Ilian Geweiler will Handball-Profi werden

Von Sulingen über Kiel nach Potsdam: Auf den Spuren Dibirovs

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„Gutes Auge, technisch stark, dynamisch und schnell.“ So beschreibt Andreas Geweiler die Stärken seines Sohnes Ilian (im Bild).

Sulingen/Potsdam - Von Felix Schlickmann. Das Hobby zur Hauptbeschäftigung machen, den ganzen Tag seinen Lieblingssport betreiben – für viele hört sich das nach einem Traum an. Ilian Geweiler lebt diesen Traum seit einigen Monaten. Der Zwölfjährige ist seit Anfang Februar in der Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“ und macht dort, was er am liebsten macht: Ganz viel Handball spielen.

Doch uneingeschränkt von einem „Traum“ sprechen mag Geweiler nicht. Denn: „Es ist auch sehr anstrengend. Ich wusste gar nicht, dass man so viel trainiert. Das ist gut und schlecht.“ Aufstehzeit im Internat ist um 6.30 Uhr, eine Stunde später geht’s los mit Schule und Training. Nach der Mittagspause geht es mit der Schule weiter, ab 16.15 Uhr steht dann wieder Training an – ein straffes Programm also. Doch in gewisser Hinsicht ist es für Geweiler sogar gut, viel zu tun zu haben. Denn dadurch muss er nicht so häufig an seine Familie denken, die in Sulingen wohnt.

Knapp 330 Kilometer liegen zwischen Potsdam und Sulingen, gut dreieinhalb Stunden Fahrzeit sind es mit dem Auto. Seine Eltern sieht Geweiler seit Februar selten, in den Osterferien war er beispielsweise mal wieder zu Hause. Sein Vater Andreas, der als Elfjähriger aus Russland nach Deutschland gekommen war, hatte ihn im Vorfeld in Brandenburgs Hauptstadt besucht und dann mit nach Hause genommen. „Das ist ganz schön viel Fahrerei im Moment“, berichtet Geweiler senior: „Wir als Familie versuchen natürlich, Ilian zu unterstützen. Aber das war ein gewaltiger Schritt. Es ist nicht einfach für ihn.“

Ab Montag wird es aber wohl etwas einfacher werden: Ilian Geweilers langjähriger Freund und Teamkollege Dominik Kupiec (13) zieht dann auch ins Internat. „Da freue ich mich sehr drauf“, strahlt der Zwölfjährige. Seit zehn Jahren kennen sich die beiden, haben in der Zeit vor Potsdam gemeinsam bei Andreas Geweiler und Mateusz Chilinski trainiert. „Ilian und Dominik sind wie Brüder, weil sie im Grunde gemeinsam aufgewachsen sind. Sie haben sich immer gegenseitig gepusht, auch in der Schule. Darum freue ich mich sehr, dass Dominik jetzt auch nach Potsdam geht“, erzählt Geweiler senior.

Die Idee, überhaupt ins Internat zu ziehen, hat ihren Ursprung in einer Aktion des THW Kiel – sowohl für Ilian Geweiler als auch für Dominik Kupiec. Beide hatten sich bei den „THW-YOUNGstars“ beworben und es unter die besten 21 Teilnehmer in ein Wochenendcamp geschafft. Die letzte Stufe, die sogenannte Exzellenzwoche, haben sie nicht mehr erreicht. Der Gewinner des Programms wurde mit einem Handballstipendium des THW belohnt. „Ich bin ein bisschen traurig, nicht gewonnen zu haben“, gibt Ilian Geweiler zu: „Aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht. Ich habe viele neue Sachen gelernt und mich zum Beispiel im Eins-gegen-eins und in der Abwehr verbessert.“

Entwickelt hat er sich also vor allem in Bereichen, die bislang eigentlich nicht zu seinen großen Stärken gehörten. Die beschreibt sein Vater nämlich so: „Ilian hat ein gutes Auge, ist technisch stark, dynamisch und schnell.“ Eingesetzt wird der Sulinger vornehmlich auf den Positionen Rückraum-Mitte und Linksaußen. Spielt er am Flügel, eifert er auch seinem großen Vorbild Timur Dibirov nach. Der Russe spielt für Vardar Skopje – und kennt die Geweilers seit einem Spiel seines Teams in Kiel persönlich. Vor dem Champions-League-Duell der Nordmazedonier bei den Rhein-Neckar Löwen im Februar meldete sich Dibirov dann bei Andreas Geweiler und lud ihn mit seinem Sohn zum Spiel nach Mannheim ein. „Wir haben ein bisschen mit ihm im Hotel gequatscht“, berichtet Geweiler senior: „Das war schon sehr cool. Wir stehen häufiger in Kontakt.“

Bei so einem Vorbild und mit einer solchen Trainingsintensität – da steht dem Ziel Handballprofi für Ilian Geweiler doch eigentlich nichts mehr im Weg . . .

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