Corona hat auch den Sport verändert

Tamas: „Tischtennis ohne Zuschauer ist noch schneller“

Cristian Tamas und Manager Sascha Greber unterhalten sich und feiern Team an.
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Werder-Coach Cristian Tamas sowie Manager Sascha Greber haben die Corona-Herausforderungen bisher gut gemeistert.

Corona hat auch den Tischtennis-Betrieb beim Bundesligisten SV Werder verändert – die Macher Christian Tamas sowie Sascha Greber verraten, wie sie damit umgehen.

  • 2020 war für Tamas und Greber anstrengend, doch sie betonen: „Andere hat es deutlich härter getroffen.“
  • Das Duo lobt das Hygienekonzept der TTBL und freut sich über die Disziplin der Werder-Spieler.
  • Vier Punkte fehlen bisher auf einen Playoff-Rang, doch Werder will noch einmal angreifen im neuen Jahr.

Bremen – Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Tischtennis-Bundesligist SV Werder Bremen: Spätestens ab März bestimmte nahezu ausschließlich die Corona-Pandemie die Schlagzeilen, sodass fast unterging, dass die „Grün-Weißen“ nur knapp im Halbfinale der Playoffs am späteren Deutschen Meister 1. FC Saarbrücken gescheitert waren. Wie die Chancen stehen, diesen Coup 2021 wiederholen zu können, und ob Corona den Tischtennissport verändert hat – das verraten uns Werder-Coach Cristian Tamas sowie Manager Sascha Greber im Gespräch.

Herr Tamas, Herr Greber – wie fällt Ihr Jahresrückblick aus? War es durch Corona das anstrengendste Jahr Ihrer Karriere?

Sascha Greber: Auf alle Fälle das schwierigste. Hinter uns liegen unglaubliche Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten.

Cristian Tamas: Wir möchten das aber nicht als Jammern verstanden wissen. Es geht diversen Menschen bedeutend schlechter als uns. Viele bangen um ihre berufliche Existenz oder mussten Corona am eigenen Leib erfahren. Es hat also andere deutlich härter als uns getroffen.

Ist der Tischtennissport durch Corona anders geworden? Schließlich dürfen ja keine Zuschauer mehr in die Hallen...

Tamas: Und das fehlt uns allen natürlich sehr. Sport ist ja für Zuschauer gemacht. Aber das betrifft sämtliche Bundesligisten. Die Bedingungen sind somit für jede Mannschaft gleich.

Greber: Aber diese Ruhe in den Hallen war zuerst schon etwas komisch. Wir versuchen das auszugleichen, indem wir uns von der Bank aus noch mehr einbringen und lautstark anfeuern.

„Die Spieler ziehen voll mit und erfüllen so das Konzept mit Leben“

Wie sehr fehlen die Fans denn den Spielern? Anders gefragt: Können sich die Akteure ohne Zuschauer vielleicht sogar besser auf ihren Beruf konzentrieren?

Greber: Ich denke, jeder Profisportler genießt den Applaus und die Unterstützung. Freuen tut sich also bestimmt kein Aktiver auf Geisterspiele. Aber je nach Naturell braucht der eine es halt total, nach vorne gepeitscht zu werden. Der andere kann sich durch die Ruhe vielleicht sogar noch mehr auf den nächsten Ballwechsel fokussieren.

Tamas: Zumindest ist das Spiel ohne Zuschauer noch schneller geworden. Es gibt deutlich weniger Applauspausen nach den Ballwechseln. Es geht Schlag auf Schlag. Auch darauf musste sich jeder Spieler erst einmal einstellen.

Was auffällt ist, dass die Tischtennis-Bundesliga während Corona auf freiwilliges Testen setzt. In anderen Profisportarten sind durchgehende Tests hingegen vorgeschrieben. Wie bewerten Sie diese unterschiedliche Herangehensweise?

Greber: Wir fühlen uns mit dem von der TTBL ausgearbeiteten Hygienekonzept ausgesprochen sicher. Alle Beteiligten halten sich vorbildlich daran. Gerade die Spieler ziehen voll mit und erfüllen so das Konzept mit Leben.

Tamas: Ich kann das nur unterschreiben. Es gab ja nicht umsonst bei uns keinen einzigen Coronafall. Wir konnten die Hinrunde ja nur deshalb komplett durchspielen, weil sich jeder an die Vorgaben hält. So können wir zumindest während der Partien Corona ausschalten und uns ausschließlich auf den Sport konzentrieren.

