„SpielerPlus“: Glenn Arnold und Tilo Bertram wollen Trainerarbeit vereinfachen

Die App-Entwickler von nebenan

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Der Dreyer Glenn Arnold hat gemeinsam mit seinem Kumpel Tilo Bertram eine App für Teams entwickelt. Termine, Strafenkatalog, Trainings- und Urlaubslisten – alles kann bequem und einfach digital abgewickelt werden.

Dreye - Von Daniel Wiechert. App-Entwickler – darunter stellt man sich gemeinhin Eigenbrötler vor, die in abgedunkelten Räumen vor drei Computer-Bildschirmen sitzen und durch fehlende Sonnenstrahlen an Vitamin-D-Mangel leiden. Oder man denkt an Ehrgeizlinge, die den schnellen Euro mit ihrem Startup verdienen wollen. Auf Glenn Arnold (30) trifft nichts von dem zu. Der Gärtner aus Dreye ist der Typ Mannschaftskollege, mit dem man jederzeit gerne ein Bier trinken und dabei über Gott und Welt schnacken würde. „SpielerPlus“ lautet Arnolds App, die er gemeinsam mit Tilo Bertram (31) entwickelt hat. Sie kann alles, was ein Trainer benötigt – und mehr.

Termine, Strafenkatalog, Trainings- und Urlaubslisten – all das ist bei „SpielerPlus“ zu finden, übersichtlich und selbsterklärend. „Der Grundgedanke ist es, dem modernen Trainer die Arbeit mit dieser App zu erleichtern. Alles, was sich Trainer sonst in den Kopf drücken müssen, wollen wir digitalisieren“, sagt Arnold: „Dieser haufenweise unnötige Papierkram, der sich zwangsläufig bei einer Teamführung ansammelt, soll verschwinden.“ Aha, eine findige Rettungsaktion für den Regenwald. Nicht ganz. Das Miteinander, die menschliche Interaktion steht im Mittelpunkt. Die Transparenz „stärkt das Mannschaftsgefühl“, glaubt der 30-Jährige: „Jeder weiß immer, was der andere hat.“

Es ist kinderleicht. Der Coach gibt den Trainingsrhythmus (beispielsweise dienstags und donnerstags) an, seine Spieler sagen zu oder ab, mit einem Fingerwisch – wer will, kann den Grund hinzufügen. Das Programm errechnet aufgrund der Daten automatisch die Trainingsbeteiligung jedes Teamkollegen. So funktioniert es auch mit Spielen.

„Ich habe viele Kumpels, die Trainer sind. Wenn sonntags um 15 Uhr ein Spiel ist, klingelt ab 13 Uhr ständig das Telefon, und es hagelt Absagen. Das ist doch nervig.“ Bei „SpielerPlus“ ist auch ein Chat integriert. „Für die, die kein Whatsapp haben“, sagt Arnold.

Ein weiterer Schritt zur Digitalisierung der Menschen, die stets nur den Kopf gesenkt auf ihr Smartphone-Display schauen? Bald also auch in der Kabine, dem Heiligtum des kumpelhaften Miteinanders? Nein, nein, das strebe Arnold nicht an. Die App soll einfach ein Hilfsmittel sein, um bürokratischen Aufwand zu erleichtern und das Miteinander zu fördern. „Wir versuchen die App so aufzubauen, dass sich das Team untereinander noch mehr ‚sieht‘, jeder kann alles mit dem anderen teilen, muss es aber nicht. Der Schwerpunkt ist Teambuilding.“

Und zwar für jedermann. „Wir sind nicht Fußball“, sagt der 30-Jährige, der selbst in der „Zweiten“ beim SV Dreye kickt. Und das „für den Bierbauch“, sagt er und lacht, während seine Katze Lucy sich von ihm genüsslich die Pfote streicheln lässt: „Wir hatten anfangs eine Figur im Logo, die einem Fußballer ähnelte, das war ein Fehler. Egal, ob Handball, Hockey, Lacrosse oder Elektro-Dart, alle möglichen Sportteams haben sich schon angemeldet. Selbst irgendeine australische Sportart, von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte.“ Jeden Tag 14000 Besucher, 2000 aktive Mannschaften nutzen derzeit die App, täglich kommen 20 neue hinzu.

Doch wie kommt ein Gärtner aus Dreye dazu, eine App zu entwickeln? „Ich bin ein Mensch, der immer schon Mittel und Wege gesucht hat, um Leuten das zu geben, was sie wollen“, sagt Arnold. Mit 14, 15 Jahren habe er die ersten Webseiten erstellt, er hatte früh eine Counterstrike-Seite, die täglich 1000 Besucher zählte. Das technische Hirn hinter „SpielerPlus“ sei aber Bertram. „Er hat mir gestern erst erzählt, dass er mittlerweile weit mehr als 800 Programmierstunden in die App gesteckt hat.“

Arbeit, die sich finanziell nicht rentiert. „Wir haben monatlich 400 bis 500 Euro laufende Kosten, beispielsweise für die Server.“ Trotzdem ist die App kostenlos, Werbung gibt es nicht. „Wenn du Geld nimmst, hast du den Leuten gegenüber eine Verantwortung. Wir wollen das im Moment nicht, denn es ist ein Hobby.“ Arnold spricht über seine große digitale Spielwiese, während im Regal unter dem Fernseher wohl der Klassiker des analogen Spiels liegt: eine Brettspiele-Sammlung.

Und was ist der größte Antrieb? Vor kurzem habe er mit einem Ex-Trainer gesprochen. „Der hat mich gefragt, ‚warum gab‘s das nicht zu unserer Zeit? Das hätte vieles erleichtert.‘“ Der Zuspruch schlechthin für die digitalen Erfinder Arnold und Bertram.

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