Startnummer 8

Ulrike Münster (Triathlon)

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„Einsatz und zielgerichtetes Arbeiten“ haben Ulrike Münster zur „Challenge Roth“ geführt.

Es sind knapp 20 Grad Celsius im trockenen Roth, eine leichte Wolkendecke bedeckt den Himmel – kurz gesagt: optimale äußere Bedingungen für einen Triathlon. Trotzdem schwingt an diesem 1. Juli 2019 ein bisschen Skepsis bei Ulrike Münster mit.

Spät während der Vorbereitung auf ihre erste Langdistanz hatte sich ein kleiner Muskel im Sitzbein verabschiedet, das Laufen fällt ihr schwer. Zumindest den Neoprenanzug darf die 62-Jährige kurzfristig doch benutzen, die Schleuse in der bayrischen Kreisstadt ist rechtzeitig repariert worden, das Wasser hat sich abgekühlt. Dann geht es los, Münster wagt den Sprung ins kalte Nass . . .

Doch bis sie an diesem Punkt angelangt war, hatte die Athletin von der LC Hansa Stuhr erst mal einen harten Weg zu gehen. Und ihre „lange Geschichte bis zur Startlinie“ reicht bis ins Jahr 2002 zurück, erzählt Münster, die fast alles gemeinsam mit ihrem Mann Helmut macht – auch die „Challenge Roth“: „Helmut hat früher Handball gespielt, ich Basketball. Das lag aber so ein bisschen auf Eis, wir haben nicht mehr viel Sport gemacht. Deshalb dachten wir uns: ,Jetzt muss mal wieder etwas passieren.‘ Also haben wir mit dem Laufen angefangen.“

Einige Marathons später und um die Gewissheit reicher, das Laufen nun „draufzuhaben“, suchten sich die Münsters „neue Herausforderungen“ – und traten 2014 einem Schwimmverein bei. „Das war erst mal nicht so unser Fall“, gibt Ulrike Münster mit einem Lächeln zu, „aber wir haben uns ganz mühsam herangerobbt.“ Und es zahlte sich aus, die beiden absolvierten 2016 in Berlin und 2017 in Köln jeweils einen Triathlon über die Mitteldistanz.

Der nächste Schritt erschien logisch – doch die Münsters waren unsicher. „Als 2018 einige Tri-Wölfe meinten, sie wollen in Roth an den Start gehen, haben Helmut und ich überlegt, ob das sinnvoll ist. Immerhin waren wir schon über 60“, erklärt die mittlerweile pensionierte Rechtsanwältin: „Aber wir haben uns dafür entschieden, und im August ging es los mit dem Training.“

Dank ihrer Selbstständigkeit konnte sich Ulrike Münster ihren Trainingsplan „gut einteilen“. 20 Stunden die Woche opferten die beiden ihrem Ziel, zwei zehntägige Trainingslager (auf Lanzarote und Mallorca) absolvierten sie zudem. „Wir haben ordentlich Kilometer geschrubbt“, sagt Ulrike Münster mit einem Grinsen.

Bis Ende Mai lief „alles super“, doch dann zog sich Helmut Münster bei einem Radunfall einen kleinen Knorpelschaden zu, und nur wenig später hatte seine Frau Probleme mit einem Muskel. Beide hatten Schwierigkeiten beim Laufen, doch sie wollten gemeinsam an den Start gehen – und taten es.

„Im Wasser (3,86 Kilometer, d. Red.) war es super, auch auf dem Rad (180 Kilometer) hatte ich keine Probleme und habe die Zeit eingehalten, die ich mir vorgenommen hatte“, berichtet Ulrike Münster. Doch dann standen die 42,2 Kilometer Laufen an. Und sie fragte sich: „,Tust du dir das jetzt an?‘ Aber in diesem Moment schießen dir Geschichten in den Kopf, die du dir vorher überlegt hast. Es ist ein Psychospiel, und ich habe mir gedacht: ,Das wird schon irgendwie gehen.‘“

Und es ging. Mit Etappenzielen vor Augen kämpfte sie sich voran, die mitgereisten Vereinskollegen am Streckenrand sorgten für die letzte Motivation – und dann hatte sie es geschafft. Nur zehn Sekunden trennten sie beim Zieleinlauf von ihrem Mann. „Das war für uns beide eine schöne Geschichte“, strahlt Ulrike Münster, die für sich zwei Lehren aus ihrer Premiere gezogen hat: „Wenn man etwas möchte – egal, was es ist – benötigt es immer Einsatz und zielgerichtetes Arbeiten“, und: „Der Mensch ist ein Bewegungstier, und jeder kann das, was ich da gemacht habe, auch schaffen.“

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