Trainer spricht über seinen Abschied vom FC Sulingen und ein kurioses Gefühl

Meyer sagt Servus: „Ich kann jedem in die Augen schauen“

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Auf den (Anstoß-) Punkt gebracht. Über vier Jahre war Dirk Meyer – hier links im Gespräch mit Kreiszeitung-Sportredakteur Arne Flügge – als Trainer auf dem Sportplatz des FC Sulingen zu Hause. Zum Abschieds-Interview lud der 37-Jährige trotz Eiseskälte noch einmal in sein Wohnzimmer. Meyer sitzt am Sonntag gegen die SG Hoya das letzte Mal auf der Bank des Bezirksligisten. Ein neuer Job will wohl überlegt sein. „Ich will nicht Trainer sein, nur um Trainer zu sein“, sagt Meyer.

Sulingen - Von Arne Flügge. Vor gut drei Wochen ließ Fußball-Bezirksligist FC Sulingen die Bombe platzen: Der Vertrag mit Trainer Dirk Meyer wird nicht über das Saisonende hinaus verlängert. Man wolle nach gut vier Jahren andere Impulse setzen, lautete die Begründung des Vorsitzenden Lars Grunert und seiner Vorstands-Crew. Meyer entschied daraufhin, nur noch bis zur Winterpause weiterzumachen. Am Sonntag (15.00 Uhr) im Heimspiel der Sulinger gegen die SG Hoya heißt es für den 37-Jährigen nun Abschied nehmen. Meyer bestreitet sein letztes Spiel als Coach für den FC Sulingen. Im Interview spricht der Trainer über ein „kurios-mulmiges Gefühl“, das er seit Wochen mit sich herumträgt, über seinen letzten Auftritt als FC-Coach und seine sportliche Zukunft.

Herr Meyer, als Sie erfahren hatten, dass in Sulingen für Sie Schluss ist – mit welchen Gefühlen sind Sie dann zur nächsten Trainingseinheit gegangen?

Dirk Meyer: Es war von der ersten Einheit bis heute so: Ich hatte ein ganz, ganz komisches Gefühl. Teilweise war es die Freude, die Jungs zu sehen, dann wieder kurios, weil ich nicht wusste, was die Spieler denken. Das Schwierigste war wirklich: Wie reagieren die Jungs, wie ich selbst? Es war so ein kurios-mulmiges Gefühl. Mit drei Siegen in drei Spielen hat die Mannschaft dann die Antwort auf dem Platz gegeben.

Sie sagen, Sie wussten nicht, wie die Spieler denken. Haben Sie nicht mit ihnen über die Sache gesprochen?

Meyer: Doch, natürlich. Und alle waren enttäuscht, geschockt und überrascht, dass ich gehen muss. Genau wie ich ja auch. Aber unterm Strich war uns allen klar: Wir haben das so zu akzeptieren. Und wir müssen jetzt das Positive aus der Zusammenarbeit für die Zukunft herausziehen, die Situation in positive Energie umwandeln.

Haben die Spieler mit den drei Siegen in Folge eine Trotzreaktion gezeigt?

Meyer: Trotzreaktion will ich gar nicht mal sagen. Die Jungs sind Fußballer, die immer gewinnen wollen. So gesehen ist es doch toll, dass sie erfolgreich waren. Und mit der Zeit verfliegt die Enttäuschung ja auch weitgehend.

Außer dem Anliegen, dass der FC Sulingen neue Impulse setzen will – haben Sie mittlerweile die genauen Gründe erfahren, warum Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Meyer: Nein. Mein Stand ist noch genau der wie vor Wochen.

Hätte man nicht alle Karten auf den Tisch legen müssen? So schießen die Spekulationen doch nur unnötig ins Kraut. Sowohl für Sie als auch für den Club eine unangenehme Sache.

