Europameistertitel krönt die Karriere

Oliver Sebrantke: Der Marathon seines Lebens

„Ich bin doch nur ein kleiner Läufer aus dem Dorf Stuhr“, sagt Oliver Sebrantke. Doch auch der kann Europameister werden.
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„Ich bin doch nur ein kleiner Läufer aus dem Dorf Stuhr“, sagt Oliver Sebrantke. Doch auch der kann Europameister werden.

Start-Nr. 27: Stuhr - Er war gekommen, um sich „unter den ganzen Granaten nicht zu blamieren“. Er ging als Europameister über 42,195 Kilometer. Marathonläufer Oliver Sebrantke hat am 25. August 2012 den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich diesen Titel trage“, zweifelt der 36-Jährige an dem, was ihm im tschechischen Hradek widerfahren ist. „Ich bin doch nur ein kleiner Läufer aus dem Dorf Stuhr.“

Schon Anfang März war der kleine Oliver ausgezogen, um sich beim Antalya Marathon auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten. In der Türkei erlebte der Athlet des LC Hansa Stuhr jedoch, was er nicht erleben wollte. „Ich lag weit in Führung und bin dann durch Magenprobleme zurückgefallen“, berichtet Sebrantke. Der vierte Platz sei für ihn „die größte Enttäuschung des Jahres“ gewesen.

Von da an aber ging es steil bergauf: Den Springe-Deister Marathon gewann Sebrantke nur drei Wochen später überlegen, ebenso wie den Knastmarathon in der JVA Darmstadt, wo der Stuhrer hinter Gefängnismauern seine Runden drehte und noch heute beeindruckt ist vom „besonderen Erlebnis“.

Acht offiziell gewertete Läufe über 42,195 Kilometer sollte Sebrantke Ende 2012 absolviert haben. Ein irres Pensum verglichen mit Profis, die sich teilweise nur einen Marathon pro Jahr vornehmen. „Das ist vernünftig. Aber vernünftig zu sein ist langweilig. Mir ist auch das Drumherum wichtig“, sagt Sebrantke.

Zumal der Dauerrenner, der sich mittlerweile auch mit dem Triathlon angefreundet hat, unvernünftig ebenfalls erfolgreich ist. Bei 47 Wettkämpfen insgesamt (Crossläufe, kürzere Distanzen, Duathlon, Triathlon, Marathon) überquerte Sebrantke die Ziellinie im vergangenen Jahr 28-mal als Altersklassen- oder Gesamtsieger – wie bei der Europameisterschaft im Dreiländereck zwischen Tschechien, Deutschland und Polen.

In 2:37:33 Stunden rannte der Stuhrer bei seinem Premieren-Lauf im Nationaltrikot allen Konkurrenten in der Klasse M 35 davon und meinte anschließend lässig: „Ich wusste die ganze Zeit, dass ich auf Goldkurs liege.“ Was er nicht wusste? Auch mit dem deutschen Team hatte er Gold geholt. Und so hörte er die Nationalhymne, „das größte Highlight“, gleich zweimal ganz oben auf dem Siegerpodest.

Mit dem letzten Hauch Zuckerguss überzog Sebrantke sein süßes Jahr dann später in Bremen und Oldenburg. Beim Heimspiel verbesserte er seine persönliche Bestzeit unter perfekten Bedingungen um viereinhalb Minuten auf 2:29:21 Stunden und wurde Zweiter. In Oldenburg holte er sich den vierten Gesamtsieg des Jahres.

Was jetzt noch kommen kann? Die Wahl zum Sportler des Jahres natürlich. Sebrantke wurde bislang zweimal Zweiter. Und die Leichtathletik-WM der Senioren ab 35 Jahren hat er sich dick im Kalender angestrichen. Aber die findet am 27. Oktober im brasilianischen Porto Alegre statt, „und das ist von der Planung her nicht leicht zu realisieren“. Denn Sebrantke möchte unbedingt auch das Drumherum mitnehmen – unvernünftig, wie er ist. · ahe

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