit dafür gesorgt, dass in Zusammenarbeit mit Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier und eines Schulkonzeptes 3 000 Bäume von Schülern gepflanzt wurden, weil zuvor der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet hatte.

Zudem liegt ihm der quasi an seinem Grundstück vorbeifließende Hombach sehr am Herzen. Vor nicht allzu langer Zeit war der komplett trocken gefallen. Auf Kuhlmanns Terrasse fand sogar ein Meeting mit Spitzen der Weyher Politik und der Gemeindeverwaltung statt, die sich vor Ort einen Einblick verschaffen wollten. „Mittlerweile sind Anstrengungen zur Rettung des Gewässers unter Beteiligung des Nabu zu verzeichnen“, sagt Kuhlmann. Diese Nachhaltigkeit hat Kuhlmann ab und an in den Bebauungsplänen der Gemeinde vermisst und deshalb vor drei Jahren eine entsprechende Bürgerinitiative gegründet, um Vorschläge für mehr Ökologie im Bauwesen auszuarbeiten.

Zu Fuß über die Alpen

Ulrich Kuhlmann hält sich mit Radfahren und Wandern fit. Vor allem die Grande Traversata delle Alpi hat es ihm angetan. Von Oberstdorf aus geht es dann ans Mittelmeer. „Natürlich nicht an einem Stück. Mit der Familie machen wir das dann in Etappen zu je einer Woche“, sagt Kuhlmann und lacht. töb

Und noch an anderer Stelle würde Kuhlmann sehr gern etwas für das Gemeinwohl tun. In der momentanen Coronakrise sind seiner Meinung nach Impfungen unabdingbar („wenn ich dran bin, werde ich mich sofort impfen lassen“). Dabei sollen und werden auch Hausärzte miteinbezogen, weil sie ihre Patienten am besten kennen. „Ich selbst würde mich selbstverständlich als Impfarzt beteiligen, wurde bisher aber noch nicht eingeteilt“, erklärt der Mediziner.

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