Kreisligist Okel hat den Aufstiegs-Matchball – aber auch Lahausen hofft noch

„Spiel des Lebens für das Dorf“

Vierer-Runde im Sudweyher Clubraum: Rico Volkmann (l.), Lutz Schröder (2.v.r.) und Rainer Dismer (r.) mit Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert.

Okel/Lahausen - Von Malte Rehnert. Der Treffpunkt zum Interview mit Lutz Schröder (52), Rico Volkmann (27) und Rainer Dismer (53) passt perfekt. Die Sportanlage in Sudweyhe liegt etwa in der Mitte von Okel und Lahausen – und dem ortsansässigen TuS ist es zu verdanken, dass die beiden TSVs auf die Fußball-Bezirksliga hoffen dürfen. Weil die Sudweyher „Erste“ dort bereits spielt, darf die „Zweite“ (67 Punkte/Kreisliga-Zweiter) nicht hoch. Die Riesenchance für den Tabellendritten Okel (62), aber auch noch ein bisschen für die viertplatzierten Lahauser (60). Am Sonntag ab 15.00 Uhr entscheidet sich, wer Spitzenreiter TuS Wagenfeld in die Bezirksliga begleiten darf: Okel empfängt die TSG Osterholz-Gödestorf (Vorletzter), Lahausen den TVE Nordwohlde (Sechster). Die beiden Okeler Trainer Schröder und Volkmann sowie Lahausens Interimscoach Dismer sprechen im Sudweyher Clubraum über das große Finale.

Beginnen wir mit etwas Historischem. Okel war noch nie auf Bezirksebene, bei Lahausen ist es Ewigkeiten her. Was würde Ihnen also der Aufstieg bedeuten?

Rainer Dismer: Für mich wäre ein Aufstieg nicht unbedingt historisch – aber die Konsequenz, die wir irgendwann haben müssen. Die Struktur des Vereins ist so, dass die Erste Herren in den Bezirk muss. Ganz klar.

Rico Volkmann (mit leuchtenden Augen): Wir haben in den letzten Wochen oft darüber gesprochen. Was es für die Jungs bedeutet, ist kaum in Worte zu fassen. Das ist das Allergrößte, für das Dorf ist es das Spiel des Lebens. Eine nette Anekdote dazu: Wir haben eingefleischte HSV-Fans im Ort, die haben gesagt: Lieber Okel in der Bezirksliga als Hamburg in der Bundesliga. Das zeigt die Bedeutung.

Sie als Ur-Okeler, dessen Vater die Fußballsparte beim TSV leitet, sind einer der wenigen, der den Weg aus der 2. Kreisklasse mitgegangen ist. Jetzt winkt die Bezirksliga . . .

Volkmann: Ja, das ist ein Kindheitstraum – das war die Kreisliga eigentlich schon. Jetzt können wir es noch toppen. Es ist sagenhaft, weltklasse – und das nach der letzten Saison, wo wir bis kurz vor Schluss gegen den Abstieg gekämpft haben.

Wie beurteilen Sie Ihre Chancen im Showdown?

Dismer: In Prozent mag ich es nicht ausdrücken, denn Fußball ist keine Rechensportart. Da kann so viel passieren, deshalb glauben wir auch noch daran. Aber: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass Okel es sich noch nehmen lässt. Ich bin deshalb nicht zufrieden. Wir waren Herbstmeister, wollten Meister werden und direkt aufsteigen – dieses Ziel haben wir verfehlt. Es ist eine Saison der verschenkten Möglichkeiten.

Lutz Schröder: Die Saison ist für uns traumhaft verlaufen, das vorweg. Wir haben in Lahausen beim 0:8 in der Hinrunde den Arsch vollgekriegt. Da hätte doch keiner mehr gedacht, dass wir noch ganz oben rankommen – dann kam in der Rückrunde unter anderem das 5:4 nach 2:4 gegen Lahausen. Rein tabellarisch haben wir jetzt eine sehr gute Ausgangslage. Es gibt nichts Schöneres, als wenn es am letzten Spieltag um etwas geht. Ich muss aber gestehen, dass wir uns ins Ziel schleppen – wegen der massiven Personalprobleme.

Sie, Rico, drohen wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk auszufallen. Wie bitter wäre das – und gibt es noch eine Mini-Chance auf einen Einsatz?

Volkmann: Nach der Verletzung gegen Nordwohlde habe ich gleich zu Lutz gesagt: Das war’s mit der Saison. Aber ich werde noch mal testen und es kurzfristig entscheiden. Wenn es irgendwie geht, werde ich spielen. Erstens, um zu helfen. Zweitens, um nicht das Spektakel draußen zu erleben.

Was meinen Sie genau?

