TRAINER-ABSCHIEDE Vilsens Coach wünscht sich große Abschlussparty

Tolles Traum von der Mega-Sause

Vilsens Coach Patrick Tolle stellt während eines Auswärtsspiels in Seckenhausen Hütchen auf – das wird er in nächster Zeit nicht mehr machen.
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Selbst ist der Mann: Vilsens Coach Patrick Tolle stellt während eines Auswärtsspiels in Seckenhausen Hütchen auf – das wird er in nächster Zeit nicht mehr machen.

Coach Patrick Tolle verlässt den SV Bruchhausen-Vilsen. In unserer Serie „Trainer-Abschiede“ verrät er, warum das schmerzt und was er sich wünscht: eine große Abschlussparty.

Br.-Vilsen – Alles begann bei den D-Junioren in Asendorf – hier hatte Patrick Tolle damals seine erste Station als Trainer. Nach dem Job bei den A-Junioren folgte der Wechsel zum benachbarten SV Bruchhausen-Vilsen. Dort betreute der 38-Jährige, seinerzeit auch noch selbst aktiv, die Mädchenmannschaft, das Damen-Team, die A-Junioren – und seit Anfang 2019, als er von Frank Fischer übernahm, die erste Herren.

Eine lange Zeit an der Seitenlinie, die nun wegen Corona und des erneuten Saisonabbruchs ein vorzeitiges und für den Vilser total unbefriedigendes Ende findet. Gerne würde der scheidende Coach, der wegen seiner beruflichen Verpflichtungen als Fahrschul-Inhaber schweren Herzens aufhört, mit all seinen Teams noch eine dicke Party feiern, wie er im Gespräch verrät.

Wie schwer fällt es Ihnen, von Ihrer Mannschaft wegzugehen?

Dieser Schritt ist mir echt nicht leicht gefallen – und dieses Abrupte macht es mir jetzt noch schwerer. Das sind doch alles meine Jungs, viele sind mit mir aus der A-Jugend hochgegangen. Eine Supertruppe ist das. Und ich bin als Trainer in der Bezirksliga angekommen – alles geil eigentlich, geradezu bilderbuchmäßig. Und wenn es nur nach meinem Herzen ginge, hätte ich auch gar nicht aufgehört. Aber ich kriege es beruflich einfach nicht mehr hin, habe inzwischen zwei Firmen und 18 Angestellte, mit den Fahrschulen fünf Niederlassungen.

Wie hätte Ihr perfekter Abschied ausgesehen?

Wir qualifizieren uns erst als Aufsteiger für die Meisterrunde und haben damit den Klassenerhalt sicher. Das wäre grandios gewesen. Und in der Meisterrunde würden wir richtig coole Spiele haben – mein letztes dann bei uns zu Hause vor großem Publikum – 200, 300 Leute. Ein schöner Sieg und anschließend eine Party, noch mal ordentlich abfeiern mit den Jungs.

Und wie ist die aktuelle Situation stattdessen?

Richtig sch . . ., unheimlich bitter – und für mich nach 14 Jahren Fußballtrainer am Stück mit insgesamt drei Aufstiegen auch sehr emotional. Wir hatten unser letztes Spiel im Oktober in Twistringen. Das muss man sich mal vorstellen.

Wann und wie wird eine Feier im Mannschaftskreis nachgeholt?

Noch ist nichts geplant, weil man ja momentan nichts planen kann. Ich denke, der Verein wird irgendetwas machen, wir gehen ja im Guten auseinander. Meine Wunschvorstellung ist, dass alle meine Mannschaften, auch die Jugendteams von früher, zusammenkommen und eine große Sause machen. Und wenn es dann 200 Leute sind, auch okay. Dann könnte man zum Beispiel die Bahnhofshalle in Bruchhausen-Vilsen mieten. Das wäre genau mein Ding und der perfekte Schlusspunkt.

