Budelmanns Plan nach Teamabend verworfen

Eine neue Taktik: Heiligenfelde sattelte mitten in der Saison um

Torben Budelmann (hinten links), Pascal Witt (mit dem Rücken zur Kamera), Tobias Marquardt (von rechts), Joshua Brandhoff, Tobias Dickmann und Nico Eggers
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Umgeschaltet: Heiligenfeldes Trainer Torben Budelmann (hinten links) ließ sich zu Beginn der vorigen Saison von der Mannschaft umstimmen, was die Taktik betraf. Seitdem lief es für das Team um Pascal Witt (mit dem Rücken zur Kamera), Tobias Marquardt, Joshua Brandhoff, Tobias Dickmann und Nico Eggers (von rechts).

Es wollte einfach nicht laufen mit dem neuen Ballbesitz-System von Torben Budelmann. Also besprach der Trainer des SV Heiligenfelde die Taktik kurzerhand mit seinen Spielern – und stellte um. Danach lief‘s beim Bezirksligisten. Weil sich der „Chef“ nicht zu schade war, andere einzubeziehen...

Heiligenfelde – Werders langjähriger Bundesliga-Trainer Otto Rehhagel bezeichnete sich bekanntlich gerne scherzhaft als „demokratischen Diktator“: Seine Menschenführung galt zwar als legendär, aber ein Mitspracherecht bezüglich Taktik oder Aufstellung besaßen seine Spieler nicht.

Nun liegen seine unzähligen Triumphe auch schon länger zurück, doch bis heute gibt es bei Fußballvereinen ein ungeschriebenes Gesetz: Der Trainer entscheidet, die Mannschaft führt aus. Eine Maxime, die nicht nur für Proficlubs gilt – auch im Amateurbereich wird im Normalfall immer nach diesem Schema verfahren. Deshalb ließ die „Basisdemokratie“ beim Bezirksligisten SV Heiligenfelde in der vergangenen Saison aufhorchen.

Trainingspausen bei Schlüsselspielern der Genickbruch für den totalen Ballbesitz

Was war passiert? Der SVH ging dank eines intelligent verstärkten Kaders als Topfavorit in die Serie hinein, konnte den hohen Erwartungen anfangs allerdings in keiner Weise gerecht werden. Was Trainer Torben Budelmann im Nachhinein auf eine zu diesem Zeitpunkt verfehlte Taktik zurückführt: „Ich wollte mit den Jungs den nächsten Schritt machen und mit extrem viel Ballbesitz und ständig wechselnden Positionen zum Erfolg kommen. Leider klappte das überhaupt nicht.“

Warum? „Budel“ liefert für den Fehlstart eine plausible Erklärung: „Eigentlich hätten die Jungs dieses System spielen können. Aber am Anfang der Saison kamen einige Spieler gerade aus längeren Verletzungen oder konnten berufsbedingt kaum trainieren. Es fehlten einfach die körperlichen Voraussetzungen. Und dann fiel auch noch ein Schlüsselspieler wie unser Goalgetter Joshua Brandhoff verletzt aus. In den ersten Partien war einfach komplett der Wurm drin.“

Budelmann ist „kein Zacken aus der Krone gebrochen“

Also ging Budelmann in sich, beharrte nicht störrisch auf seinem favorisierten System, sondern fragte die Mannschaft um Rat. Bei einem Teamabend kamen sämtliche Kritikpunkte auf den Tisch – und am Ende des Tages setzte Heiligenfelde für den weiteren Saisonverlauf auf deutlich weniger Ballbesitz und wieder auf mehr Umschaltspiel.

Ungewöhnlich? Nicht für Budelmann: „Es bringt mir doch nichts, nur auf meiner Meinung zu bestehen. Die Jungs müssen sich mit dem System auf dem Platz ja wohlfühlen. Mir ist kein Zacken aus der Krone gebrochen, weil ich meine ursprüngliche Taktik wieder einkassiert habe.“ Mannschaftskapitän Tobias Dickmann sieht es ähnlich: „Respekt vor der Geradlinigkeit von Torben. Wir fanden es richtig stark von ihm, dass er uns mit in die Entscheidungsfindung eingebunden hat. Die Aussprache und die folgenden Umstellungen haben uns auf alle Fälle gut getan.“

Die Mannschaft hat weiter Mitspracherecht – muss dann aber liefern

Kann man so sagen: Mit neuer – alter – Taktik platzte beim SVH urplötzlich der Knoten, sodass beim Corona-Abbruch der Rückstand zur Meisterrunde nur noch vier Pünktchen betrug. Bleibt die Frage, ob Budelmann seinen Spielern künftig weiter ein Mitspracherecht einräumt?

Der SVH-Coach antwortet frei nach „Radio Eriwan“: „Im Prinzip ja, aber die Jungs müssen dann auch liefern. Ich habe extra eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, wo sich Trainerstab und Führungsspieler regelmäßig austauschen. Mir ist Augenhöhe mit der Mannschaft extrem wichtig. Wir können nur zusammen Erfolg haben.“

Zweifellos eine interessante Herangehensweise, aber selbst bei dem neuen Heiligenfelder Weg entscheidet ganz zum Schluss weiterhin der Coach mit seinen Kollegen von der Kommandobrücke, wie „Budel“ bestätigt: „Das allerletzte Wort hat immer der Trainerstab. Anders geht es nicht.“ Ein Satz, der sich dann doch wieder zumindest etwas nach Otto Rehhagel anhört.

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