Volkmann: In St. Hülfe habe ich zugeguckt und festgetellt: Das hältst du nicht aus.

Schröder: Da kannst du mal sehen, was ich da draußen immer ertragen muss.

Volkmann (lacht): Ich muss sagen: Das ist dreimal so schlimm, als wenn man selbst auf dem Platz steht.

Egal, ob Sie spielen oder nicht. Die Nervosität dürfte immer mehr steigen. Wie lenken Sie sich ab?

Volkmann: Am Vatertag hatten wir mit der Mannschaft ein Flunkyball-Turnier in Okel. Viele kümmern sich zudem um unsere Ferienfußballschule. Wir haben also andere Dinge im Kopf. Ab Samstagbend wird aber bestimmt ein gewisses Kribbeln da sein. Mir persönlich tut das gut, dann kann ich meine Leistung besser abrufen.

Welchen Eindruck macht Ihre Mannschaft vor dem großen Finale?

Schröder: Die Jungs haben mit der neuen Situation, ein Gejagter zu sein, Probleme. Sie sind vor den Spielen sehr nervös, da läuft viel Kopfkino. Mal schauen, wie sie mit diesem Druck, den sie sich selbst machen, klarkommen. Ich spüre ihn nicht. Für mich ist diese Chance ein Geschenk. Wir werden sie nicht arglos vertun, sondern brennen.

Volkmann: Die Gemeinschaft ist das Nonplusultra bei uns. Davon leben wir, das kann Kräfte freisetzen. Wenn einer mal einen Krampf hat, kriegt er einen Spruch – und dann geht es noch mal 15 Minuten. In dieser Hinsicht macht uns keiner etwas vor.

Dismer: Meine Jungs sind total cool, spielen seit Wochen befreit auf und haben null Anspannung.

Sie spielen gegen den Tabellenvorletzten Osterholz-Gödestorf. Lahausens Gegner Nordwohle ist Sechster. Die leichtere Aufgabe also für Okel?

Schröder: Vorsicht! Es ist ein Derby. Osterholz ist abgestiegen, hat nichts mehr zu verlieren. Und sie können uns richtig in die Suppe spucken.

Volkmann: So sehe ich es auch. Eigentlich ist Osterholz für uns nun ein blöder Gegner. Man kennt sich eben. Sie werden alles reinhauen, was sie können, noch mal zehn Prozent mehr als 100 geben. Ein ganz schweres Spiel für uns, das wir gewinnen müssen – denn Lahausen hat das klar bessere Torverhältnis.

Gibt es aus Lahausen ein Angebot an Osterholz, um die Motivation noch ein bisschen zu steigern?

Dismer: Nein, ich bin kein Freund davon. Ich gehe einfach davon aus, dass jeder, der Fußball spielt, auch gewinnen will. Osterholz hat bestimmt keine Lust darauf, in der Zeitung zu lesen, dass sie abgeschossen oder vorgeführt wurden.

Wie können Sie Okel doch noch ein bisschen aus der Ruhe bringen?

Dismer: Schwierig. Okel dreht mit seiner Gemeinschaft und Präsenz Spiele, das ist eine Qualität. Irgendwelcher Heckmeck wird die Jungs nicht aus dem Konzept bringen. Ich habe großen Respekt vor Okel, wie sie sich herangearbeitet haben. Wenn Osterholz aber tatsächlich so befreit auftritt, kann es dort ein gutes und interessantes Spiel werden.

Was passiert, wenn es am Ende nicht klappt?

Schröder: Meine größte Sorge ist, dass alles von diesem einen Spiel abhängig gemacht wird – ob die Saison nun gut oder schlecht ist. Für mich gäbe es keine Enttäuschung. Wir werden die Saison, die natürlich noch eine ganz besondere Note bekommen kann, gebührend feiern.

Volkmann: Wir wären sehr geknickt, klar. Aber am nächsten Tag muss die Freude zurückkehren. Wir hatten Platz fünf bis acht als Ziel ausgegeben – und haben die Erwartungen schon übertroffen.

Dismer: Die Mannschaft ist gut und hat Perspektive. Wir müssen aber versuchen zu verhindern, dass es – wie in den vergangenen Jahren – Wellenbewegungen und dann einen Knick gibt. Meine Enttäuschung geht nur weg, wenn wir aufsteigen.

Und wenn Sie es schaffen, dann . . .

Dismer: Freue ich mich natürlich sehr, ist doch klar.

Was passiert am Sonntag in Okel, wenn der Sprung in die Bezirksliga gelingt?

Volkmann: Dann wird Okel abgerissen (lacht). Ich will gar nicht wissen, wie lange die Party dauern würde. Ich glaube, 100 Prozent der Mannschaft haben am Montag frei. Für uns wäre es das i-Tüpfelchen.

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