Horst Wittmershaus berichtet aus seinem jahrzehntelangen Triathlon-Erfahrungsschatz / Vorerst keine Wettkämpfe

„Sport soll gesund und nicht krank machen“

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Horst Wittmershaus in seinem Element. Nachdem ihm ein Arbeitskollege das Radfahren schmackhaft gemacht hatte, ließen erste Erfolge bei Wettkämpfen nicht lange auf sich warten. Nach hartnäckigen Verletzungen in den vergangenen Jahren möchte der 44-Jährige nun „den absoluten Leistungsgedanken etwas rausnehmen“. ·

Weyhe - Von Daniel WiechertHorst Wittmershaus (SC Weyhe) ist „Mister Triathlon“ im Landkreis Diepholz. Seine Erfolge brachten ihm unter anderem viermal den Titel Sportler des Jahres ein. Nach langer Zwangspause wollte der 44-jährige beim Ostseeman starten – doch der Plan scheiterte. Wir sprachen mit ihm über die Gründe und seine Erlebnisse in den Jahrzehnten des Ausdauersports.

Herr Wittmershaus, nach langer Verletzungspause wollten Sie noch einmal beim Ostseeman in Glücksburg Anfang August starten. Warum hat das nicht geklappt?

Wittmershaus: Ich hatte beim Laufen einfach Schmerzen in der Hüftgegend. Deshalb hat es keinen Sinn gemacht. In den letzten zwei Jahren habe ich ja immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Vielleicht habe ich es da einfach teilweise überreizt. Es war jetzt aber schon schade, dass es nicht mit dem Ostseeman geklappt hat. Aber: Dieser Wettbewerb war niemals als mein Karriereende vom Triathlon gedacht.

Sondern?

Wittmershaus: Ich will diesen Sport nicht aufgeben, sondern einfach den absoluten Leistungsgedanken etwas rausnehmen. Ich will auch nicht ausschließen, dass es nächstes oder übernächstes Jahr dann weitergeht bei mir. Doch konkrete Wettkämpfe sind erst einmal nicht geplant. Irgendwann muss man sich vielleicht auch eingestehen, dass es nicht mehr geht. Denn Sport soll ja gesund und nicht krank machen.

Sie sind bei der Bundespolizei. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass besonders Polizeibeamte zum Ausdauersport neigen. Wie erklären Sie sich das?

Wittmershaus: Ich kann das so eigentlich nicht bestätigen. Es ist aber schon so, dass körperlich hart-arbeitende Menschen, wie Handwerker, weniger dabei sind. Das liegt aber daran, dass sie einfach platt sind am Ende des Arbeitstages. Bei den Wettkämpfen treffe ich daher oft auf Akademiker und/oder Menschen, die einen Bürojob nachgehen.

Wie hat bei Ihnen alles mit der Faszination Triathlon begonnen?

Wittmershaus:Als Jugendlicher habe ich mal am Fernseher Bilder vom Hawaii-Triathlon gesehen. Das hat direkt eine Faszination auf mich ausgeübt. Allerdings war es nicht so, dass ich dann direkt damit begonnen hätte. Mit dem Laufen hatte ich schon vorher angefangen und für‘s Radfahren hat mich dann ein Arbeitskollege begeistert, sodass ich mir selbst ein Rad gekauft habe. Mein erster Triathlon-Wettkampf war dann 1991 in Eschwege bei den Polizeimeisterschaften.

Das ist jetzt 22 Jahre her. Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass sie nicht mit 50 oder 60 den Siegen in irgendwelchen Altersklassen hinterher hecheln wollen. Wie meinten Sie das konkret?

Wittmershaus:Ich habe absoluten Respekt vor diesen Leistungen. Vielleicht würde ich mit 60 oder 70 Jahren auch noch Wettbewerbe machen. Was ich damit ausdrücken wollte, ist, dass ich kein Fan davon bin, mich auf eine bestimmte Altersklasse zu beschränken. Ich vergleiche mich gerne auch jetzt noch mit 20- oder 25-Jährigen und werde immer auf meine Platzierung im Gesamtklassement schauen.

Wenn ich mir vorstelle, acht Stunden oder mehr im Wasser, auf dem Rad und auf der Laufstrecke zu verbringen, stellt sich die Frage: Was geht einem während dieser Zeit durch den Kopf?

Wittmershaus:Eigentlich dreht es sich alles nur um das Sportliche. Da dich irgendwann mit absoluter Sicherheit die Erschöpfung packt, ist es umso wichtiger, sich das alles einzuteilen: Wenn ich zu schnell angehe, falle ich später in ein Loch, aber wenn ich zu langsam starte, erreiche ich nicht meine gesteckten Ziele. Das ist das Schwierige am Triathlonsport – die Balance zu finden.

Also keine privaten Gedanken wie das wohl jeder Hobby-Jogger kennt?

Wittmershaus:Nein, ich habe während des Wettbewerbs auch immer die Aktionen meiner Konkurrenten im Auge: Wo sind sie? Wie weit sind sie vor oder hinter mir? Da fange ich sicher nicht das Träumen an.

Konzentration ist bestimmt auch erforderlich, um während des Wettbewerbs an die Verpflegung zu denken?

Wittmershaus:Das lernt man mit der Zeit – ich bin da einfach reingewachsen. Es gibt auch genügend Lektüre dafür. Allerdings muss ich sagen, dass mir dieses Thema nie so wichtig war. Ich brauche nicht den Riegel der Marke X, sondern esse das, was es an den Verpflegungsstationen gibt.

Bei Ihnen war es also eher „Learning by Doing“. Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Spezialisierung immer mehr zunimmt: Bestimmte Power-Riegel zu geregelten Uhrzeiten, mehr Hightec-Materialien, um jede Sekunde auszureizen. Sie sind mehr als 20 Jahre dabei und können es daher am besten bewerten: Hat das tatsächlich neue Ausmaße angenommen?

Wittmershaus:Ja schon. Das ist alles ein Riesen-Geschäft geworden. Alles wurde zunehmend verfeinert, die Materialien ständig verbessert. Auch die Wettbewerbe sind von der Organisation viel professioneller geworden. Dazu kommt noch, dass auch die Straßenbeläge ganz anders sind als noch vor 20 Jahren. Eigentlich hat sich im Laufe der Zeit alles verändert.

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