Immer mehr Fußballmannschaften beschäftigen drei Übungsleiter

Trainer-Trio – wird es ein Trend?

Seit Anfang dieser Spielzeit zu dritt: Gerrit Melloh (M.), der die B-Junioren der JSG Twistringen-Mörsen zusammen mit Ralf Rump (li.) und Ralf Beckmann trainiert.
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Seit Anfang dieser Spielzeit zu dritt: Gerrit Melloh (M.), der die B-Junioren der JSG Twistringen-Mörsen zusammen mit Ralf Rump (li.) und Ralf Beckmann trainiert.

Landkreis – Eines ist klar – zumindest für Gerrit Melloh: „Die Zeit der Trainer-Diktatoren ist vorbei“, betont der Übungsleiter der B-Junioren der JSG Twistringen-Mörsen mit einem Augenzwinkern: „Es lebe die Meinungsvielfalt.“ Auch wenn Melloh die Aussage nicht ganz ernst meint, steckt dahinter doch ein Fünkchen Wahrheit. Man müsse nur in die Fußball-Bundesliga schauen, meint der Coach: „Dort scharen die Chefcoaches zig Co-Trainer um sich herum.“

Doch so hoch hinaus muss der Blick gar nicht gehen. Der Trend aus dem Oberhaus hat längst den Amateurbereich erobert. Jüngstes Beispiel dafür ist unter anderem der Bezirksligist TSV Okel. Seit der Spielzeit 2020/21 gönnen sich die „Grün-Gelben“ einen dritten Coach für ihr Team. Vergangene Spielzeit waren noch Cheftrainer Lutz Schröder sowie sein spielender Co-Trainer Rico Volkmann für die Mannschaft verantwortlich. Nun stieß Marlon Reyher, der ebenfalls zum Okeler Kader gehört, zum Trainerteam dazu. Ähnlich verhält es sich beim in der Bremer Landesliga spielenden SC Weyhe. Seit dieser Spielzeit werden die Übungsleiter Dennis Lingnau und Harald Meyer von Simon Peters unterstützt.

Das Modell Trainer-Trio kann durchaus Schule machen: Ein Paradebeispiel dafür sind der TuS Sulingen und der FC Sulingen. In ihrer Jugendspielgemeinschaft (JSG) haben sie zwölf Mannschaften. Unterhalb der U 12 stellen beide Clubs jeweils noch fünf eigene Teams. Und drei Verantwortliche sind dabei keine Seltenheit. Bei zwei Mannschaften (U 13 und U 12 der JSG) hat gar ein Quintett das Sagen.

Auch bei der JSG Twistringen-Mörsen ist diese Tendenz deutlich erkennbar. Sowohl die A-, B-, C-, als auch die beiden C-Junioren-Teams haben jeweils ein Trio eingestellt. Die erste Mannschaft der E-Junioren verfügt sogar über vier Übungsleiter.

Für Okels Volkmann hat die Traineraufstockung ganz praktische Gründe. „Der Hauptgrund ist, dass Lutz ja eigentlich kürzertreten wollte. Aber wegen der angespannten Coronalage ist er nun doch als Cheftrainer geblieben“, erklärt die rechte Hand von Schröder: „Lutz hat sein Bleiben aber unter eine Bedingung gestellt: Er möchte mehr Zeit für Freizeit und Beruf haben. Deswegen haben wir uns entschieden, Marlon Reyher mit ins Boot zu holen. Marlon bringt als Jugendtrainer bereits Erfahrung mit. Neben seiner neuen Tätigkeit als spielender Co-Trainer in Okel ist Marlon, der die Trainer-B-Lizenz besitzt, auch Coach der D-Junioren beim TV Bremen-Walle. Und auch beim TuS Syke war er in der Jugendarbeit aktiv.“

Es gehe darum, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. „Marlon und ich gehören eher zur jüngeren Fraktion, während Lutz eher die alte Schule repräsentiert. Ich glaube, die Mischung macht’s“, meint Volkmann: „Am Ende geht es immer darum, dass wir Drei das Bestmögliche für den Verein und die Mannschaft herausholen.“

Kollege Schröder ergänzt: „Marlon bringt sehr viel Talent als Trainer mit. Ich wollte ihn damals schon in meiner Funktion als Jugendkoordinator zum TuS Sudweyhe locken.“ In Okel seien alle Trainer gleichberechtigt, betont Schröder, der von beruflicher Seite aus in der neuen Spielzeit nicht immer zum Training erscheinen kann. „Auch Rico arbeitet im Schichtbetrieb. So haben wir die komfortable Lösung, dass immer jemand das Training leiten kann“, erklärt Schröder.

