Sulinger Niederlage im Bezirkspokal-Finale erst in der Nachspielzeit / Sander aber „stolz auf meine Mädels“

Ein grausames Missverständnis

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Pure Sulinger Enttäuschung nach dem Pokal-Krimi in Hildesheim. Sabrina Sander, Theresa Franzlüning, Andrea Meyer und Katharina Dreher (von links) waren nach dem 0:1 den Tränen nahe.

Aus Hildesheim Berichtet - Gerd TöbelmannDer Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga? Eher langweilig gemessen an dem, was sich da am Samstag in Hildesheim abspielte. Die Fußball-Frauen des TuS Sulingen, als David in das Bezirkspokal-Finale gegen Goliath PSV Hildesheim gegangen, kämpften wie die Löwinnen, hatten bereits das Elfmeterschießen vor Augen – und wurden in der fünften Minute der Nachspielzeit vom Tor des Tages der Hildesheimerin Julia Sandtvos aus allen Träumen gerissen. Nach 2004 blieb dem TuS damit ein zweiter Pokalsieg verwehrt.

Die Schlüsselszene des Spiels war auch der einzige „Aussetzer“ von Andrea Meyer (vielen sicher noch besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Schulz). Die 30-Jährige machte als Libero eine astreine Partie und war die mit Abstand beste Spielerin auf dem Feld. Bis zur fünften Minute der Nachspielzeit. Entgegen des zuvor von ihr x-fach praktizierten Bodenabschlags weit in die Hälfte des unbesiegten Landesliga-Meisters Hildesheim ließ sich Meyer diesmal von ihrer Torhüterin Theresa Franzlüning außerhalb des Strafraums anspielen.

Die Folgen waren verheerend. Meyer verdaddelte das Leder, der Ball flog in den Sulinger „Fünfer“, chaosartiges Gestocher mit dem Ende, dass Sandtvos das Spielgerät zum Tor des Tages über die Linie drückte – und danach fast unter der Traube ihrer Mitspielerinnen erstickt wäre.

Warum aber um alles in der Welt diese Abstoßvariante? Meyer klärte auf: „Ich habe den Trainer so verstanden, dass er gesagt hat: ,Hol’ sie Dir ab.’ Da dachte ich, damit wäre der Ball gemeint.“ Coach Sebastian Rethorn hatte aber anderes im Sinn: „Mit abholen habe ich eine gelbe Karte für Spielverzögerung gemeint, um Zeit von der Uhr zu nehmen.“ Dumm gelaufen.

Doch Rethorn war weit davon entfernt, auch nur irgendeiner Spielerin einen Vorwurf zu machen: „Klar hätten wir ein Elfmeterschießen absolut verdient gehabt. Aber auch so bin ich total zufrieden.“ Seinem Kollegen Andreas Wiese, der während der Partie seine Spielerinnen schon mal mit dem Ausspruch „Wollt ihr mich verarschen?“ anranzte, fielen Wackersteine vom Herzen: „Sulingen hat uns alles abverlangt. Wir haben nicht umsonst in der Woche Elfmeterschießen geübt.“

Das Lob des Gegners verhallte bei den TuS-Spielerinnen unmittelbar nach dem Match natürlich ungehört. Die meisten konnten ihre Tränen der Enttäuschung nicht zurückhalten. Relativ schnell hatte sich Spielführerin Sabrina Sander im Griff: „Ich bin absolut stolz auf meine Mädels. Wir haben natürlich etwas tiefer gestanden als sonst, haben dafür aber hinten kaum etwas zugelassen.“ Und auf die Frage, ob das mit diesem 0:1 im Gepäck nicht eine lange und vor allem doofe Busfahrt nach Sulingen werden wird, entgegnete Sander nur staubtrocken: „Wir haben genügend Getränke mit an Bord...“

Vielleicht ein kleiner Trost: Durch Hildesheims Oberliga-Aufstieg darf nun auch der Pokalverlierer, also der TuS Sulingen, im kommenden NFV-Pokal antreten.

Sulingen: Franzlüning - Heitmann, Dreher, Sander, Meyer, Wiegmann, Ohrdes, Abeling (56. Maschmann), Obst, Norden (90.+2 Warnath), Wübbold.

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