Meyer: Das ist richtig. Es wurde und wird noch immer viel gemunkelt. Teilweise wird dabei so viel Quatsch erzählt. Da sind sogar richtig respektlose Geschichten dabei. Doch darüber mache ich mir keine Gedanken mehr. Ich habe den Grund nicht bekommen – und fertig.

Was für respektlose Geschichten?

Meyer: Das gehört nicht in die Zeitung. Man weiß ja, was los ist, wenn sich eine Gerüchteküche erstmal austobt. Und das ist für beide Seiten dann schwer: Jeder kriegt auf die Glocke –die Verantwortlichen und ich. Und du stehst da wie der Ochse vorm Berg. Jeder fragt dich: Warum? Und du kannst keine Antwort geben. Im Endeffekt wissen nur Paddy und Schoko (FC-Vorstandsmitglieder Patrick Sarre und Lars Grunert/d. Red.), warum sie die Entscheidung getroffen haben. Und die Zukunft wird entscheiden, ob sie damit richtig lagen oder nicht.

Gab es mittlerweile Gespräche zwischen Ihnen und dem Vorstand?

Meyer: Nein, im Moment herrscht Funkstille. Wir haben keinen großen Kontakt. Sie haben ja im Moment auch einige Aufgaben zu erledigen. Ich bin jetzt aber auch nicht permanent hinter den beiden hergelaufen, um Antworten zu bekommen. Das hätte mich kaputtgemacht. Wie gesagt: Die beiden wissen es, und sie werden sich an dieser Entscheidung messen lassen müssen.

Am Sonntag sitzen Sie gegen Hoya zum letzten Mal auf der Trainerbank des FC Sulingen. Werden da noch mal alle Emotionen hochkochen?

Meyer: Ehrlich, ich weiß nicht, was am Sonntag passiert. Natürlich werden viele Erinnerungen hochkommen. Und ich werde mich nach dem Spiel natürlich entsprechend von der Mannschaft verabschieden. Das wird mir sehr schwerfallen. Darauf bereite ich mich vor. Wir wollen einen schönen Tag verbringen, am besten mit einem Sieg. Das wäre ein tolles Abschiedsgeschenk.

Wie geht es dann weiter mit dem Trainer Dirk Meyer?

Meyer: Stand jetzt: mit einer fußballfreien Zeit. Ich werde eine Pause machen, aber ich weiß nicht, ob das funktioniert. Ich kenne Dirk Meyer ja zu genau – und der will immer auf dem Platz stehen. Ich bin fußballverrückt. Aber erstmal ist nichts geplant. Außer, es tut sich irgendwo noch was.

Gab es schon Anfragen?

Meyer: Ja, einige waren da. Doch die habe ich relativ schnell abgesagt. Weil ich zum einen noch nicht so weit war, zum anderen möchte ich eine Aufgabe, bei der zusammen mit dem Verein konkrete Konzepte und Ziele erarbeitet und ausgegeben werden. Das würde mich reizen. Ich will nicht Trainer sein, nur um Trainer zu sein.

Werden Sie sich weiterhin Spiele des FC Sulingen anschauen?

Meyer: Das ist ja schon ein besonderer Moment. Und daher probiere ich jetzt erstmal, zur Ruhe zu kommen. Deswegen mache ich mir darüber jetzt noch keine großen Gedanken. Irgendwann werde ich sicherlich wieder auf dem FC-Platz vorbeischauen und die Mannschaft unterstützen. Ich mag die Jungs doch, und in den über vier Jahren sind Freundschaften entstanden. Man kann jetzt aber nicht erwarten, dass ich jede Woche da bin.

Was nehmen Sie mit, wenn sie am Sonntag Ihren Spind räumen?

Meyer: Ich kann meine Zeit beim FC Sulingen am Sonntag mit einem reinen Gewissen beenden, und ich kann jedem in die Augen schauen. Was bleiben wird, sind die vielen positiven Erlebnisse. Und: Ich bin selbst mit mir im Reinen.

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