Beim Diepholzer 2:0 in Twistringen stiehlt Nils Unger seinem Nachbarn den Ball und die Schau

Ungers Freud, Pallentiens Leid

Einen Schritt schneller: Nils Unger (Mitte) setzt sich gegen Twistringen Dennis Neumann durch und war für Diepholz der Mann des Tages.

Twistringen - Von Daniel Niebuhr· Möglicherweise wird es in der Langen Straße in Diepholz in den nächsten Tagen zu einigen Fällen von nachbarschaftlichem Unfrieden kommen. Tür an Tür unweit vom Zentrum der Kreisstadt wohnen nämlich die Sportskameraden Marc Pallentien und Nils Unger – und zumindest für Erstgenannten bietet das 0:2 (0:0) des SC Twistringen gegen die SG Diepholz in der Bezirksoberliga fürs Erste genug Konfliktpotenzial.

„Der braucht in der nächsten Woche gar nicht anzukommen“, frotzelte Pallentien, seines Zeichens Libero des SC Twistringen, in Richtung seines Nachbarn (SG Diepholz), der ihm bei der schmerzhaften 0:2 (0:0)-Niederlage am Sonnabend gründlich den Nachmittag verdorben hatte. In der 66. Minute hatte ihm Unger beim Stand von 1:0 für Diepholz als letztem Mann den Ball stibitzt und mit dem Tor zum 2:0 ein niveauarmes Derby zugunsten der Gäste entschieden. „Ich habe drauf gelauert, dass er noch einen Haken schlägt“, verriet Unger, und Pallentien, der bis dahin bester Mann auf dem Platz gewesen war, meinte schulterzuckend: „Ich bin einfach nicht der Typ, der den Ball einfach rausprügelt.“

Und so blieben dem SC Twistringen nach einer couragierten Leistung wieder einmal nur warme Worte. „Sie haben uns heute eine Halbzeit lang gezeigt, wie‘s geht“, spendete Diepholz‘ Trainer Stefan Müller dem Gegner Respekt, was jedoch nichts daran ändert, dass der SCT mittlerweile seit über sechs Monaten auf einen Sieg wartet.

Gegen den Kreisrivalen schien das Ende der schwarzen Serie eine knappe Stunde lang in greifbarer Nähe. Twistringen präsentierte sich forsch und entschlossen und drängte die halbherzig auftretenden Gäste teilweise tief in die eigene Hälfte. „Das war Fußball, wie ich ihn mir vorstelle“, sagte Twistringens Trainer Uwe Küpker.

Was er sich wiederum anders vorgestellt haben dürfte, war die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive. Lediglich eine „Halbchance“ durch Stürmer Michael Geisler aus dem Gewühl sprang heraus (27.). Auf der anderen Seite hätte Romulus-Ovidiu Muresan-Kis beim einzigen ernsthaften Diepholzer Angriffsversuch beinahe die Führung erzielt, traf kurz vor dem Wechsel jedoch nur den Außenpfosten. „Das wäre auch des Guten zuviel gewesen“, meinte Müller, „Was wir bis dahin abgeliefert haben, war eigentlich eine Unverschämtheit.“

Entsprechend laut wurde es in der Diepholzer Kabine zur Pause, doch Müllers Mannschaft hatte die Botschaft nur teilweise verstanden. Einzig der quirlige Unger sorgte mit sehenswerten Dribblings gelegentlich für Aufsehen, und er war es auch, der nach 57 Minuten eher ungewollt die Führung der Gäste einleitete. Seine eigentlich harmlose Flanke klärte Pallentien ins Toraus („Da hat niemand was gesagt“). Die folgende Ecke von Sascha Bruning köpfte Marcus Pfannenschmidt zum äußerst schmeichelhaften 1:0 für Diepholz ein. „Da macht sich die Erfahrung eben bezahlt“, seufzte Küpker über das allzu brave Zweikampfverhalten seiner Mannschaft bei Standards.

Twistringen war allerdings noch nicht geschlagen und legte einen Gang zu. Pallentiens Lapsus neun Minuten nach dem 0:1 besiegelte dann aber die vierte Heimniederlage des Aufsteigers, die aber zumindest Küpker noch nicht in eine Sinnkrise stürzte. „Wir werden uns auch davon erholen. In ein paar Tagen sieht die Welt schon wieder anders aus.“

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