Michael Hohnstedt spricht über seinen Start als Chefcoach

Hohnstedt: „Diese A-Jugend ist ja praktisch mein Baby“

Auch als Chef am Seitenrand ist Michael Hohnstedt Nahbarkeit wichtig: „Ich bleibe der Micha. Autorität hat für mich nichts mit der Anrede zu tun.“
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Auch als Chef am Seitenrand ist Michael Hohnstedt Nahbarkeit wichtig: „Ich bleibe der Micha. Autorität hat für mich nichts mit der Anrede zu tun.“

Michael Hohnstedt brennt schon richtig auf seine erste Station als Chefcoach. Wie der 33-Jährige das Ruder bei Rehdens A-Junioren in der Fußball-Regionalliga noch herumreißen will, wer sein Vorbild als Trainer ist und ob seine Frau ihn zumindest an den Feiertagen mal ganz für sich alleine hat, das verrät der Ex-Profi im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Hohnstedt, Ihre Installierung zum neuen Cheftrainer der Rehdener A-Junioren kam für viele überraschend. Für Sie selbst auch?

Ja und Nein. Ich bin ja schon länger Sportvorstand im Jugendbereich. In dieser Funktion haben alle Verantwortlichen zusammen mit Präsident Friedrich Schilling schon Mitte November die Hinrunde analysiert und waren sich einig, einen neuen Impuls auf der Trainerposition setzen zu müssen. Wir sahen leider keine positive Entwicklung bei den Jungs mehr.

Fiel die Wahl als Nachfolger von Stefan Czyborra denn sofort auf Sie?

Nein. Es wurden zuerst Gespräche mit anderen Bewerbern geführt. Plötzlich brachte mich Friedrich Schilling ins Gespräch, da ich ja ohnehin meine A-Lizenz machen möchte und sich ein Cheftrainerposten dann gut in der Vita macht.

Zu diesem Zeitpunkt waren Sie aber noch Co-Trainer von Andreas Golombek bei der ersten Herren?

Genau. Und das war auch vor seiner Entlassung. „Golo“ hat mir jedoch keine Steine in den Weg gelegt und auch meine Frau war einverstanden. Also habe ich nach einiger Überlegung zugesagt. Wir wollten mit der Bekanntgabe halt nur bis zur Winterpause der ersten Herren warten, um Unruhe zu vermeiden.

Schreckt Sie die Schwere der Aufgabe gar nicht? Ausgerechnet bei Ihrer ersten Anstellung als Chefcoach könnten Sie sofort absteigen . . .

Leicht kann jeder (lacht). Außerdem war die Zeit einfach reif, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Natürlich handelt es sich um eine Herkulesaufgabe, in nur sieben Spielen fünf Punkte Rückstand aufzuholen, aber ich habe einen großen Vorteil im Vergleich zu einem externen Trainer.

Welchen Vorteil sehen Sie denn?

Ich kenne alle Jungs schon länger und habe die meisten bereits nach Rehden geholt. Diese A-Jugend ist ja praktisch mein Baby. Ich brauche hier keine lange Einarbeitungszeit.

Haben Sie sich denn schon in die neue Aufgabe gestürzt?

(schmunzelt) Ich habe mir sogar schon die Finger wund telefoniert und mit jedem unserer Spieler gesprochen. Auch der Trainingsplan steht. Bis zum neuen Jahr sollten sich die Jungs individuell fit halten, und am 7. Januar würde ich dann gerne wieder auf den Platz zurück – falls Corona mitspielt.

Klingt nach einem frühen Beginn. Das erste Spiel findet ja erst wieder im März statt . . .

Das stimmt. Aber ich möchte im Januar schon die ersten taktischen Grundlagen schaffen. Diese vier Wochen werden intensiv für den Kopf. Danach sollen die Jungs eine Woche verschnaufen, ehe die heiße Phase vor dem Rückrundenauftakt gegen den JFV Calenberger Land anbricht.

Mit welchem Spielstil wollen Sie das „Wunder von Rehden“ schaffen?

