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Wie dem Brinkumer SV 2015 zunächst die Lizenz verweigert wurde

So lief es am 20. Juli 2015 (natürlich ohne Schnee): Brinkums Jörg Bender (li.) erhält gerade vom Bremer Verband per Handy die Mitteilung, dass dem BSV die Bremen-Liga-Lizenz verweigert wird. Wenig später werden Trainer Kristian Arambasic (re.) und Kapitän Jannik Bender informiert.
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So lief es am 20. Juli 2015 (natürlich ohne Schnee): Brinkums Jörg Bender (li.) erhält gerade vom Bremer Verband per Handy die Mitteilung, dass dem BSV die Bremen-Liga-Lizenz verweigert wird. Wenig später werden Trainer Kristian Arambasic (re.) und Kapitän Jannik Bender informiert.

Da schoss allen Brinkumern im Jahre 2015 der Schock in die Glieder. Beim Turnier in Ristedt wurde bekannt, dass der BSV keine Lizenz für die Bremen-Liga bekommen sollte.

  • Kein entsprechender Unterbau als Begründung für Nichterteilung der Lizenz.
  • Familie Arambasic durchforstet die Statuten.
  • Brinkumer SV bekommt in zweiter Instanz Recht.

Ristedt/Brinkum - Es ist der 20. Juli 2015 um kurz vor 20.00 Uhr. Beim Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“ bereitet sich Bremen-Ligist Brinkumer SV gerade auf sein letztes Gruppenspiel gegen den damaligen Landesligisten FC Oberneuland vor. Co-Trainer und Vorstandsmitglied Jörg Bender lehnt locker an der Wand zur Reservebank. Die Stimmung ist recht gelöst.

Das änderte sich jedoch in Sekundenbruchteilen. Benders Handy macht sich bemerkbar. Auf der andere Seite ist Heinz-Günther Schmidt, der Spielausschuss-Vorsitzende des Bremer Verbandes (BFV). Mit einer Nachricht, die ein kleines Erdbeben auslösen sollte und sogar im Radio verkündet wurde: Der Brinkumer SV sollte für die anstehende Saison keine Lizenz für die Bremen-Liga erhalten und muss in die Landesliga zwangsabsteigen.

Hintergrund: Die Brinkumer hätten nach BFV-Ansicht keinen ausreichenenden Unterbau, um die Auflagen für die Lizenz zu erfüllen. Eine zweite Herren hätte gereicht, aber die wurde nach dreimaligem Nichtantreten gestrichen. Die Brinkumer waren der Annahme, dass ihre Alte Herren reichen würde, um die Auflagen zu erfüllen. Das sah der Verband anders.

Zurück zu „Jogi“ Bender. „Ich habe gedacht, dass mich ein Pferd tritt und das alles doch wohl nicht wahr sein kann – eine echte Hiobsbotschaft“, erinnert sich Bender. Nachdem der erste Schock verflogen war, führte er ein Telefonat nach dem anderen: „Ich habe natürlich unseren Förderer Dieter Burdenski informiert und auch bei Björn Fecker (Präsident des BFV/die Red.) nachgefragt, ob das alles so richtig ist. Für uns stand außer Frage, dass die Alte Herren reicht, um die Auflagen zu erfüllen.“

Allen Nackenschlägen getrotzt: Brinkum holte sich 2015 den Sieg beim Ristedter „Württemberg-Cup“.

Nach den ersten Telefonaten ging Bender auf den Platz und informierte Trainer Kristian Arambasic, der den BSV gerade erst übernommen hatte. „Ich konnte das nicht glauben und hatte auch keine Erklärung dafür. Ich habe sofort gedacht, dass uns da jemand angeschwärzt hat. Es war ein richtiger Schock. Ich bin gleich zu meiner Frau Miriam gegangen und habe gesagt, dass wir abgestiegen sind.“

Arambasic, der jetzt den Gegner von damals in der Regionalliga Nord coacht, ließ sich zunächst nichts anmerken und zog sein Warm-up mit dem Team durch. „Ich weiß nicht, ob die Jungs was gemerkt haben, aber ich habe der Mannschaft bei der Besprechung für das Spiel noch nichts gesagt. Während der Partie habe ich danach kaum ans Spiel gedacht, sondern nur daran, was der Verband da so mit uns vorhat.“ Der BSV gewann gegen Oberneuland mit 2:1 und hatte sich damit fürs Finale qualifiziert.

