Serie SPORTLERWAHL SPEZIAL

Hannes Roffmann greift wieder zum Badmintonschläger

Hannes Roffmann mit seiner Tochter Annelie auf dem Arm.
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Lachende Gesichter in Hamburg-Altona: Hannes Roffmann hat seine Tochter Annelie auf dem Arm – und einen Badmintonschläger in der Hand. Der 33-Jährige, früher sehr erfolgreich, hat „seinen“ Sport wiederentdeckt und will nun am Federball bleiben.

Als Elfjähriger hat Hannes Roffmann 1999 zum ersten Mal bei der Sportlerwahl triumphiert. In den 22 Jahren danach ist viel passiert. Er hörte auf mit dem Badminton - und spielt nun wieder. In Hamburg.

  • Hannes Roffmann denkt gerne an seine zwei Sportlerwahl-Triumphe zurück.
  • Inzwischen trägt der frühere Diepholzer meistens Anzug und hat einen sehr verantwortungsvollen Job.
  • Beim TuS Ottensen hat er seine alte Liebe wiederentdeckt.

Syke/Hamburg – Wer sich noch an die Sportlerwahl 1998 erinnert, hat die legendäre und eine ganze Bezirksklassen-Saison lang ungeschlagene Fußball-Meistermannschaft des TSV Bassum vor Augen. Auch die erfolgreiche Reiterin Julia Martinez vom RV Engeln als Siegerin bei den Sportlerinnen. Und einen elfjährigen Jungen, der gar nicht fassen konnte, dass er alle Konkurrenten ausgestochen und bei der Traditionsveranstaltung triumphiert hatte. Bei der Gala in der Kreissparkasse Syke am 19. Februar 1999 schüttelte das Badminton-Talent Hannes Roffmann von der SG Diepholz auf dem Podest nur ungläubig den Kopf, nahm Pokal und Urkunde entgegen – und gestand später: „Ich hatte mit einem der letzten Plätze gerechnet und dachte zuerst, es wäre versteckte Kamera.“ War es nicht.

„Hannes – der Kleinste war der Allergrößte“, hieß es am Morgen danach in dieser Zeitung. Fast 22 Jahre ist das nun schon her. Mittlerweile lebt Roffmann mit seiner Familie im Hamburger Stadtteil Altona nahe des Volksparks und ist im sogenannten „Wealth Management“ einer Bank tätig. Den Badminton-Schläger schwingt er inzwischen wieder – wenn auch längst nicht mehr so oft wie zu seinen sportlichen Glanzzeiten.

Die Anzüge sind ein, zwei Nummern größer geworden.

Hannes Roffmann mit einem Schmunzeln über seinen Fitnesszustand im Vergleich zu seiner intensivsten Zeit als Badmintonspieler.

Es war gar nicht so einfach, den inzwischen 33-Jährigen ausfindig zu machen. Nachdem er seinen damaligen Club SG Diepholz und die Kreisstadt 2002 verlassen hatte, war er aus dem hiesigen Lokalsport-Fokus verschwunden. Bei der Internet-Suche fand sich sein Name im Zusammenhang mit dem Bankhaus Berenberg. Eine dort kontaktierte Kollegin leitete die Nachfrage weiter – und wenig später kam die Antwort. Ja, es ist der richtige Hannes Roffmann. Und er freute sich sehr, „dass ich mal wieder an die alten Zeiten erinnert werde. Wahnsinn, wie lange das schon her ist.“

„Der Kleinste war der Allergrößte“ – so titelte diese Zeitung 1999 über Roffmanns ersten Triumph bei der Sportlerwahl. Hans-Michael Heise (l.) und Walter Link gratulierten.

An den grinsenden jungen Burschen mit dem markanten Pony, beim Siegerfoto eingerahmt von Oberkreisdirektor Hans-Michael Heise und Kreissportbund-Chef Walter Link, erinnert optisch nichts mehr. Roffmann trägt nun Brille und Bart – und meistens Anzug. Sein Arbeitsplatz befindet sich direkt am Hamburger Jungfernstieg, zweiter Stock, mit Blick auf die Alster. „Es geht schlimmer“, sagt er und schmunzelt. Da es in der Firma auch eine Dusche gibt, nutzt er die Mittagspause manchmal für eine Joggingrunde an der Alster. Danach geht’s in der Bank weiter. Sein Hauptaufgabengebiet ist es, vermögende Kunden zu beraten – hauptsächlich aus Norddeutschland. Bei den Geldanlagen geht es „um hohe Volumina“, auch um Unternehmensverkäufe oder Erbschaften. Als „in vielerlei Hinsicht verantwortungsvoll“ bezeichnet er seinen Job, den er seit 2018 macht – momentan wegen Corona zu 50 Prozent im Homeoffice. Vorher war er zehn Jahre lang bei der Deutschen Bank in Hamburg, schloss in dieser Zeit sein duales Studium (Bankausbildung und BWL) ab und hängte noch einen Master dran.

