Nach 28:29 gegen Tabellenführer Ferndorf kann der HSG nur noch ein Wunder helfen / Biras untröstlich

„Stich ins Barnstorfer Herz“

Kreis-Diepholz - Von Gerd TöbelmannDIEPHOLZ · Kurz nach dem Abpfiff sank Barnstorfs Keeper Donatas Biras zu Boden, hätte sich wohl am liebsten in die hinterste Ecke der Mühlenkamp-Halle verkrochen. Sein Blackout Sekunden vor dem Ende gegen Spitzenreiter TuS Ferndorf hatte dafür gesorgt, dass Handball-Drittligist HSG Barnstorf/Diepholz um ein mögliches Remis gebracht wurde und das Match letztlich vor 350 Zuschauern mit 28:29 (12:14) verlor.

Es war eine Situation, die typisch war für das Auftreten der Gastgeber: Immer, wenn die Chance bestand, gleichzuziehen, leistete sich die HSG folgenschwere Blackouts. Beim 29-jährigen Litauer, der bis dahin einmal mehr eine astreine Leistung abgeliefert hatte, sah das so aus: Biras hatte 15 Sekunden vor dem Ende mal wieder glänzend pariert und wollte den Gegenstoß einleiten, der zum 29:29 hätte führen können. Doch der Litauer fand keinen Abnehmer, warf das Spielgerät einfach nach vorn – und direkt in die Arme eines Ferndorfers. Damit nicht genug: Die anschließende Eins-gegen-Eins-Situation regelte Biras wieder glänzend, doch zu allem Überfluss sprang der Ball ins Seitenaus. Dann war Schluss – und Biras verstand die Welt nicht mehr: „Ich hätte bei meinem Abwurf noch etwas warten müssen, aber ich wollte den Gegenstoß so schnell wie möglich einleiten. Leider hat das nicht geklappt.“

Aber Biras’ Fehlwurf war nur die Spitze des Eisbergs. Mit enormem Kraftaufwand kämpfte sich die HSG in der zweiten Halbzeit immer wieder heran, um dann jedoch wieder Nackenschläge zu kassieren. Zum Beispiel Jan Mohrmann: Barnstorfs halblinker Shooter hätte beim 19:20 (46.) ausgleichen können, hämmerte den Ball aber nur an die Latte. Und gab später zu: „Glück mit meinen Würfen hatte ich heute wahrlich nicht. Zudem hatte mich der Keeper auf der Rolle, hat oft gewusst, wohin ich werfe. Ein Teil der Niederlage geht daher auf meine Kappe.“ Am Ende standen für Mohrmann indiskutable drei Treffer zu Buche.

Der nächste Nadelstich folgte in der 52. Minute. Beim Stande von 23:24 kassierte Trainer Heiner Thiemann wegen Reklamierens eine Zeitstrafe – da war die HSG nur noch mit vier Feldspielern auf der Platte. „Zeitstrafen gegen die Bank helfen natürlich nicht. Die zwei Minuten gegen mich waren aber völlig überzogen“, erklärte Thiemann später, vergaß dabei aber nicht das Lob fürs Team: „Unsere Abwehr hat toll gestanden. Nur 29 Gegentore gegen den Spitzenreiter sind absolut okay.“

Und weiter ging die wilde Fahrt der verpassten Remis-Chancen. In der 55. Minute (25:26) hätte der starke Finn Richter (sechs Tore) für den Gleichstand sorgen können, doch der Abwurf von Biras war drei Meter zu lang, um Richter in eine gute Position zu bringen. Und Sekunden vor dem Ende folgte schließlich noch Biras’ bereits eingangs erwähnter finaler Patzer.

Die Chancen, dass Barnstorf jetzt noch den rettenden neunten Platz erreicht, tendieren drei Spieltage vor Schluss gegen null. So sieht’s auch Ferndorfs Mittelmann Michael Feldmann, der zuvor bei der HSG aktiv war: „Das war ein Stich ins Barnstorfer Herz. Ich glaube nicht mehr an deren Rettung. Eigentlich möchte ich auch, dass Schalksmühle auf alle Fälle drin bleibt, denn da spielt mein Bruder. Ob wir jedoch die Zweitliga-Lizenz beantragen, steht noch nicht fest – das wird noch geprüft.“

Barnstorfs Kapitän Nils Mosel (ebenfalls nur drei Tore) hat die Rettung auch so gut wie abgehakt: „Der Klassenerhalt ist nur noch theoretisch möglich. Heute hätten wir etwas holen können. Wenn wir dran waren, haben wir den Ball aber immer wieder weggeschmissen.“

Logisch, dass sich die Barnstorfer nicht erst seit der Niederlage gegen Ferndorf mit der Oberliga befassen. Thiemann sagte zu diesem Thema: „Aus dem aktuellen Kader hat noch kein Spieler abgesagt. Ich denke, dass wir ein starkes Team haben werden.“ Mohrmann und auch Biras sagten aber unisono, „dass wir noch nicht zugesagt haben“.

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