Das 60-Meter-Tor und die furiose Aufholjagd

Normalerweise würde Patrick Tolle den Aufstieg in die Bezirksliga 2020 nennen – aber da mussten sich der Coach und seine Spieler vom SV Bruchhausen-Vilsen wegen Corona eher im Stillen freuen. Als Zweitplatzierter hinter der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst durfte die Mannschaft im Zuge der abgebrochenen Saison dank der Quotientenregelung hoch. „Wir konnten es sportlich leider nicht zu Ende bringen – und eine Feier war auch nicht erlaubt“, bedauert Tolle. Deshalb nennt er zwei Spiele, die ihm in besonderer Erinnerung geblieben sind. Das 2:0 im September 2019 auf eigenem Platz gegen Spitzenreiter Seckenhausen, als Alexander Kues aus 60 Metern traf. „Auf die Idee muss man erst mal kommen“, staunt Tolle noch immer über den Kunstschuss aus XL-Distanz: „Das war sicher eines der schönsten Tore, die ich als Trainer erlebt habe. Und im Internet wurde es über 40 000 Mal angeklickt.“ Zudem fällt dem 38-Jährigen die Partie beim SC Twistringen ein, die letzte in der aktuellen, ebenfalls vorzeitig beendeten Spielzeit – und demnach seine letzte als Coach. „Wir lagen nach 25 Minuten schon mit 0:3 hinten. Nach dem 1:3 war die Ansprache in der Kabine etwas anders als sonst. Ich hatte irgendwie das Gefühl, als ob wir das Ding noch drehen können – und habe ein bisschen umgestellt.“ Tatsächlich schaffte Vilsen noch das 3:3. Und Tolle strahlte: „Da hat man gesehen, welch tolle Moral die Mannschaft hat. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn das, was man verändert hat, voll aufgeht.“ mr

Was geben Sie zum Ausstand aus?

Auf jeden Fall werde ich mir da für meine Mannschaft noch etwas einfallen lassen. Bier und Bratwurst vielleicht, ein schöner Grillabend – so etwas in der Art.

Wie fühlt es sich an, die Mannschaft sozusagen ganz leise und durch die Hintertür verlassen zu haben?

Das ist das Schlimmste, was hätte passieren können. Wenn ich gewusst hätte, dass ich so aufhören muss, hätte ich mich vielleicht – trotz der beruflichen Belastung – noch mal ein Jahr durchgequält. Aber das ist jetzt natürlich kein Thema mehr. Ich möchte das Ganze ordentlich abschließen.

Wie ist aktuell der Kontakt zur Mannschaft? Wird noch irgendwie trainiert?

Gelegentlich telefoniere ich mit den Jungs, etwa zum Geburtstag. Der Kontakt ist schon noch da. Trainiert haben wir seit sechs Monaten nicht – und werden es wohl auch nicht mehr tun. Kleingruppentraining machen wir nicht, stattdessen gehen die Spieler laufen.

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Trainerjob aus? Sind Sie offen für Neues, machen Sie eine Pause oder hören Sie vielleicht sogar ganz auf?

So schnell werde ich nicht auf den Rasen oder an die Seitenlinie zurückkehren, denke ich. Aber vielleicht läuft die Firma in zwei, drei Jahren auch ganz gut ohne mich. Und wenn ich dann wieder Lust habe, mal gucken: Sag niemals nie. Allerdings muss ich auch die Zeit haben, sonst geht’s nicht.

Wie vertreiben oder versüßen Sie sich die fußballlose Zeit?

Wenn ich mal Zeit habe, gehe ich am liebsten laufen. Ich muss irgendwas machen, weil ich in meinem Job ja viel sitze. Zweimal zehn Kilometer pro Woche, das versuche ich – möglichst unter 50 Minuten. Meistens bin ich am Wochenende zwischen Vilsen und dem Holschenböhl unterwegs, fast immer die gleiche Strecke. Und dann gehe ich auch an meine Grenzen, das muss ich haben. Ich brauche einen Gegner – und wenn es die Uhr ist. Vielleicht spiele ich nächste Saison auch noch mal in der Alten Herren mit.

Viel um die Ohren mit seiner Fahrschule: Aus beruflichen Gründen legt Patrick Tolle das Amt als Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen schweren Herzens nieder. „So schnell werde ich nicht auf den Rasen oder an die Seitenlinie zurückkehren“, glaubt der 38-Jährige.

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