Ebbe in der Strafkasse

TV Stuhr aktuell Zweiter der Fairness-Wertung in Niedersachsen

+
Jagen, aber nicht umhauen: Das ist das Motto von Jenno Bülders (links) und dem TV Stuhr.

Stuhr – Die Erinnerungen an den Besuch im Bremer Weserstadion sind noch frisch – und gut. Jedenfalls für diejenigen, die keine Fans von Werder Bremen sind. Im September 2019 durfte die gesamte Mannschaft des Fußball-Bezirksligisten TV Stuhr das Heimspiel gegen RB Leipzig (0:3) hautnah miterleben.

Anschließend gab es noch „ein feudales Essen“, sagt Trainer Christian Meyer: „Das war insgesamt eine tolle Sache.“ In den Genuss des außergewöhnlichen Team-Tages – gesponsert von der VGH-Versicherung – waren die Stuhrer gekommen, weil sie sich auf dem Platz so anständig verhalten und in ihrer Bezirksliga-Meister-Saison 2017/2018 Platz zwei im 28. niedersachsenweiten VGH-Fairness-Cup belegt hatten.

Gut möglich, dass die Erste Herren des TVS bald schon wieder im Stadion sitzt. In der gerade vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) veröffentlichten Hinrunden-Wertung mit insgesamt 954 Teams haben die Stuhrer schon wieder Platz zwei inne. Mit lediglich elf Gelben Karten in 18 Spielen – das ergibt einen Fairness-Quotienten von 0,61. Besser (allerdings deutlich besser) ist in dieser Rangliste, die von den Kreisligen hoch bis zur Bundesliga geführt wird, lediglich der Braunschweiger Kreisligist BSC Acosta II (viermal Gelb in 15 Partien/0,26).

„Die Jungs haben Blut geleckt. Sie wissen ja, dass sie in der Wertung wieder weit vorne stehen“, sagt Meyer. In der Vorsaison waren die Stuhrer – trotz einer ernüchternden Spielzeit in der Landesliga, die mit dem direkten Wiederabstieg endete – auf Rang drei gelandet. Der Lohn: Ein Warengutschein im Wert von 1 500 Euro. „Wir haben uns davon unter anderem neue Sweatshirts und Taschen zugelegt“, berichtet Meyer.

„Wir müssen da wohl mal jemanden einschleusen, der ein paar Gelbe Karten sammelt.“

Stuhrs Trainer Christian Meyer mit einem Schmunzeln über den in der Fairness-Wertung führenden BSC Acosta II.

Dass die Mannschaft, die er gemeinsam mit Stephan Stindt trainiert, so positiv auffällt, überrascht den 39-Jährigen nicht wirklich: „Wir haben eine intakte Truppe mit vernünftigen Jungs, die sich auf dem Platz auch selbst führen können. Sie kämpfen um jeden Ball – aber sie wollen es sauber lösen.“ Stindt und er würden das Stuhrer Credo vorleben, meint Meyer. Und beschreibt es so: „Wir sind natürlich ehrgeizig und wollen Erfolg – aber bitte mit einem fairen Umgang. Uns ist es wichtig, dass wir uns überall blicken lassen können.“

Den letzten Stuhrer Platzverweis gab es in der Hinrunde der Landesliga-Saison. „Da haben wir sogar zwei Gelb-Rote Karten bekommen – aber nur, weil wir vom Tempo in der höheren Klasse überrollt wurden und dann einen Schritt zu spät kamen“, sagt Meyer. Seither hat Keeper Daniel Bischoff, der die Strafkasse führt, fast nichts mehr zu tun. Nur für Verspätungen kann er mal ein paar Euro von seinen Teamkollegen eintreiben. „Da ist er aber dann sehr gründlich“, betont Meyer mit einem Schmunzeln, „und auch gnadenlos“.

Zur Info: Auch Sulinger Clubs stark platziert

Fair geht vor – diesen Gedanken leben auch zwei Fußballclubs aus Sulingen. Der FC rangiert im Fairness-Cup-Ranking auf Platz 19 (1,05), Lokalrivale TuS (1,52) stellt die fairste aller 65 Landesliga-Mannschaften in Niedersachsen. In der Wertung der 33 Kreise belegt Diepholz Rang drei. „Fairness wird oft falsch verstanden“, sagt TuS-Trainer Walter Brinkmann in einer Pressemitteilung. Es gehe in erster Linie um Disziplin und das Verhalten bei Schiedsrichterentscheidungen. Ablaufen statt Grätschen – lautet das taktische Motto. Brinkmann: „Vorbildlich sind die Spieler, die den ballbesitzenden Gegenspieler im höchsten Tempo anlaufen, ihn jagen, kein Aufdrehen zulassen, körperlich zur Sache gehen, aber kein Foulspiel machen; und sich einfach umdrehen, wenn der Schiri doch pfeift.“ Die Vielzahl an Verwarnungen wegen Schiedsrichterbeleidigung oder Ballwegschlagens „muss nicht sein“, findet der Sulinger Trainer.

Das Punktesystem: Gelbe Karten werden mit je einem, Gelb-Rote Karten mit drei und Rote Karten mit fünf Strafpunkten geahndet. Zehn Zähler gibt es für Sportgerichtsurteile oder das Nichtantreten. Die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der Saisonspiele ergibt den Fairness-Quotienten.

Die Fairnesstabelle in Niedersachsen

Verein S G G/R R Q

1. BSC Acosta II (Kreisliga Braunschweig) 15 4 0 0 0,26

2. TV Stuhr (Bezirklsliga Hannover 1) 18 11 0 0 0,61

3. TSV Thedinghausen (Kreisliga Verden) 15 10 0 0 0,66

19. FC Sulingen (Bezirksliga Hannover 1) 17 18 0 0 1,05

77. TuS Sulingen (Landesliga Hannover) 19 29 0 0 1,52

264. VfL Wolfsburg (1. Bundesliga) 17 31 1 0 2,00

573. VfL Osnabrück (2. Bundesliga) 18 35 2 1 2,55

844. Hannover 96 (2. Bundesliga) 18 40 5 1 3,33

954. TuS Celle FC (Kreisliga Celle) 14 52 3 3 6,14

Anmerkung: S = Spiele, G = Gelbe Karten, G/R = Gelb-Rote Karten, R = Rote Karten, Q = Fairness-Quotient. Bei Schlusslicht TuS Celle kommt noch ein Nichtantreten dazu. 

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Zehntausende setzen mit Greta Thunberg Zeichen fürs Klima

Zehntausende setzen mit Greta Thunberg Zeichen fürs Klima

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Wenn Kids Eltern die rote Umweltkarte zeigen

Wenn Kids Eltern die rote Umweltkarte zeigen

Meistgelesene Artikel

Duo vertraut sich blind: Unterwegs mit zwei Profi-Handball-Schiris

Duo vertraut sich blind: Unterwegs mit zwei Profi-Handball-Schiris

Ferent fordert vor Kellerduell: „Wir müssen Leistung bringen“

Ferent fordert vor Kellerduell: „Wir müssen Leistung bringen“

Stuhr greift nach Pause wieder an

Stuhr greift nach Pause wieder an

TuS Sulingen bangt um Kappermann

TuS Sulingen bangt um Kappermann

Kommentare