EM-Helden Carsten Lichtlein und Erik Schmidt in Talkrunde

Trotz späteren Starts bis in die Spitze

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Die EM-Handball-Helden Erik Schmidt (links) und Carsten Lichtlein sprachen am Samstag in Groß Mackenstedt zusammen mit Bremer Vereins- und Verbandsvertretern über die Zukunft der Talentförderung – und ließen dabei auch ihre Anfänge Revue passieren.

Gr. Mackenstedt - Von Cord Krüger. Plötzlich runzelte EM-Held Carsten Lichtlein verwirrt die Stirn. Gerade hatte Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handball-Verbands (BHV), während einer Diskussion im Groß Mackenstedter Unternehmen „Türenheld.de“ die wirtschaftlichen Nöte ihres Sports im kleinsten Landesverband Deutschlands beklagt – als einen Grund, warum Bremen derzeit keinen Bundesligisten zu bieten hat. „Wir haben hier Werder Bremen – und der Fußball reißt uns die Sponsoren weg“, klagte die Funktionärin. Das wollte Lichtlein, Handball-Nationalkeeper und frisch gebackener Europameister, nicht so recht glauben.

„Früher gab es hier doch noch den TV Grambke – und damals schon Werder Bremen“, erinnerte sich der 35-Jährige. Das aber ist lange hier – und nun schickt sich der HC Bremen an, mittelfristig wenigstens in die Oberliga und Dritte Liga zu klettern. Unter anderem mit den besten Talenten aus der Region. Bei Clubs wie dem ATSV Habenhausen schürt das allerdings die Sorge, die besten Nachwuchsleute an den HC zu verlieren, wie dessen zweiter Vorsitzender Frank Meier während der Talkrunde am Samstag zugab.

Lichtlein war zusammen mit Nationalmannschafts-Kollege Erik Schmidt und Bundes-Co-Trainer Axel Kromer zu BHV-Sponsor „Türenheld.de“ gekommen. Die Spieler und der Nachwuchs-Chefcoach sollten ihre Sicht erläutern, was Vereine und Landesverbände bieten sollten, damit die besten Nachwuchsspieler die besten Förderungen bekommen.

Kromer stellte klar, dass es nicht unbedingt ein Bundesligist sein muss, der Nachwuchsspieler so ausbildet, dass sie es an die Spitze schaffen. Der zuvor von Wöhler bedauerte „Weggang“ Finn Lemkes, dem gebürtigen Bremer, inzwischen in Diensten des SC Magdeburg und wie Lichtlein und Schmidt Europameister, sei doch positiv, unterstrich der Coach: „Es sollte schließlich Ziel jedes Trainers sein, jedem seiner Spieler das Maximale zu ermöglichen.“

Und dies bedeute eben nicht immer „nur“ den Aufstieg in die erste Herrenmannschaft des Clubs, sondern in höhere Sphären: „Die betreffenden Vereine sollten stolz sein, mal einen solchen Jungen aus Bremen ,wegtrainiert’ zu haben.“

Die Wege von Lichtlein und Schmidt führten erst relativ spät in die Kaderschmieden der Elite-Clubs. Beide „bauten“ zuvor in ihren Heimatorten das Abitur, ehe sie es nach der Jugend zum TV Großwallstadt zog. „Mein privates und familiäres Umfeld war mir wichtiger“, räumte Lichtlein ein. Ähnlich ging es Kreisläufer Schmidt, dessen erste weiter entfernte Station der TV Großwallstadt war. „Hätte mich mein Vater aber nicht jeden Tag die 80 Kilometer zum Training gefahren, wäre das gar nicht gegangen“, unterstrich Schmidt, inzwischen beim TSV Hannover-Burgdorf.

Nun, so weit wären die Wege in Bremen nicht, wo der BHV seine Förderung junger Talente intensivieren möchte – und dieses Ziel eng mit der Bundesliga-A-Jugend des HC verknüpft. HC-Vorsitzender Ralf Fricke gestand während der Diskussion, die Skepsis der anderen Clubs nachvollziehen zu können, verdeutlichte aber, wie hart der Wettkampf um die stärksten Nachwuchs-Handballer außerhalb Bremens geführt werde: „Die Jungs erkundigen sich nicht nur nach dem besten Ausbildungs- oder Studienplatz, sondern fragen auch: „Wo kann ich am meisten Kohle verdienen?“ Daher mache es Sinn, diese begabten Akteure nach dem zweiten B-Jugend-Jahr zu konzentrieren.

Weiterentwickeln soll sie Tim Schulenberg, Landestrainer beim BHV. Der Neerstedter weiß, dass es sich bei dieser Altersgruppe um „eine besondere Klientel“ handelt: „Wir müssen sie unterstützen und Rahmenbedingungen schaffen, die bestmöglich mit Schule und Sport einher gehen.“

Bei Kromer rennt Schulenberg damit offene Türen ein: „Wir vom DHB können im Bereich der Nachwuchs-Sichtung auf keinen Quadratkilometer verzichten.“ ATSV-Vize-Chef Meier unterstützt dieses Bemühen, befürchtet aber später für den Herrenbereich Konkurrenz durch den HC. Dem entgegnete Kromer, dass doch durchaus immer wieder Spieler zu ihrem Heimat-Club zurückkehren, wenn es für sie bis ganz nach oben nicht gereicht hat. Es kann eben nicht jeder so weit schaffen wie Lichtlein und Schmidt.

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