Trotz der Lizenz-Ungewissheit: Neu-Coach Kristian Arambasic macht Brinkumer SV flott

Taktikunterricht nach Mitternacht

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Gleich zehn Neuzugänge begrüßen Manager Frank Kunzendorf (vorn rechts) und Neu-Trainer Kristian Arambasic (links) beim Brinkumer SV (hinten v.l.): Niklas Ernst, Jendrik Meißner, Lars Tyca, Dennis Thüroff, Christopher Taylor, Adrian Felis und Robert Littmann sowie (vorn v.l.): Marcel Brendel, Steven Holstein und Artur Degtjarenko.

Brinkum - Von Daniel Wiechert. Der Frust wurde zum Trotz. „Ist mir egal“, schallte auf der Rückfahrt des Testspiels beim nordrhein-westfälischen Regionalligisten RW Ahlen durch den Brinkumer Bus. Wenige Tage vorher war die Schocknachricht gekommen, dass der Brinkumer SV keine Lizenz für die Bremen-Liga bekommt (wir berichteten). „Hätte der Busfahrer uns das Mikro gelassen, hätten wir wohl die kompletten zweieinhalb Stunden durchgeträllert“, sagt Brinkums Verteidiger Jürgen Heijenga. Das Lied war von den Neuzugängen angestimmt worden. Der obligatorische Aufnahmeritus in Fußballteams.

Zufall oder nicht – es passt zur aktuellen Situation. „Eine Ungewissheit ist natürlich da“, sagt Trainer Kristian Arambasic: „Am Anfang gab es Phasen, in denen wir diese auch nicht aus den Köpfen herausbekommen haben. Doch wir konzentrieren uns voll und ganz auf Fußball – das klappt sehr gut.“

Zur Hiobsbotschaft vom Verband (mittlerweile bestätigte das Sportgericht die Entscheidung, Brinkum zieht jedoch nun vor das Verbandsgericht) gesellten sich in der Vorbereitung auch etliche Personalprobleme. Esin Demirkapi (Rippenprellung), Steven Holstein (Bänderriss), Jendrik Meissner (Schultereckgelenkssprengung) und Hendrik Stannius (Muskelfaserriss) müssen beziehungsweise mussten einige Tage aussetzen, Robert Littmann konnte zuletzt aufgrund seiner Knieprobleme nur dosiert trainieren, Kai Tönsmeyer (Handgelenkbruch), Dimitri Khoroshun (Hüft-OP) und Daniel Block (Kreuzbandriss) werden sogar noch Monate fehlen. „Aufgrund dieser Rahmenbedingungen war die Vorbereitung natürlich eigentlich eine Katastrophe“, sagt der BSV-Trainer: „Aber gerade deshalb muss ich den Jungs ein Riesen-Kompliment machen. Sie ziehen super mit.“

Müssen sie auch. Denn der 37-Jährige A-Lizenz-Inhaber fordert viel, gibt aber auch viel. Heijenga nennt ein Beispiel: „Als wir das erste Testspiel gegen den SV Brake (5:0-Sieg, Anm. d. Red.) absolviert hatten, kam nachts um 00.30 Uhr eine Nachricht in der WhatsApp-Gruppe. Unser Trainer hatte schon Videosequenzen des Spiels zusammengeschnitten und hat uns dann gezeigt, was wir gut und was wir schlecht gemacht haben.“

Für Arambasic gehört die visuelle Analyse „zum professionellen Arbeiten dazu. Wenn die Spieler sich selbst sehen, ist die Wahrnehmung eine ganz andere. So kann ich beispielsweise Spielsituationen einfrieren und ihnen andere Optionen und Lösungen in der jeweiligen Situation aufzeigen. Dafür lege ich gerne Nachtschichten ein.“ Zu diesem Zweck hat der Coach eigens eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen. „Dort geht es nur um solche Sachen. Da wird nicht gefaselt – für so etwas haben die Spieler eine eigene Gruppe.“

Der Neu-Coach legt Wert darauf, viele Kleinigkeiten zum großen Ganzen zusammenzufügen. Denn Arambasics Idealvorstellung vom Fußball ist komplex: „Ich halte nicht viel davon, andere kopieren zu wollen. Doch eine Mischung aus Barcelonas Kurzpassspiel mit viel Ballbesitz, Borussia Dortmunds Umschaltspiel von vor zwei, drei Jahren und das aggressive Pressing von RB Leipzig wäre für mich das Optimale.“

Neben den gruppentaktischen Elementen geht es ihm auch darum, seine Spieler individualtaktisch nach vorne zu bringen. „Der Verein hat mich geholt, um jeden einzelnen weiterzuentwickeln. Das ist auch mein Anspruch.“

Schon in der Rückrunde 2014/15 war Arambasic bei etlichen Brinkum-Spielen aufmerksamer Beobachter. Dabei fiel ihm auf, dass der Mannschaft in manchen Situationen noch eine Prise Reife fehlte. Mit Robert Littmann (29/Innenverteidiger) und Marcel Brendel (27/Stürmer) sind zwei gestandene Akteure hinzugekommen. „Beide haben schon vor ein paar Tausend Zuschauern gespielt“, führt der Coach an: „Sie sind fußballerisch und menschlich unglaublich gute Typen. Das sind Jungs, die in engen Situationen die richtigen Worte finden.“

Das hatte den Brinkumern vor allem im Bremer Pokalfinale (1:5 gegen den Bremer SV) gefehlt. „Da haben die Nerven versagt“, weiß der Coach: „Der Bremer SV ist nicht umsonst wieder souverän Meister geworden. Sie haben natürlich viel Qualität, aber auch extrem viel Erfahrung.“

Spaß bereitet Arambasic aber auch der elfte „Neuzugang“: Demirkapi. Mehr als ein Jahr musste der 22-Jährige wegen einer schweren Knieverletzung pausieren, in der Vorbereitung machte er auf sich aufmerksam: „Er ist ein bärenstarker Innenverteidiger mit einem extrem guten Spielaufbau“, lobt der Coach. Ein weiterer Gewinner der Vorbereitung könnte Kevin Gibek sein. „Er brennt, hört intensiv zu, will unbedingt lernen.“

Im Tor ist es wie in den vergangenen Jahren ein Zweikampf zwischen Niklas Frank (21) und Mathis Peters (21). „Sie sind beides starke Keeper, nah beieinander“, sagt Arambasic. Doch auch Niklas Ernst (22/zuletzt FC Huchting) „wird seine Chance bekommen“. Zumal Frank ab September wegen seines Studiums ins Ausland geht und ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stehen wird.

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