„Neuzugang“ Reyher betont zudem, dass es gut für die Mannschaft sei, „dass die Arbeit jetzt zu dritt erledigt wird“ – und richtet den Blick bereits in die Ferne: „Ich denke, dass ich in Zukunft eine Menge von Lutz und Rico lernen kann. Ich würde gerne noch sechs bis acht Jahre als Spieler weitermachen und dann schauen, wie es sich entwickelt. Aber es wäre natürlich sehr schön, wenn ich auf der Trainerleiter noch weiter klettern könnte.“

Während Okel erst Anfang dieser Spielzeit das Abenteuer Trainer-Trio gewagt hat, kennt sich der SC Weyhe damit bereits aus. Seit Dezember ist Simon Peters das dritte gleichberechtigte Mitglied im Trainerteam, und dieser „Schachzug ist aufgegangen“, findet Dennis Lingnau. Harald Meyer kümmert sich nun vermehrt um das Torhüter-Training, „der eine macht mal eine Spielform, Ball- oder Konditionstraining“, erklärt der 61-jährige Meyer: „Das klappt wunderbar und kommt auch in der Mannschaft gut an.“

Peters selbst ist ebenfalls zufrieden mit seiner neuen Rolle. „Wir sind drei verschiedene Typen, kommen aber gut miteinander klar“, findet der 31-jährige B-Lizenz-Inhaber, der bereits mit 16 Jahren Jugendteams gecoacht hat. Lingnau freut sich über den Neuzugang, der sich beim Training ein bisschen intensiver mit taktischen Inhalten beschäftigt: „Simon steht für strukturiertes Arbeiten, klare Ansprachen, und er erklärt gut.“

Ähnlich verhält es sich auf der Trainerbank der JSG Twistringen-Mörsen. Bei den ersten B-Junioren zum Beispiel bilden Melloh, Ralf Beckmann und Ralf Rump ein Übungsleiter-Trio. „Sechs Augen sehen am Ende mehr als nur zwei“, betont Chefcoach Melloh. Dass gleich drei Trainer das Sagen haben, hat laut Beckmann praktische Gründe: „Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Ich denke mal, dass das der Hauptgrund ist, warum es gerade im Amateurbereich immer mehr Trainer-Trios gibt.“

Eine Aussage, die auch Stefan Rosenthal blind unterschreibt. Der frühere Cheftrainer des Bezirksligisten FC Sulingen ist seit Anfang der Serie für die C-Junioren der JSG Sulingen, die in der Landesliga auf Torejagd gehen, am Start. „Der Grund, warum ich nun als Jugendcoach arbeite, hat ganz praktische Gründe: Ich wollte mehr Zeit für meine Familie haben. Außerdem spannt mich meine Arbeit zu sehr ein, um mich weiterhin voll und ganz auf den Job als Herrentrainer zu konzentrieren.“ Nun hat er mit Lukas Koop und Lars Mesloh zwei tatkräftige Assistenten an seiner Seite.

Unterstützung erfährt auch Dominic Brock, der zusammen mit Hermann Jürgens und Jens Stubbemann die B-Junioren der JSG Sulingen trainiert. „Wir haben allein 20 bis 25 Jugendliche beim Training. Da macht es einfach Sinn, sich die Aufgaben aufzuteilen, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Das steigert zudem auch die Qualität der Übungseinheiten“, ist sich der 38-jährige Trainer sicher.

Inwieweit sich die Trainer-Trios zu  einem echten Trend entwickeln, bleibt abzuwarten – eine interessante und praktische Variante sind sie allemal . . .

Von Julian Diekmann

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