Es könnte einen Wechsel beim Doppel geben

Dann kommen wir mal zum Sportlichen: In der letzten Saison zog Werder bekanntlich erst im Playoff-Halbfinale gegen Meister Saarbrücken den Kürzeren. Diesmal überwintern Sie auf Platz neun mit vier Punkten Rückstand auf einen Playoff-Platz. Was ist in der Rückrunde noch realistisch möglich?

Tamas: Natürlich wird es mit jeder Niederlage schwerer, die Playoffs noch zu erreichen. Aber elf Partien stehen noch aus. Unser Saisonziel war es, bis zum Schluss um die Playoffs mitzuspielen – und das versuchen wir weiterhin zu erreichen.

Greber: Es fehlte uns bislang auch einfach das nötige Spielglück. Dreimal haben wir hauchdünn mit 2:3 verloren. Wenn wir das in der Rückrunde umdrehen und die knappen Dinger gewinnen, sind die Playoffs noch nicht völlig weg.

Drei 2:3-Niederlagen bedeuten, dass dreimal das Duo Marcelo Aguirre/Hunor Szöcs gepatzt hat. Steht das Abschlussdoppel demnach auf dem Prüfstand?

Tamas: Letzte Saison haben uns Marcelo und Hunor viele Punkte gerettet. Ich bin also von der grundsätzlichen Qualität unseres Doppels unverändert überzeugt. Aber natürlich machen wir uns nach drei Niederlagen Gedanken und testen auch andere Kombinationen. Es könnte einen Wechsel geben. Entschieden ist das jedoch noch nicht.

Auch im Einzel haben Szöcs und Aguirre bislang eher unglücklich agiert. Aguirre kommt auf eine Bilanz von 1:5 und Szöcs wartet sogar noch auf den ersten Saisonsieg. Eine Enttäuschung?

Greber: Nein, das wäre viel zu hart formuliert. Schließlich müssen Hunor und Marcelo regelmäßig gegen die gegnerische Nummer eins ran. Da sind Breaks nicht unbedingt an der Tagesordnung.

Tamas: Und es fehlten oftmals auch nur Kleinigkeiten. Beim jüngsten 2:3 gegen Mühlhausen führte Hunor gegen einen Weltklassespieler wie Daniel Habesohn schon mit 2:0-Sätzen, um dann noch hauchdünn zu unterliegen. In solchen Situationen entscheidet das Selbstbewusstsein. Und wer noch kein Einzel gewonnen hat, der trifft dann leider oftmals im entscheidenden Moment die falsche Entscheidung. Das kennt jeder Tischtennisspieler von der Kreisklasse bis zur Bundesliga. Aber so etwas dreht sich im Laufe einer Saison. Erst kehrt das Glück zurück, danach auch das Selbstvertrauen.

„Die Jungs wollten sogar an den Weihnachtstagen trainieren“

Besser lief es dafür be den Spitzenspielern Mattias Falck und Kirill Gerassimenko. Falck fuhr 12:5-Siege ein und Gerassimenko kommt auf 7:5-Erfolge. Wie bewerten Sie deren Leistungen?

Greber: Mattias brauchte nach der längeren Corona-Pause etwas, um wieder sein Topniveau zu erreichen. Aber mittlerweile ist er eine absolute Punktebank und Kirill wird von Saison zu Saison stärker. Seine Entwicklung ist ausgesprochen erfreulich. Das super Training von Cristian macht sich halt bezahlt.

Tamas: Ich bin mit allen meinen Jungs zufrieden. Soll ich ein Beispiel für den tollen Charakter unserer Spieler nennen?

Immer heraus damit.

Tamas: Die Jungs wollten von sich aus sogar an den Weihnachtstagen trainieren, damit wir unsere Ziele noch erreichen können. Davor ziehe ich den Hut.

Damit haben die Spieler Ihnen aber Zusatzschichten an den Feiertagen eingebrockt...

Tamas: (schmunzelt). Das konnte ich schon verkraften. Es waren trotzdem schöne und vor allem ruhige Tage. Ich bin viel mit dem Rennrad unterwegs gewesen und hatte auch genug Zeit für die Familie.

Und wie hat der Manager die Weihnachtszeit verbracht?

Greber: Ohne Tischtennis (lacht). Ich habe die Ruhe mit der Familie genossen und bin öfter gejoggt. Dabei bekomme ich immer schön den Kopf frei.

Viel Zeit zum Ausspannen bleibt jedoch nicht...

Tamas: Nein. Am 4. Januar treten wir bereits beim Tabellenvierten aus Ulm an. Das wird gleich ein richtungsweisendes Match für uns.

Greber: Auf das wir uns richtig freuen. Mit einem Sieg können wir uns schließlich viel Selbstbewusstsein für die Aufholjagd holen.

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