111 Tore sind keine Zauberei

Stuhrs Azzarello „steht immer richtig, auch wenn er mal falsch steht“

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Riccardo Azzarello (links) erarbeitet sich seine Tore – und das klappt auch in dieser Saison wieder ziemlich gut.

Stuhr - Von Malte Rehnert. „Ein bisschen verständigen“, das gehe wohl. „Aber für richtig lange Gespräche fehlt mir das Vokabular. Ich bin nicht zweisprachig aufgewachsen“, sagt Riccardo Azzarello.

Der Vater des Torjägers vom Fußball-Bezirksligisten TV Stuhr ist Italiener, die Mutter Deutsche. „Aber sie spricht fließend Italienisch. Ich möchte mir das gerne auch noch mal irgendwann einverleiben“, sagt der 24-Jährige. Vom Charakter her würde er sich eher als Deutschen bezeichnen. „Bis auf die Pünktlichkeit beim Training“, sagt er und lacht, „aber das ist auch schon besser geworden.“

„Ein klassischer Knipser“

Worauf sie sich beim letztjährigen Vizemeister und aktuellen Spitzenreiter immer verlassen können: Azzarello trifft. Beim 5:1 gegen die SG Diepholz am Sonntag langte er dreimal zu, es waren seine Saisontore sieben bis neun. Seit Azzarello 2010 aus der Stuhrer Jugend in den Herrenbereich kam, hat er in nun etwas mehr als sechs Jahren (eine Saison verpasste er wegen eines Auslandsaufenthalts in den USA) insgesamt 111 Mal getroffen. „Eine schöne Zahl“, findet er. Sein persönlicher Rekord (29 Tore) stammt aus der Saison 2014/2015. „Um das noch mal zu schaffen, muss schon vieles zusammenpassen“, meint Azzarello. Wobei: Wenn er seine Quote hält, käme er am Ende auf 27 Tore. „Das wäre natürlich sehr gut“, meint er.

Trainer Stephan Stindt traut dem Deutsch-Italiener eine weitere erfolg- und torreiche Saison absolut zu. „Er ist schon so etwas wie der klassische Knipser, ein Instinktfußballer. Er steht immer genau richtig – auch wenn er eigentlich mal falsch steht.“ Azzarello sieht es ähnlich und urteilt über sich selbst: „Ich bin kein Zauberer. Keiner, der den Ball aus 35 Metern perfekt in den Winkel knallt. Ich bin jemand, der sich seine Tore erarbeitet.“

Verantwortliche sorgen sich regelmäßig um Abwerbeversuche

Dabei aber auch fußballerische Finesse zeigt. „Das erste Tor gegen Diepholz hat er echt klasse gemacht, den Ball bei einer Super-Geschwindigkeit sehr gut mitgenommen“, sagt Stindt und schwärmt: „Ricky ist eine Klasse für sich, bringt seinen Körper gut ein, hält die Bälle und liefert auch tolle Vorlagen. Und er ist ein absoluter Teamplayer, pusht die Mannschaft, ist immer positiv – ein Führungsspieler.“

Klar, dass die Verantwortlichen in Stuhr jedes Jahr ein bisschen nervös sind, wenn – im Herbst oder Winter – die Abwerbeversuche anderer Clubs losgehen. „Die Sorge ist immer da, klar. Mit seinen Qualitäten könnte er auch woanders spielen“, urteilt Stindt: „Aber ich weiß, dass er sich in Stuhr sehr wohl fühlt.“

So wohl sogar, dass sich Azzarello (wohnt mittlerweile mit seiner Freundin in Bremen) nicht vorstellen kann, seinen Heimatclub mal zu verlassen. „Ich bin seit 18 Jahren hier und kenne jeden Zentimeter. Es macht so viel Spaß, wir haben eine geile Truppe – und es ist sehr familiär. Ich habe keine Ambitionen, zu einem Verein in einer höheren Liga zu wechseln.“

Azzarello will mit Stuhr in die Landesliga

Was aber nicht bedeutet, dass ihn die Bezirksliga auf Dauer rundum glücklich macht. Azzarello würde gerne etwas höher hinaus – aber nur mit Stuhr. „Wenn man Vizemeister war, will man sich nicht verschlechtern“, betont der 24-Jährige. Und: Die Landesliga wäre „eine sehr spannende Aufgabe. Ich glaube aber nicht, dass wir in der Bezirksliga vorneweg marschieren. Es wird ein spannendes Rennen.“

Bleibt noch die Frage nach der Rückennummer. Bei einem Mittelstürmer wie Azzarello würde man am ehesten die „9“ vermuten – er trägt aber die „27“. „Vielleicht ist das die Anzahl an Liegestützen, die er schafft“, witzelt Stindt. Ist es nicht. Als der TVS-Torjäger damals mit seinen zwei Kumpeln Torben Drawert und Timo Lemcke zur Ersten Herren stieß, gab es schlichtweg nur wenig Alternativen. „Von 1 bis 21 war alles belegt. Da haben wir uns für die 27, die 28 und die 29 entschieden“, erinnert sich der angehende Grundschullehrer, der aktuell als Vertretungskraft in Heidkrug Mathe und Sport unterrichtet – und manchmal auf dem Schulhof ein bisschen mitkickt. „Aber nur ganz selten“, schmunzelt Azzarello: „Man soll die Pausen ja sinnvoll nutzen . . .“

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