Sprinterin hat Verletzung abgeschüttelt / Ziel ab heute in Berlin: „Gute Zeit“

Freese schmerzfrei: „Jetzt genieße ich die Hallensaison“

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Voll fokussiert mit dem Blick nach vorn: Anna-Lena Freese hat ihre Verletzung abgeschüttelt und freut sich auf die Norddeutschen Hallen-Meisterschaften in Berlin.

Brinkum - Von Cord Krüger. Endlich! Endlich durfte Anna-Lena Freese mal wieder ein Rennen bestreiten. Dass die Leichtathletin des FTSV Jahn Brinkum diesen Lauf um die Hallen-Landesmeisterschaft gleich mit einem Sieg beendet hat, steigerte die Stimmung der 21-Jährigen noch ein bisschen mehr. Ihre mehr als sechsmonatige Wettkampfs-Zwangspause wegen einer langwierigen Verletzung hat die Sprinterin durch den Titel endgültig abgeschüttelt – auch gedanklich. Jetzt blickt die Schülerin des Sportinternats vom Olympia-Stützpunkt Hannover nach vorn – auf die Norddeutschen Meisterschaften an diesem Wochenende, den Rest des Hallenpensums, ihre Zeit nach dem Abi und die Olympischen Spiele 2016.

Frau Freese, herzlichen Glückwunsch nochmal zur Landesmeisterschaft über 60 Meter und zum gelungenen Comeback. Wie besonders war dieses Rennen für Sie?

Anna-Lena Freese (21): Ich hatte gemischte Gefühle. Einerseits habe ich mich total gefreut, dass es endlich wieder losging. Andererseits war da ein gewisser Druck, den ich mir auch selbst aufgebaut habe. Auch Leute aus meinem Umfeld hatten so ihre Erwartungen an mich. Aber das alles konnte ich zum Glück bis zum Start ausblenden.

Bis dahin hatten Sie eine schwere Phase. Wie kam es dazu, dass Sie so lange pausieren mussten?

Freese: Ja, es hat tatsächlich länger gedauert, als wir gedacht hatten, aber es war eine Sehnenansatz-Reizung im rechten Knie, die weiter ausgestrahlt hat – bis in den Oberschenkel. Also hat mein Trainer Jörg Sterzel klipp und klar gesagt, dass wir sportlich erstmal gar nichts mehr tun sollten.

Wie haben Sie diese Zeit denn dann rumbekommen?

Freese: Mit Urlaub! Sechs Wochen lang. Das war schön, das tat mal ganz gut.

Wohin ging's für Sie?

Freese: Ich bin einfach nur in Deutschland geblieben, muss ich zugeben. Ich war lange bei meinen Eltern und bin dann quer durchs Land zu Freunden gereist. Das habe ich auch mal gebraucht.

Kam in dieser Zeit mal Angst vor einem Aus der Karriere auf?

Freese: Nö! (schmunzelt). Ehrlich, überhaupt nicht. Verletzungen gehören im Sport dazu, kein Sportler kommt ohne welche davon. Und falls es doch einen geben sollte, möchte ich den gern mal kennenlernen. 2012 habe so etwas ja auch schon mal durchgemacht (Knochenödem im rechten Knie mit einer Einblutung, d. Red.). Und jetzt, nach dem Urlaub, haben wir wieder mit dem Training angefangen.

Wie umfangreich gestalten sich diese Einheiten?

Freese: Wir legen mehr Wert auf Kräftigung und Stabilisation. Normalerweise trainiere ich ein Mal pro Tag, zum Glück nicht zwei Mal. Denn erstens trödele ich immer ein bisschen rum (lacht), so dass jedes Training schon mal zwei oder zweieinhalb Stunden dauern kann. Und zweitens geht es jetzt ja mit meinem Abitur in die heiße Phase.

Bei wieviel Prozent sind Sie momentan im Vergleich zu Ihrem Leistungsstand vor Ihrer Verletzung?

Freese: Schwer zu sagen. Vielleicht bei 70? Meine Zeit bei den Landesmeisterschaften fand ich schon mal ganz in Ordnung. Aber ich denke, es geht noch schneller. Mal sehen, wie die Norddeutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Berlin so laufen. In diesen 7,42 Sekunden möchte ich schon wieder ins Ziel kommen. Es darf ruhig schneller sein, aber langsamer sollte es nicht unbedingt sein…

Sie starten also auf jeden Fall wieder über 60 Meter. Auch über 200 Meter?

Freese: Nein, das lassen wir erstmal während der Hallensaison. Jetzt stehen zunächst die 60 Meter im Vordergrund. Im letzten Jahr sind wir die nicht so oft gelaufen, aber es ist wichtig, um Beschleunigung aufzubauen – für die längeren Strecken.

Was haben Sie sich für die Norddeutschen Meisterschaften vorgenommen?

Freese: Platzierungen sind mir nicht so wichtig wie die Zeiten. Und wenn die so ähnlich aussehen wie jetzt in Hannover, genieße ich den Rest der Hallensaison.

Und anschließend geht es wieder ins Freie. Worauf freuen Sie sich mehr – auf Hallen- oder Freiluft-Wettkämpfe?

Freese: Im Moment auf beides, denn ich will ja möglichst oft laufen und schnell wieder in meinen Rhythmus kommen. Erstmal stehen aber die Norddeutschen Meisterschaften, dann ein Hallen-Meeting im belgischen Genk und die Deutschen Hallen-Meisterschaften auf dem Programm.

Ein ziemlicher Aufwand – auch finanziell. Müssen Sie neben Schule und Hochleistungssport da auch noch auf Sponsoren-Suche gehen?

Freese: Zum Glück noch nicht. Ich bin sehr froh, dass mich seit 2011 eine Firma unterstützt. Das ist die ,Perfect GmbH‘. Und vor knapp zwei Jahren kam noch eine weitere auf uns zu. ,Perfect‘ hat mir sogar einen Ausbildungsplatz zur Industriekauffrau angeboten.

Wäre das etwas für Sie?

Freese: Sicher, aber ich werde dort erstmal ein Praktikum machen. Das ist sowieso gut – auf diese Weise lernt man diesen Beruf, aber auch den Sponsor besser kennen – und weiß, für wen man wirbt.

Haben Sie noch andere Optionen?

Freese: Ich könnte mir auch ein Freiwilliges Soziales Jahr bei uns am Stützpunkt vorstellen. Einerseits, um ein bisschen was von dem zurückzugeben, was ich hier bekommen habe. Andererseits wäre es eine gute Möglichkeit, diese Trainingsbedingungen ein Jahr länger zu nutzen. Und dann haben wir ja schon 2016…

Also das Jahr der Olympischen Spiele in Rio – Ihr erklärtes Ziel?

Freese: Wenn man selbst so etwas sagt, hört sich das immer ein bisschen blöd an. Aber es ist schon ein Traum von mir, dabei zu sein, und dafür will ich alles Mögliche tun. Wenn es klappt, wäre es wunderschön. Wenn nicht, haben wir ja noch 2020 (lacht).

Kriecht bei solch großartigen Aussichten nicht dann doch die Angst vor einer weiteren Verletzung in Ihnen hoch?

Freese: Nein – das habe ich abgehakt. Ich bin vom Kopf her ziemlich stark, was das Verarbeiten von Verletzungen angeht. Aber ich bin mir im Klaren darüber, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann. Die Chancen stehen 50:50.

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