Die Grundtugenden wie Kondition und Kampfgeist sollten ohnehin in der zweithöchsten deutschen Jugendklasse stimmen. Aber wir setzen auch auf spielerische Lösungen und müssen auf alle Fälle unser Gegenpressing perfektionieren. Doch in erster Linie geht es mir um Spaß am Kicken. Genug Qualität haben die Jungs.

Welche Art von Trainer erwartet Ihre Spieler? Wird aus dem freundlichen Michael nun der strenge Herr Hohnstedt?

(lacht) Ich bleibe der Micha. Autorität hat für mich nichts mit der Anrede zu tun. Natürlich treffe ich als Cheftrainer die Entscheidungen, aber ich möchte die Jungs mitnehmen und überzeugen. Und keine Angst, mit mir bekommt man nur Streit, wenn man Anweisungen bewusst nicht befolgt.

Gibt es eine Art Trainer-Vorbild für Sie?

Jürgen Klopp ist schon ziemlich genial. Aber „Kloppo“ begeistert wohl jeden. Gerne denke ich aber auch an Maik Walpurgis zurück. Er war ja mein erster Coach als Profi. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken.

Die Zeit unter Trainer Maik Walpurgis beim VfL Osnabrück hat Michael Hohnstedt geprägt.

In Ihrer Zeit als Rehdener Co-Trainer haben Sie unter Heiner Backhaus, Maarten Schops und Andreas Golombek gearbeitet. Wo hatte dieses Trio seine jeweiligen Stärken?

Das sind drei tolle Trainer, von denen ich mir einiges abgeschaut habe. Heiner ist ein echter Menschenfresser und zieht Spieler bei seinen Ansprachen richtig in den Bann. Maarten ist ein absoluter Perfektionist, der viel Wert auf Struktur und Details legt. Und bei „Golo“ bewundere ich seine unerschütterliche Ehrlichkeit. Diese Eigenschaft gibt es im Fußballgeschäft leider nicht mehr so oft. Er ist total gerade und kommuniziert bedingungslos offen. Das mag ich sehr.

Unter Golombek durften Sie sogar häufiger das Training leiten.

Und dafür bin ich ihm auch ausgesprochen dankbar. Aber auch unter Heiner und Maarten war ich zum Glück nie nur der Hütchenaufsteller.

Sehen Sie Ihre neue Aufgabe eigentlich als Sprungbrett für andere Vereine? Immerhin haben Sie ja als Profi für Traditionsclubs wie den VfL Osnabrück gespielt.

Das wäre respektlos Rehden gegenüber. Ich bin insbesondere Präsident Friedrich Schilling sehr dankbar für sein Vertrauen. Nachdem ich verletzungsbedingt meine aktive Laufbahn beenden musste, hat er mich gleich als Co-Trainer der ersten Herren installiert. Ich möchte nun etwas zurückgeben.

Also zieht Sie tatsächlich nie etwas aus Rehden weg, wie sie kürzlich geäußert haben?

Meine Frau und ich fühlen uns hier super wohl, haben in Wagenfeld gebaut und erwarten Nachwuchs. Ich identifiziere mich momentan voll und ganz mit Rehden.

Ein künftiger A-Lizenz-Inhaber könnte aber auch bei den Erwachsenen arbeiten . . .

Natürlich bin ich sehr ehrgeizig und selten völlig zufrieden. Und natürlich weiß auch ich nicht, was die Zukunft bringt. Aber derzeit konzentriere ich mich ausschließlich darauf, mit der A-Jugend den Regionalliga-Klassenerhalt zu packen.

Haben Sie denn zumindest mal an den Feiertagen komplett abschalten und sich nicht mit Fußball beschäftigen können?

(grinst) Ganz ohne Fußball geht es bei mir nie. Meine Frau kennt mich nun schon 16 Jahre und kann damit umgehen. Doch Weihnachten habe ich keine Taktiktafel an den Tannenbaum gehängt, und die restlichen Tage des Jahres bin ich mit meiner Frau auch zum Abschalten noch weggefahren. Ob ich dabei allerdings nie an Fußball gedacht habe, würde ich nicht beschwören (lacht).

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