Nach dem Match ließ Arambasic in der Kabine dann die Bombe platzen. Kapitän Jannik Bender erinnert sich noch genau: „Alle waren sprachlos und geschockt. Wir alle wussten gar nicht, wie wir jetzt mit dieser Meldung umgehen sollten.“

Doch nach und nach setzte sich bei den Brinkumern die Erkenntnis durch, diesen Zwangsabstieg nicht einfach über sich ergehen zu lassen.

Schmidt-Rücktritt und Änderung der Bremer Statuten

Der im Haupttext schon erwähnte Heinz-Günther Schmidt trat im März 2016 von seinem Posten zurück, weil ihm, auch wegen des Brinkumer Falles, die Rückendeckung im Beirat des Verbandes fehlte. Schmidt war es im Juli 2015, der nach eigener Prüfung den Brinkumern im Namen des Verbandes die Lizenz für die Bremen-Liga verweigert hatte.

Nach dem Gang durch die Instanzen und der letztinstanzlichen Niederlage änderte der Bremer Verband die Statuten dahingehend, dass nunmehr ein Altherren-Team nicht zum Kontingent der Herren-Teams zählt, um die Auflagen zur Erteilung einer Lizenz für die Bremen-Liga zu erfüllen. Hätten sich die Bremer ein Beispiel an ihren Kollegen aus Niedersachsen genommen, wo die Auflagen konkreter formuliert sind, hätte es kein so großes Wirrwarr im Fall Brinkum gegeben. Das hätte aber auch bedeutet, dass der BSV in die Landesliga abgestiegen wäre.

Vor allem Miriam und Kristian Arambasic wälzten die Bremer Statuten und verglichen sie mit denen anderer Verbände, um Munition für einen Einspruch zu sammeln. „Das wäre eigentlich gar nicht der Job der beiden gewesen, aber sie haben sich da ganz hervorragend eingebracht“, meint Jörg Bender auch noch viele Jahre danach.

Die Brinkumer kamen zu dem Schluss, den Einspruch fristgerecht zu formulieren. Haupttenor: Die gemeldete Alte Herren reicht aus, um die Auflagen zu erfüllen.

Gleichzeitig ging es darum, die Spieler zu befragen, wie es denn im Falle des Abstiegs weitergehen würde. Das Ergebnis war überwältigend. „Alle Spieler und auch der Trainer haben gesagt, dass sie auch in der Landesliga in Brinkum bleiben würden, um dann gleich wieder aufzusteigen. Das zeigt doch, dass wir in diesem Jahr einen wirklich tollen Zusammenhalt gehabt haben“, sagt Jannik Bender. Arambasic gießt da etwas Wasser in den Wein: „Ich weiß nicht, wie der Kader ausgesehen hätte, wenn wir tatsächlich abgestiegen wären . . .“

Brinkum darf in der Bremen-Liga bleiben und wird Fünfter

Zunächst sah es ganz danach aus, denn in der ersten Instanz wies das Sportgericht den Brinkumer Einspruch ab. Bender senior & Co. gaben aber nicht auf und legten erneut Einspruch ein. Ein lohnendes Unterfangen, denn letztinstanzlich gab das Bremer Verbandssportgericht den Brinkumern Recht. Der BSV durfte damit in der Bremen-Liga bleiben – und wurde am Ende Fünfter.

Zurück auf den Ristedter Sportplatz. Brinkum hatte den Schock der ersten Nachricht offenbar gut verdaut. Einige Tage später wurde der Oberligist TB Uphusen im Finale mit 3:1 nach Elfmeterschießen besiegt. Bei der Siegerehrung war die Freude beim Sieger natürlich riesengroß. Da konnte von „sprachlos in Ristedt“ nun wirklich nicht mehr die Rede sein . . .

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