Teskes berufliche Erfahrungen

„Tiefer geht‘s nicht“

Brennendes World Trade Center
+
Brennendes World Trade Center

Knut Teskes Mutter starb, als er acht Jahre alt war. Sein Vater wanderte 1950 nach Kanada aus – und er lebte fortan bei der Familie seines Onkels Günter von Nordenskjöld in Sulingen. 1963 zog er weg und probierte beruflich einiges aus (siehe Steckbrief), ehe er beim Journalismus landete. Allerdings saß der heute 79-Jährige, der nach eigener Schätzung 10 000 Artikel geschrieben hat, eher selten im Büro.

Er war ständig unterwegs – als Krisen- und Kriegsberichterstatter hat er extrem viel Elend und Zerstörung gesehen. Bei der Tageszeitung „Die Welt“ habe den Job keiner machen wollen, also griff er zu, erinnert sich Teske: „Ich war in den schlimmsten Slums im Amerika und Afrika. Tiefer geht‘s nicht.“ Er habe die Welt von ganz unten erleben wollen und irgendwann sein eigenes Motto für diese harte Art der Medienarbeit kreiert: „Als Mensch betroffen, als Journalist begeistert.“

112 Länder hat der frühere Leichtathlet nach eigener Zählung in dienstlicher Mission bereist. Sein erster Auftrag als Kriegsreporter führte 1994 nach Ruanda. „Dort lagen überall Leichen herum. Hier ein Kind, da ein Arm, dort ein Torso“, erzählt Teske. In Mostar sei er mal im Zickzack über den Marktplatz gelaufen, um den Heckenschützen zu entkommen. Zwei Kollegen, die unbedingt die gefährliche Sniper-Allee durchqueren wollten (und dabei erschossen worden seien), habe er wegen des zu hohen Risikos nicht begleitet. „Mein Vater hat immer gesagt: Sei mutig, aber nicht übermütig. Sei kühn, aber nicht tollkühn“, sagt Teske: „Und ich habe für mich noch ergänzt: Und tollkühn nur, wenn du sonst erledigt bist.“

Immer nur allein unterwegs

Er war fast immer ohne Fotograf und Kamera unterwegs, „weil mich das abgelenkt hätte“. Und er war einer der ersten deutschen Journalisten, die 2001 nach dem verheerenden Terroranschlag in den USA in New York ankamen. Seine Traumstadt, in der er schon 15-mal war und die er im Herbst gern mal wieder besuchen würde, in solch einer Schockstarre zu erleben – das lässt ihn bis heute nicht los. „Wenn ich an die Bilder dort denke, kann ich mich kaum im Zaum halten. Das war sicher eine der heftigsten Sachen“, urteilt Teske: „Als die ersten Trümmer des World Trade Centers mit gigantischen Lastwagen abgefahren wurden, haben dort alle geheult – und ich war auch kurz davor.“

Unruhige Nächte hatte Teske trotz all der krassen Eindrücke nicht: „Ich konnte immer gut schlafen, weil ich mich sozusagen ausschreiben konnte. Durch das Schreiben habe ich es verarbeitet.“  mr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater
Perthel trägt Syke im Herzen und auf der Haut

Perthel trägt Syke im Herzen und auf der Haut

Perthel trägt Syke im Herzen und auf der Haut
FC Sulingen froh über Zusage von Sebastian Elvers

FC Sulingen froh über Zusage von Sebastian Elvers

FC Sulingen froh über Zusage von Sebastian Elvers
Drama: Es waren nur zwei Zentimeter

Drama: Es waren nur zwei Zentimeter

Drama: Es waren nur zwei Zentimeter

Kommentare