ADVENTSKALENDER - Speedwayfahrer Niels Oliver Wessel

Strikte Ordnung in der „Herzkammer“

Und auf die Tür: Niels Oliver (li.) und Marc Wessel verbringen viel Zeit in ihrer Werkstatt, um die Speedway-Maschinen herzurichten.
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Und auf die Tür: Niels Oliver (li.) und Marc Wessel verbringen viel Zeit in ihrer Werkstatt, um die Speedway-Maschinen herzurichten.

In unserem Lokalsport-Adventskalender geht das zweite Türchen auf! Niels Oliver Wessel und sein Vater Marc vom MSC Schwarme zeigen ihre Motorrad-Werkstatt.

Schwarme – Wir haben uns mit Niels Oliver (22) und Marc Wessel (46) in Schwarme verabredet. Der Junior ist ein schon in jungen Jahren erfolgreicher Motorrad-Bahnfahrer, der seit einiger Zeit im Speedway unterwegs ist. Coronabedingt fielen zuletzt zwei Jahre fast komplett aus. Wessel senior unterstützt ihn nach Kräften, ist bei jedem Rennen dabei. Beide haben uns einmal Zutritt zur „Herzkammer“ ihres Sports gestattet: Der Werkstatt, wo die Maschinen rennfertig gemacht werden.

Es ist nasskalt draußen an diesem Novembertag. Das kann ja eine schöne Bibberei in der Werkstatt werden. Marc Wessel, auch Vorsitzender des MSC Schwarme, hat schon eine Wollmütze angezogen. Vater und Sohn gehen voraus und öffnen die Schiebetür aus Holz. Wir treten ein. Sibirische Kälte? Im Gegenteil. Der Raum ist angenehm temperiert. „Für unsere Maschinen eben nur das Beste“, sagt Niels Oliver Wessel und schmunzelt etwas dabei.

Warum soll eine Werkstatt nicht wohlig sein? Schließlich verbringen die Wessels (wenn dann mal gefahren wird) jede Menge Zeit mit ihren stählernen Sportgeräten. „Vor einem Rennen kommen da schon mal zehn bis zwölf Stunden zusammen“, schildert Marc Wessel. Schließlich müssen drei Maschinen hergerichtet werden. Mechaniker Lukas Kühn ist dann ebenfalls zur Stelle und packt mit an.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Vater Wessel ist der Mann für die Reifen und die hintere Antriebskette. Kühns Job ist die Pflege der vorderen Kette. Der Sohnemann, der sein Studium in Oldenburg momentan ruhen lässt und als Tiefbauunternehmer (drei Angestellte) sein Geld verdient, ist eher für die Sauberkeit zuständig und wäscht die Maschinen. Ferner kümmert er sich auch darum, dass es in der Werkstatt nicht wie auf einer Müllhalde aussieht: „Ich hasse Chaos in der Werkstatt – und ich hasse es, wenn die Maschinen am Renntag nicht wie geleckt aussehen. Das ist doch so eine Art Visitenkarte eines Fahrers. Ich weiß, dass nicht alle das so sehen . . .“ Wessel junior kümmert sich auch deswegen um die Sauberkeit, „weil Daddy da oft nicht so pingelig ist“. Kein strafender Blick des Vaters, sondern ein wohlgefälliges Lächeln. „So hat eben jeder seine Stärken“, schmunzelt der 46-Jährige, der sich seine Schrauber-Kenntnisse bei diversen Tunern durchs Abgucken angeeignet hat.

Um DM-Titel am 18. September 2022

2020 und 2021 wurde im Schwarmer Bruch nicht gefahren. Wegen der Risiken der Corona-Pandemie sagte Vereinschef Marc Wessel die Veranstaltungen schon frühzeitig ab, weil die Auflagen für eine Austragung dem Club zu hoch waren. Im kommenden Jahr will der MSC einen erneuten Anlauf wagen. Auf einer Sitzung im November im Restaurant „Dillertal“ in Bruchhausen-Vilsen wurde beschlossen, dass das Schwarmer Grasbahnrennen am 18. September stattfinden soll. Und es wird ein Prädikatslauf sein, denn es geht bei den A-Lizenz-Solisten immerhin um den Titel eines Deutschen Meisters auf der Langbahn. „Wir waren im Norden die einzigen, die sich beworben hatten“, berichtet Clubchef Marc Wessel. Sohn Niels Oliver wird wohl nicht dabei sein – er hat sich dem Speedway verschrieben.

Alle Anbauteile werden zerlegt und beim Zusammensetzen eingeölt und eingestellt. Das trifft auch auf den Vergaser zu. Die Kupplungsbelege und die Reifen müssen dabei am häufigsten ausgetauscht werden. Aber es wird nicht alles in Eigenarbeit erledigt. Nach etwa 20 Rennen wird der Motor verpackt und zu einem professionellen Tuner geschickt, der das 500-ccm-Aggregat dann komplett in seine Einzelteile zerlegt und auf Vordermann bringt. Keine ganz billige Aktion für einen Motor, der neu schon mal um die 5 000 Euro kosten kann. „Eine Inspektion beim Tuner schlägt mit etwa 1 500 Euro zu Buche“, verraten die Wessels. Da muss man schon ziemlich viel Herzblut für den Sport aufbringen, denn nicht alle Kosten können über Sponsoren und Einsatzgagen gedeckelt werden.

Aber seit nunmehr zwei Jahren blinken und blitzen die Maschinen in der Werkstatt, ohne dass sie regelmäßig bewegt werden. Corona hatte und hat den Bahnsport fest im Griff. Klar hätte man ohne Zuschauer fahren können, aber das wäre für viele Clubs (wie auch den MSC Schwarme, der sein Rennen zweimal abgesagt hat) der finanzielle Todesstoß gewesen.

Doch Niels Oliver Wessel hat nie daran gedacht, seinen Sport aufzugeben und die Maschinen vielleicht zu verkaufen: „Soweit bin ich längst noch nicht. Ich hoffe, dass 2022 ein besseres Jahr wird und wir nicht nur zwei oder drei Rennen fahren. Motiviert bin ich auf alle Fälle. Man muss doch auch einen Ausgleich zur Arbeit haben und den Kopf freikriegen.“

Und so lange wird er in regelmäßigen Abständen mal die schwere Schiebetür aufmachen und in der Werkstatt vorbeischauen, damit auch alles seine Ordnung hat.

Wichtiger Bestandteil der Werkstatt ist für Marc Wessel natürlich auch eine gut gefüllte Werkzeugkiste.
Schöne Ausbeute: Niels Oliver Wessel hat schon diverse Pokale eingesackt.

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