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Spieler des Wochenendes: Wetschens Kevin Reinking glänzt als Sechser

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Von: Felix Schlickmann

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Kevin Reinking (am Ball) und Oliver Marcordes
Der sehnsüchtige Blick von Oliver Marcordes (links) gilt wohl dem Leder vor Kevin Reinkings Füßen. „Bei Kevin wäre ich gerne der Ball“, sagte der Wetscher Trainer über die technischen Fähigkeiten seines Mittelfeldspielers: „Da fühlt man sich gut.“ © Krüger

Kevin Reinking hat eine „erstaunliche“ Entwicklung durchgemacht, findet Oliver Marcordes. Der Trainer hat den 24-Jährigen beim TSV Wetschen zum Sechser umfunktioniert. Reinking zahlt das Vertrauen mit Leistung zurück und ist dank seines Auftritts beim SV Bavenstedt unser „Spieler des Wochenendes“.

Wetschen – Plötzlich muss Kevin Reinking lachen. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, gibt der Fußballer vom TSV Wetschen zu: „Ich werde Olli mal darauf ansprechen.“ Es geht um ein Zitat von Oliver Marcodes, das der Trainer des Landesligisten über seinen Spieler sogar mehrfach geäußert hat: „Bei Kevin wäre ich gerne der Ball, da fühlt man sich gut.“

Die technischen Fähigkeiten Reinkings haben es Marcordes angetan. Kein Wunder, der Mittelfeldspieler trägt schließlich seinen Anteil dazu bei, dass Wetschen in der Aufstiegsrunde Hinrundenmeister geworden ist – nicht zuletzt mit seinem Auftritt beim SV Bavenstedt (1:0). „Ich glaube, er hat nicht einen Fehlpass gespielt“, vermutet Marcordes, Reinking will so weit nicht gehen. „Es kann schon sein, dass mal einer nicht angekommen ist“, sagt er, stimmt seinem Coach aber in einem anderen Punkt zu: „Am Samstag lief es wirklich sehr gut.“ Die Krönung: der Assist zum goldenen Tor durch Moritz Raskopp.

Reinking hat an seiner Körpersprache gearbeitet

Das Spiel mit dem Ball, es war schon immer Reinkings Paradedisziplin. In der Jugend war er als Zehner unterwegs und spielte fast immer durch. Auch in den ersten Herrenjahren lief er auf dieser Position auf, hörte häufig von seinen Trainern: „,Du bist ja ein super Fußballer, am Ball kannst du ja alles‘“, verrät Reinking, „doch da war immer dieses ,aber‘“, das ihn Einsatzzeiten kostete beim Regionalligisten BSV Rehden oder Ober- wie Landesligisten TuS Sulingen.

„Nicht jeder Trainer mag meine Spielweise“, erklärt Reinking: „Ich wirke auf dem Platz, glaube ich, meist etwas so, als wenn ich nicht so Bock hätte.“ Darüber habe er im Sommer nachgedacht, nachdem er seinen Stammplatz aus Wetscher Bezirksliga-Zeiten nach dem Aufstieg des TSV verloren hatte. „Ich habe daran gearbeitet, dass die Körpersprache besser aussieht“, verrät der 24-Jährige.

Es ist besser geworden bei mir, aber was die beiden wegräumen – da komme ich noch nicht dran.

Kevin Reinking über sein eigenes Defensivverhalten und das seiner beiden Mitspieler Aljoscha Wilms und Lukas Heyer

Das war Schritt eins, um final im Herrenbereich und in der Landesliga anzukommen. Schritt zwei schreibt Reinking einer Idee seines Trainers zu, der den Rechtsfuß von der Zehn auf die Sechs zurückzog. „Die Defensivarbeit war nicht überragend bei mir“, erklärt Reinking: „Olli hat mich einfach mal dahingestellt – in der Hoffnung, dass es so besser wird.“ Und es wurde wesentlich besser. „Ich muss mehr in die Zweikämpfe, wenn ich tiefer stehe“, weiß Reinking, der „gar nicht gedacht“ hätte, dass ihm diese Rolle „mehr liegt“.

Die Konsequenz aus der neuen Position des Berufsschullehramtsstudenten (Sport und Wirtschaftswissenschaften) findet sich im Wetscher Spiel. Neben den vorzüglichen Abräumern Aljoscha Wilms oder Lukas Heyer (manchmal auch neben beiden) kann Reinking spielerisch glänzen, die auf dem starken Umschaltspiel beruhende Taktik des TSV perfekt umsetzen. „Dadurch, dass wir so kompakt stehen, haben wir mehr Platz nach vorne“, analysiert der „Neu-Sechser“: „Ich kann also die Pässe einfacher hinter die Kette spielen oder trage auch dazu bei, dass wir mal Ruhe ins Spiel bekommen.“

Freunde und Fußball – bei Wetschen kann Reinking beides verknüpfen

Es ist auch Reinkings Entscheidungsfindung (Marcordes: „Er weiß, wann es schnell nach vorne gehen muss und wann nicht“), die den Wetschern ihren surrealen Lauf ermöglicht hat. „Das kannst du eigentlich keinem erzählen“, sagt Reinking immer noch etwas ungläubig: „Vor der Saison hätte das keiner gedacht.“ Auch er preist – wie eigentlich alle Protagonisten seit Wochen und Monaten – den großen Zusammenhalt in der Truppe an, die Freundschaft untereinander sei ebenfalls ein Faktor: „Was man mit der Truppe für einen Spaß hat...“ Das helfe ihm auch privat, sein Leben zu koordinieren. „Ich habe nicht das Problem, Freunde und Fußball getrennt voneinander unter einen Hut bringen zu müssen“, erklärt Reinking, ansonsten könnte er – zusätzlich zu seinem Studium in Oldenburg – doch ein Zeitproblem bekommen.

Im Moment sei er einfach „sehr zufrieden“ mit allem, betont Reinking, das bringt ihn aber nicht zum Spinnen. An die Oberliga denkt in Wetschen (immer noch) keiner. Obwohl Reinking dort schon war – und selbstverständlich gerne irgendwann mal zurückkehren würde. „Es wäre perfekt, wenn man als Stammkraft dazu beiträgt“, findet er. Den ersten Schritt hat der Ballzauberer mit seiner „erstaunlichen Entwicklung“ (Marcordes) getan.

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