Rehden, Wetschen und Diepholz schließen sich im Jugendbereich zusammen

Talente à la Carte: Drei Clubs – eine Vision

Viele Buchstaben in Schwarz und Gelb: Das Vereinswappen.

Diepholz - Von Arne HelmsDie SG Diepholz bedient sich regelmäßig in Rumänien, der BSV Rehden wildert zwischen Weser und Westfalen – und wer in Diepholz keine Lust mehr hat, wechselt eben zum TSV Wetschen. So läuft das momentan, etwas überspitzt gesagt. Junge, talentierte Fußballer tun sich schwer damit, in den Süden des Landkreises zu wechseln. Das wollen sich die drei Vereine nicht länger mit angucken. Sie züchten ihre Talente jetzt einfach selbst. Der umständliche Name des Brutkastens: JFV RWD Rehden-Wetschen-Diepholz.

Dies ist insofern beachtlich, als dass das Verhältnis der Fußballer, gerade zwischen Rehden und Diepholz, nicht als das beste gilt. „Es gibt Vorbehalte, die über Jahrzehnte entstanden sind“, bestätigt Patrick Roland Kürble: „Es war nicht leicht, die verschiedenen Persönlichkeiten zusammenzuführen.“ Weil dem Zahnarzt aus Diepholz jedoch nachgesagt wird, ein guter Vermittler zu sein, hat er sich der Aufgabe angenommen.

Kürble ist der Vorsitzende des neuen Juniorenfördervereins (JFV), einem eigenständigen Club, der durch die Abspaltung der A-, B- und C-Jugend-Abteilungen (U 19 bis U 14) aus den drei Stammvereinen entstanden ist. Insgesamt sieben Mannschaften der Jahrgänge 1993 bis 1998 stellt der JFV in der kommenden Saison. Das Besondere: Die vorherigen Spielklassen der Stammvereine werden übernommen. Weil die A-Junioren der SG Diepholz im Gegensatz zur Konkurrenz aus Rehden nicht aus der Bezirksliga abgestiegen sind, kann das Kunstprodukt „RWD“ nun in der Bezirksliga starten – und muss sich nicht aus der niedrigsten Klasse nach oben arbeiten – trotz Neugründung.

150 Spieler groß ist der Pool, aus dem die sieben Teams gespeist werden. Allein 47 Akteure bewerben sich für einen Platz im 18er- Kader der A-Junioren. „Spieler haben wir reichlich“, entgegnet der 42-jährige Kürble Gerüchten, wonach der Zuspruch junger Fußballer aus dem Umland nicht gerade riesig sei. Das wäre auch bitter, schließlich haben die drei Vereine zusammen Euro-Summen „im mittleren fünfstelligen Bereich“ (Kürble) investiert. „Die finanziellen Möglichkeiten sind wesentlich größer als zuvor in den einzelnen Vereinen“, stellt Kürble fest. Interessanterweise sind die Geldgeber aus Rehden und Diepholz (Schilling, Schaffer) allerdings nicht am Grundetat beteiligt. „Es gibt neue Sponsoren, die im Herrenbereich zuvor kaum in Erscheinung getreten sind“, sagt Kürble.

Der JFV, den es so im Fußballbezirk Hannover nur noch in Hildesheim gibt, soll zum Zugpferd werden, „weil die Musik in Sachen Talente bislang im Nordkreis spielt. Im Herrenbereich sind wir ja gut aufgestellt“, zählt Kürble den BSV Rehden (Oberliga), die SG Diepholz (Landesliga) und den TSV Wetschen (Bezirksliga) auf.

Bei den Junioren hingegen greife zum Beispiel der TSV Bassum viele Spieler ab, „weil sie Zugriff auf den DFB-Stützpunkt haben. Der SC Weyhe spielt mit seinen Jugendmannschaften ebenfalls traditionell sehr hoch. Und auch der TuS Sudweyhe war immer ein Thema, bis er jetzt doch mit einigen Teams abgestiegen ist.“ Hinzu kämen die starken Nachwuchsteams aus dem Südoldenburgischen, wie Blau-Weiß Lohne oder der VfL Oythe, deren Anziehungskraft unverändert hoch sei.

Das wollen Kürble und sein Team, das aus sechs Vertretern der drei Stammvereine besteht, möglichst schnell ändern. „In spätestens fünf Jahren sollen die ersten Mannschaften in der Landesliga spielen (im Moment alle Bezirksliga, Anm. d. Red.). Die Regionalliga wäre dann ein großer Schritt. Das muss man sehen“, will der fußballverrückte Zahnarzt die Ansprüche nicht zu hoch schrauben.

Insgesamt 21 Trainer müssen die Qualität der Fußballer jedoch bis ins letzte A-Junioren-Jahr hoch halten, damit die Herrenmannschaften profitieren. „Da muss mehr als ein Spieler pro Verein und Jahr herauskommen“, legt sich Kürble unmissverständlich fest. Dass sich die drei beteiligten Vereine ein Hauen und Stechen um die talentiertesten Akteure liefern, schließt Kürble aus: „Alle drei können dem A-Junioren ein Angebot machen. Aber der Spieler entscheidet.“

Zieht beispielsweise der TSV Wetschen einen Spieler an Land, dessen Stammverein die SG Diepholz ist, wird eine Ausbildungsentschädigung fällig, die direkt wieder in den Etat des JFV fließt. Gibt ein externer Verein wie etwa der VfL Osnabrück oder Werder Bremen ein lukratives Angebot ab, für das sich das Talent entscheidet, fließt ebenfalls Geld. „Die Entschädigung wird dann sicherlich nicht gering sein“, kündigt Kürble bereits kämpferisch an.

Es ist ganz offensichtlich: Die Südkreis-Hochburgen geben sich heimatverbunden. Am Ende wird die Frage sein, wer wirklich von diesem Modell profitiert. Ein 19-Jähriger, der als A-Junior in der Regionalliga gespielt hat, kann eine Herren-Mannschaft in der Oberliga oder Regionalliga (Rehden) im Normalfall nur ergänzen. In der Landesliga (Diepholz) könnte er sich sicherlich schon eher durchsetzen, in der Bezirksliga (Wetschen) definitiv. So ist es nicht auszuschließen, dass der kleine TSV Wetschen mit dem Juniorenförderverein einen großen Wurf gelandet hat.

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