Ein Dankeschön an Jugendtrainer Heinz Frohn

Damals, 1999, waren Ausbildung und Job noch ganz weit weg. Da gab es nur Schule – und Badminton. Als Roffmann drei oder vier Jahre alt war, zog die Familie von seinem Geburtsort Hannover nach Diepholz. Dort arbeiteten beide Eltern als Lehrer, Mutter Elke an der Orientierungsstufe, Vater Heiko an den Berufbildenden Schulen (BBS). Schon bald begann er in der SG Diepholz mit dem Badminton. „Mein erster Trainer war Heinz Frohn. Er hat in mir die Begeisterung für diesen Sport entfacht – das kann man ruhig mal erwähnen“, findet Roffmann. Recht früh war sein großes Talent für das Spiel mit dem Schläger und dem Shuttlecock (Federball) zu erkennen. Der kleine Hannes gewann erst regionale Titel, dann überregionale – etwa bei den Norddeutschen Meisterschaften. Er wurde folgerichtig als Sportler des Jahres nominiert. Und gewann.

Es hat mich total gepusht und motiviert. Aber es war nicht so, dass wir anschließend zum Feiern ins Casino gegangen sind.

Hannes Roffmann erinnert sich an seinen ersten Sieg bei der Sportlerwahl und den Gala-Abend im Februar 1999.

„Meine Eltern hatten vorher meine Erwartungen gedämpft und gesagt, ich soll nicht traurig sein, wenn ich nicht vorne dabei bin. Und dann wird mein Name als Sieger aufgerufen – wie aus dem Nichts. Total surreal“, erinnert sich Roffmann und fügt an: „Bestimmt war es ein Bonus, dass ich so klein war. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut. Es war toll, eine richtige Gala. So etwas kannte ich überhaupt nicht.“

Die erfolgreichste Zeit als Badminton-Spieler: Mit dem BV Gifhorn spielte Hannes Roffmann in der 1. und 2. Bundesliga.

Zwei Jahre später folgte sogar noch ein zweiter Triumph bei der Sportlerwahl. Diesmal nicht mehr ganz so überraschend und emotional – aber trotzdem unvergesslich. Seine Oma gewann bei der Verlosung unter allen Teilnehmern den zweiten Preis, ein hochwertiges Fahrrad. „Ein Doppelsieg“, sagt Roffmann mit einem Grinsen. Bemerkenswert: Das Gefährt ist noch immer in Gebrauch. Seine Eltern (wohnen seit mehreren Jahren in Lüneburg) brachten es vor einigen Monaten nach Hamburg. Seine Frau Annika fährt jetzt damit. „Ihres war kaputt, wir haben es ein bisschen umgebaut – top“, erzählt Roffmann.

Seine Frau kennt der 33-Jährige seit der Schulzeit. Mit 15 war er auf eigenen Wunsch von Diepholz an die Schule des Leistungssports nach Braunschweig gewechselt. „Ich wollte im Badminton einfach noch besser werden“, erklärt er rückblickend. Er wohnte in einer WG. Einkaufen, Wäsche, Schule – all das bewerkstelligte er früh allein. Und sportlich ging es tatsächlich noch weiter bergauf. Er war im Jugendbereich mal Deutscher Einzelmeister – ebenso mit dem Team des BV Gifhorn, mit dem er auch in der 1. und 2. Bundesliga spielte. „Eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit“, meint Roffmann.

Comeback beim TuS Ottensen weckt den alten Ehrgeiz

Als er dann aber nach dem Sport-Zivildienst beim Olympiastützpunkt Hamburg das Studium aufnahm, musste er sich entscheiden: „Ich habe vom einen auf den anderen Tag aufgehört mit dem Badminton, weil ich es zeitlich nicht mehr geschafft hätte.“ Von 2011 bis 2018 „hatte ich keinen Schläger in der Hand“, sagt Roffmann. Doch seit zwei Jahren „ditscht“ er wieder ein bisschen, wie er es nennt. Beim Hamburger Landesligisten TuS Ottensen hat er in der vergangenen Saison sogar ein paar Spiele bestritten. „Es juckte in den Fingern“, gibt er zu, „ich habe meinen alten Ehrgeiz wiederentdeckt. Es war wirklich super und macht mir richtig viel Spaß.“

So viel, dass er – wenn es wegen Corona wieder erlaubt ist – weitermachen will. Auch, wenn die Familie mit Töchterchen Annelie (16 Monate) Vorrang hat und die Samstage oft mit Vorträgen belegt sind. Seit sechs Jahren arbeitet Roffmann zusätzlich als Dozent: Volkswirtschaftslehre für Bankfachwirte.

Badminton ist für ihn mittlerweile eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Und er hat es noch drauf, sagt er selbst: „Ich hab’s nicht verlernt. Es ist wie Fahrradfahren, nur jetzt ein bisschen langsamer . . .“

Steckbrief

Name: Hannes Roffmann
Alter: 33
Wohnort: Hamburg
Beruf: Vermögensverwalter und Anlageberater bei einer Bank in Hamburg.
Größte sportliche Erfolge: Deutscher Jugendmeister im Einzel und mit dem Team (BV Gifhorn), Bronze mit dem Team bei der Jugend-EM, mehrere Siege bei Norddeutschen Meisterschaften und deutschen Ranglisten-Turnieren im Juniorenbereich.
Verein: TuS Ottensen
Privates: Seit zwei Jahren verheiratet mit Annika, Tochter Annelie ist etwa 17 Monate alt. Seine Schwester Maike hat Zwillinge und lebt ebenfalls in Hamburg. Seine Eltern wohnen in Lüneburg.

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