ANALYSE Heiligenfelde und Stuhr hinken Ansprüchen hinterher – aus vielfältigen Gründen

Sorgenkinder statt Spitzenteams

Klartext zur Krise: „Mein Ziel war ein attraktiver Ballbesitzfußball. Aber ich habe dabei vergessen, die Spieler mitzunehmen“, bekennt SVH-Coach Torben Budelmann.
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Klartext zur Krise: „Mein Ziel war ein attraktiver Ballbesitzfußball. Aber ich habe dabei vergessen, die Spieler mitzunehmen“, bekennt SVH-Coach Torben Budelmann.

Stuhr/Heiligenfelde – Keine Frage, der SV Heiligenfelde und der TV Stuhr zählen bislang zu den größten Enttäuschungen der laufenden Bezirksliga-Serie: Vor der Spielzeit galten beide Mannschaften als heiße Anwärter auf eines der zwei Tickets zur Meisterrunde, doch nach sechs Partien hinken die vermeintlichen Spitzenteams ihren Zielen meilenweit hinterher. Heiligenfelde weist als Sechster mit sechs Zählern bereits neun Punkte Rückstand zum Tabellenzweiten SC Twistringen auf, und der Siebte aus Stuhr hat sogar erst ein mickriges Pünktchen auf dem Konto. Hier eine Analyse zum krachenden Fehlstart der einstigen Titelaspiranten:

SV Heiligenfelde

Erstaunlich freimütig nimmt SVH-Coach Torben Budelmann die Schuld für die bisher suboptimalen Leistungen auf seine Kappe: „Ich wollte im Vorfeld einfach zu viel. Mein Ziel war ein attraktiver Ballbesitzfußball. Aber ich habe dabei vergessen, die Spieler mitzunehmen. Vielleicht war mein Ego einfach etwas zu groß.“ Wow, selten stempeln sich Trainer von alleine zum Sündenbock ab. Diese Offenheit ehrt „Budel“ natürlich, nimmt dem Team aber auch jegliche Alibis, wie er betont: „Wir haben uns alle zusammengesetzt und uns ausgetauscht. Ab sofort komme ich der Mannschaft mit dem System entgegen und rücke vom reinen Ballbesitz-Fußball ab. Nun müssen die Jungs allerdings liefern.“

Wozu die SVH-Fußballer laut Kapitän Tobias Dickmann auch bereit sind: „Ich denke, es geht jetzt in die richtige Richtung. Am Anfang der Saison standen wir oftmals etwas zu hoch. Es war schlichtweg zu einfach, gegen uns Tore zu erzielen.“

Wobei Dickmann keineswegs Budelmann dafür verantwortlich macht: „Es kam vieles zusammen. Ständig fielen Leistungsträger aus oder waren nicht richtig fit. Gerade Joshua Brandhoff, unsere Lebensversicherung im Sturm, kommt ja jetzt erst richtig ins Rollen, und in der Defensive konnte Roman Obst bislang kaum trainieren. Irgendwann ist das dann nicht mehr zu kompensieren.“ Zudem lähmte offenbar die hohe Erwartungshaltung den SVH. „Gut möglich“, räumt Dickmann ein: „Vor der Serie rechnete doch jeder damit, dass wir die Meisterrunde erreichen. Also wurde der Druck von Niederlage zu Niederlage größer. Es hilft uns bestimmt, dass wir jetzt frei aufspielen können.“

Denn: Ab sofort geht es laut A-Lizenzinhaber Budelmann nur noch darum, sich für die Abstiegsrunde in Form zu bringen: „Wir schauen nun von Match zu Match und holen uns hoffentlich das Selbstvertrauen zurück. Meine eigentliche Spielphilosophie stelle ich erstmal zurück. Die Mannschaft muss sich mit der Taktik ja ebenfalls wohl fühlen.“

TV Stuhr

Stuhrs Trainer Christian Meyer will hingegen seiner Marschroute treu bleiben: „Unser erfolgloses Abschneiden bislang hat ja andere Gründe.“ Und welche? Meyer weiß gar nicht, wo er anfangen soll: „Es gibt nicht den einen Grund. Es war einfach von Beginn an der Wurm drin. Schon die Vorbereitung konnten wir getrost vergessen. Viele etablierte Stammkräfte befanden sich im Urlaub oder waren nicht fit. In jedem Freundschaftsspiel stand praktisch eine andere Elf auf dem Platz.“ Also fehlte es frühzeitig an Automatismen, wie Meyer ausführt: „Wir konnten uns zu keiner Zeit richtig einspielen und die Neuzugänge integrieren. Schließlich befinden wir uns im Umbruch.“

Der laut Kapitän Fabian Bischoff aber noch gar nicht richtig in die Wege geleitet werden konnte: „Dazu hätten wir als Etablierte ja die Youngster führen müssen. Aber viele Leistungsträger waren bislang viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Wir haben uns einfach als Team noch nicht gefunden.“ Für Bischoff indes eine Frage der Zeit: „Wenn unser Grundgerüst steht, kommt auch die Sicherheit zurück und damit dann auch der Erfolg. Wir müssen uns jetzt Stück für Stück das Selbstvertrauen zurückholen. Dann geht es wieder aufwärts.“

Von Carsten Drösemeyer

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