Keine einheitlichen Meinungen

Soll Fußballtraining für Jugendliche erlaubt werden?

Der Ball ruht überall. Aber viele meinen, dass Jugendtraining erlaubt sein sollte.
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Der DFB fordert, den Amateurfußball nicht im Regen stehen zu lassen. Vor allem das Trainingsverbot für Kinder und Jugendliche soll aufgehoben werden.

Die Kinder und Jugendlichen dürfen momentan nicht auf den Fußballplatz. Der DFB jedoch will sich dafür einsetzen, dass zumindest das Training möglich sein sollte. Bei den Jugendtrainern aus unserer Region sind die Meinungen nicht einheitlich.

  • DFB-Vize Rainer Koch ist für Jugendtraining
  • Erschreckende Zahlen von der WHO
  • Hiesige Jugendtrainer sind zwiegespalten

Syke – Es ist kein Geheimnis: Für viele Kinder und Jugendliche ist Fußball ein fester Bestandteil des Alltags. Morgens geht’s in die Schule, nachmittags werden fleißig die Hausaufgaben gemacht – und danach steht das Mannschaftstraining an. So gestaltete es sich zumindest vor der Coronakrise. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr ist aber kaum noch etwas so, wie es „früher“ einmal war – auch nicht im Amateurfußball. Vor allem aktuell, also während des zweiten Lockdowns, bricht für den Nachwuchs viel mehr als nur ein Hobby weg. So bewertet zumindest der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Lage. Vizepräsident Rainer Koch fordert daher auf der DFB-Homepage: „Das generelle Verbot des Trainingsbetriebs sollte zumindest für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgehoben werden, dies gilt nicht nur für den Fußball, sondern zumindest für alle Sportarten, die stets an der frischen Luft ausgeübt werden.“ Mit Punktspielen noch in diesem Jahr rechnet ohnehin keiner mehr. Am Montagabend hatte der Niedersächsische Fußballverband auf einer Videokonferenz beschlossen, in diesem Jahr keine Spiele mehr im Amateurbereich anzusetzen.

Aber Mannschaftstraining ist eine andere Sache. Die Vereine und Verbände hätten in den vergangenen Monaten „enorme Anstrengungen unternommen und die Herausforderungen ebenso hervorragend wie verantwortungsvoll bewältigt“, betont Koch, der gleichzeitig auch der Vorsitzende der Regional- und Landesverbandspräsidenten ist. Er leide derzeit sehr mit den Vereinen und betont: „Dass sie aktuell zur sportlichen Untätigkeit verurteilt sind, tut weh.“ Denn eigentlich müsse es nicht einmal so sein. Das sagt zumindest der in Nienburg geborene Professor Dr. Tim Meyer. Er ist Leiter der Medizinischen Kommission des DFB und bestätigt, dass das generelle Ansteckungsrisiko bei Sportarten im Freien – auch in Mannschaften – nur gering ist.

Auf der Bund-Länder-Konferenz haben sich keine neuen Anhaltspunkte dafür ergeben, ob und in welcher Form die behördliche Verfügungslage einen Trainings- und Spielbetrieb im Dezember wieder zulässt. Lockerungen sind angesichts der aktuellen Infektionszahlen kein Thema.

Günter Distelrath, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes

Zumindest in der Theorie spricht also wenig gegen die Rückkehr des Nachwuchses auf den Trainingsplatz. Das sieht auch Andreas Lüdeke so. Der Trainer der dritten Mannschaft der A-Junioren der JSG Sulingen würde es begrüßen, wenn die Kinder und Jugendlichen noch vor dem Ende des Lockdowns wieder auf den Fußballplatz zurückkehren. „Es tut momentan richtig weh, die verlassenen Sportstätten zu sehen.  Zumindest der Trainingsbetrieb sollte wieder erlaubt sein“, fordert der Übungsleiter, der gleichzeitig auch Jugendleiter beim FC Sulingen ist. Lüdeke sieht im zweiten Shutdown des Jahres aber noch ein weiteres Problem: „Wir machen uns mittlerweile auch Sorgen, dass wir durch das Aussetzen des Trainings- und Spielbetriebs das eine oder andere Vereinsmitglied verlieren könnten.“ Daher sei es wichtig, so schnell wie möglich wieder auf den Platz zurückzukehren. „Notfalls eben wie im ersten Lockdown, bei dem ein Individualtraining in kleinen Gruppen möglich war.“ Des Weiteren wünscht sich Lüdeke in der Thematik mehr Einheitlichkeit.

Denn die Beschränkungen werden aktuell in Deutschland unterschiedlich festgelegt. So hatte das Landeskabinett in Mecklenburg-Vorpommern entschieden, das von der Bund-Länder-Konferenz ausgesprochene Pauschalverbot von Freizeit- und Amateursport, das lediglich den Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand vorsieht, nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Vereinssport anzuwenden. Demnach ist ein Trainingsbetrieb im dünnsten besiedelten Bundesland weiter erlaubt. In der Hauptstadt Berlin gilt die Sonderregelung, dass Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet ist.

