Zollstock-Gespräch

Syker Tanztrainer Ebeling fiebert Techno-Festivals entgegen

Ole Ebeling mit Julian Diekmann
+
Muss sich aktuell noch gedulden: Tanztrainer Ole Ebeling vom TSC Hansa Syke, der sich vor der Syker Olympiahalle zum „Zollstock-Gespräch“ mit Sportredakteur Julian Diekmann getroffen hatte. Noch ist die Turnhalle für den Vereinsport geschlossen. Das findet Ebeling suboptimal. Foto: Husmann

Tanzen ist Kontaktsport - und dieser ist in Corona-Zeiten schwierig geworden. Tanztrainer Ole Ebeling erklärt im „Zollstock-Gespräch“, wie es derzeit läuft beim TSC Hansa Syke. Ist eine Lebensgemeinschaft die Lösung?

Syke – Ole Ebeling muss sich aktuell wie viele andere Sportbegeisterte in Geduld üben. Das nervt den Tanztrainer des TSC Hansa Syke massiv. Doch die Coronazeit hat auch etwas Gutes. So hat der Syker Verein mit dem 1. TSZ Nienburg eine Kooperation gestartet. Im „Zollstock-Gespräch“ erklärt Ebeling zudem, wie er zu Schnelltests steht und warum er es nicht versteht, dass der Profifußball wieder durchstarten darf, die Tänzerinnen und Tänzer sich aber weiterhin zurückhalten müssen.

Über ein Jahr Corona-Maßnahmen: Was war für Sie richtig, was falsch? Welche derzeitigen Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Ich finde es zum Beispiel richtig, dass man sich testen lässt. Mittlerweile ist es bei unserem Verein TSC Hansa Syke so, dass unsere Tänzerinnen und Tänzer bevor sie zum Training kommen, einen Schnelltest machen müssen oder sich einen negativen Test beim Gesundheitsamt besorgen müssen. Ansonsten findet für diese Person kein Training statt. In die Sporthalle dürfen wir zurzeit aber noch nicht. Daher haben wir einen privaten Raum angemietet, bieten seit dem Jahreswechsel Tanzsport als Individualsport an. Das heißt, wir bieten Einzeltraining an, sodass ein Trainer mit einer Einzelperson kontaktfrei üben kann. Das bedeutet natürlich einen hohen zeitlichen Aufwand. Wir haben zwar die Möglichkeiten zu trainieren, aber sie sind doch sehr beschränkt. Dadurch ist es unheimlich schwierig, die Leute motiviert bei der Stange zu halten.

Was ist Ihr nächstes/neues Corona-Projekt? Und was haben Sie bisher schon umgesetzt/in Angriff genommen?

Aus Vereinssicht ist es so, dass der TSC Hansa Syke gerade eine Kooperation mit dem 1. TSZ Nienburg geschlossen hat. Da sind wir gerade dabei, einen weiteren Club zu gründen, um eine Leistungsformation aus zwei Vereinen, die alleine nicht in der Lage wären, ein startfertiges Team auf die Beine zu stellen, die Möglichkeit zu bieten, am Leistungssport teilzunehmen. Und mein persönliches Corona-Projekt war von Anfang an mein Studium der Betriebswirtschaftslehre.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken/zur Ruhe zu kommen?

Das ist für mich ganz klar die Schlachte mitten im Herzen von Bremen. Ich gehe gerne mal mit einem Kaffee oder kühlen Bier spazieren, genieße einfach die Atmosphäre, was aufgrund der zurzeit gesperrten Außengastronomie eher suboptimal ist (lacht).

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktueller denn je?

Die Lust ist größer denn je. Aufgeben ist für mich keine Option. Da kann ich auch im Namen aller unserer Tänzerinnen und Tänzer sprechen. Wir ertragen momentan viel mehr als, uns allen lieb ist. Deswegen wollen wir unbedingt wieder starten, wir haben richtig Bock, dass es endlich wieder losgeht.

Selbsttests und/oder Schnelltests: Würden Sie diese Regelmäßig in Kauf nehmen, um wieder trainieren zu können?

Absolut. Wenn es darum geht, würden wir uns wahrscheinlich auch alle zwei Tage testen lassen. Wir wären sogar bereit, eine größere Lebensgemeinschaft zu formieren, in der wir dann auf private Kontakte verzichten, nur um wieder unseren Sport ausüben zu können.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich schaue mir auf Netflix gerade die Serie „The Blacklist“ an. Dabei geht es um einen Schwerverbrecher, der mit dem FBI kooperiert.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Da ich neben meinem Studium auch in einer Bank tätig bin, ist es teilweise eine Belastung, weil uns nicht die technischen Mittel zur Verfügung stehen, Homeoffice anzubieten. Hinzu kommt aber auch, dass die Kunden nach wie vor vieles von Angesicht zu Angesicht, also im Vieraugengespräch, mit ihrem Bankberater klären möchten.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Ich persönlich würde mich auf jeden Fall impfen lassen. Wenn ich zum Beispiel nach Brasilien möchte, um dort Urlaub zu machen, muss ich auch bestimmte Impfungen in Kauf nehmen. Deswegen sehe ich die Corona-Impfung gar nicht so kritisch. Beim Impfstoff selbst bin ich nicht wählerisch, da verlasse ich mich voll und ganz auf das Fachpersonal.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub – oder ähnliches? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Weder noch. Ich würde gerne endlich einmal wieder auf ein Techno-Festival. Das fehlt mir doch schon extrem (lacht).

Trotz fast 25 Millionen Mitgliedern in Deutschland: Der Vereinssport wird in der Bund-Länder-Treffen kaum thematisiert – kommt der Breitensport Ihrer Meinung nach zu kurz in der öffentlichen Betrachtung?

Absolut. Ich verstehe nicht, wie man eine so breite Masse an Sportlerinnen und Sportlern vernachlässigen kann. Unter dem Aspekt, dass unser deutscher Profifußball es nicht einmal hinbekommt, Weltmeister zu werden. Und wir im Tanzsport es schaffen, jedes Jahr Leistung zu bringen. Davon hängt beispielsweise auch unser komplettes Ligasystem ab. Wir haben mit Grün-Gold Bremen einen großen Verein in der Gegend, der jahrelang erfolgreich bewiesen hat, dass es möglich ist. Die Tänzerinnen und Tänzer verdienen dort keinen Cent. Daher verstehe ich nicht, weshalb der Profifußball bevorzugt wird.

Steckbrief

Name: Ole Ebeling

Alter: 28 Jahre

Wohnort: Bremen

Beruf: Student der Betriebswirtschaftslehre, Tanz- und Bewegungstherapeut

Größter sportlicher Erfolg: Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit Grün-Gold Bremen 2011

Verein: TSC Hansa Syke

Privates: ledig, keine Kinder

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Rehdens Abwehrriegel hält lange

Rehdens Abwehrriegel hält lange

Rehdens Abwehrriegel hält lange
Aus der Traum

Aus der Traum

Aus der Traum
„Die Freude ist riesengroß“

„Die Freude ist riesengroß“

„Die Freude ist riesengroß“
Historischer Sieg: Diepholzer Kreis-Team holt sich Standartentitel

Historischer Sieg: Diepholzer Kreis-Team holt sich Standartentitel

Historischer Sieg: Diepholzer Kreis-Team holt sich Standartentitel

Kommentare