DFB-Chef Keller: „Sind uns Verantwortung bewusst“

DFB-Präsident Fritz Keller betont: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, für die Gesundheit, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere Kinder. Aktiver Sport stärkt verschiedenste gesundheitsförderliche Aspekte, zudem hat er eine hohe gesellschaftliche und soziale Bedeutung – ohne in diesen schwierigen Zeiten für eine erhöhte Gefährdung zu sorgen.“

Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den bewährten Hygienekonzepten sei es wichtig, vor allem Kindern und Jugendlichen schnell wieder die Möglichkeit zu bieten, ihren Bewegungsdrang gemeinsam im sportlichen Trainingsbetrieb auszuleben. Denn: „Sport ist wichtiger denn je“, appelliert Keller in einem Schreiben an die Vereine.

Sulinger Dominic Brock sieht Rückkehr zum Training kritisch

Auch Dominic Brock findet es schlimm, dass die Kinder und Jugendlichen aktuell keinen Ausgleich zu ihrem stressigen Schulalltag haben. Doch der B-Junioren-Trainer der JSG Sulingen sieht die Rückkehr auf den Fußballplatz mitten im zweiten Lockdown differenziert. „Es ist momentan schwer zu erklären, warum Mannschaftstraining auf einmal wieder erlaubt sein sollte, der Spielplatz aber weiterhin dicht bleibt. Außerdem steigen die Fallzahlen in den Schulen rapide an. Es gibt immer mehr geteilten Unterricht. Gerade bei unseren U 7- und U 8-Mannschaften gehen viele Spieler in die selbe Klasse. Erst kürzlich hatte sich der Bruder einer meiner Spieler mit Sars-CoV-2 infiziert. Insofern sehe ich den zweiten Lockdown nicht als Frechheit an“, betont das Mitglied des Fußball-Vorstands des TuS Sulingen: „Zudem wäre es mir lieber, wenn wir den Shutdown erst mal bis Ende Januar durchziehen, um dann Anfang Februar wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen. Das sehe ich als wertvoller an, als jetzt mit aller Macht zum Trainingsbetrieb zurückzukehren. Wichtig ist nur, dass wir alles dafür tun, um die Saison sportlich zu Ende bringen, damit kein weiterer Flickenteppich entsteht, den wir jetzt schon durch den ersten Lockdown haben.“

Wie wichtig Bewegung für Kinder und Jugendliche jedoch ist, machte kürzlich eine Studie deutlich. Vergangenen Woche waren die Ergebnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) publik geworden, wonach sich in Deutschland knapp 80 Prozent der Jungen und 88 Prozent der Mädchen zu wenig sportlich bewegen. Die Zahlen stammen aus Umfragen, die im Zeitraum zwischen 2001 und 2016 unter knapp 1,6 Millionen Schülern in 146 Ländern durchgeführt wurden. Laut Empfehlung der WHO sollten sich Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde pro Tag körperlich ausreichend betätigen. Sportvereine bieten dazu in Deutschland die besten Voraussetzungen – sagt zumindest die Präsidentenkonferenz der Regional- und Landesverbände des DFB.

Fußball in der Halle? Da geht wohl nichts

Und was wird aus dem Hallenbetrieb? Training in „geschlossenen“ Räumen ist schließlich noch einmal ein ganz anderer Schnack. „Ich gehe nicht davon aus, dass in diesem Winter noch mal in der Halle trainiert werden kann“, glaubt Brock: „Aber ich wünsche mir – Hygienekonzept vorausgesetzt – dass ab Ende Januar oder Anfang Februar zumindest in kleinen Gruppen von bis zu fünf, sechs Personen ein Trainingsbetrieb für die jüngsten Mannschaften bis zur U 11 wieder möglich ist.“ Die älteren Jahrgänge, sagt Brock, seien körperlich robust genug, um auf die Halle zu verzichten. „Sie könnten die Halle dann den jüngeren Jahrgängen überlassen und draußen trainieren. Das würde das Hallen-Problem etwas entzerren“, schlägt der Sulinger Jugendtrainer vor.

Vor diesem Problem steht der TuS Sudweyhe nicht. „Wir haben zum Glück einen Kunstrasenplatz, könnten nach dem zweiten Lockdown einfach wieder draußen trainieren“, freut sich B-Junioren-Coach Jan Lehmkuhl.

Rainer Dismer: „Das macht keinen Sinn“

Änlich wie Brock, glaubt auch Rainer Dismer, Vorstandsmitglied beim JFV Weyhe-Stuhr, nicht daran, dass dieses Jahr noch mal in der Halle trainiert wird. „Das die Hallen- und Futsalrunden bereits abgesagt worden sind, war die richtige Entscheidung. Das aktuelle Infektionsgeschehen lässt für mich kein Hallentraining zu“, meint Dismer, der auch die Verbandsliga-A-Junioren des JFV Weyhe-Stuhr trainiert: „Es macht momentan wenig Sinn, in die Halle zu gehen.“ Zu hoch sei die Gefahr, dass sich Kinder und Jugendliche mit Sars-CoV-2 anstecken könnten. „Wie soll es funktionieren, wenn sich drei Mannschaften mit je 20 Spielern eine Halle teilen müssen?“, fragt sich Dismer.

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