Soccer-Halle, Spinning und Sehnsucht nach Frühling

Regen, Schnee und Frost zwingen Fußballer zum Improvisieren

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Fußballer und Fans der SG Diepholz müssen seit Ende Oktober draußen bleiben: Das Mühlenkamp-Stadion ist gesperrt

Landkreis - Kaum ein Kicker oder noch so altgedienter Coach kann sich an eine ähnlich katastrophale Saison erinnern. Die ersten Fußballspiele fielen Bereits im August ins Wasser – und seit Oktober schwitzten die Ansetzer beim Umplanen der Termine mehr als mancher Aktive auf dem Platz.

Dauerregen und erster Frost sorgten für eine verfrühte Winterpause – und die will partout nicht enden. Die Trainer haben es zunehmend schwerer, beim Improvisieren der Übungseinheiten ihre Teams bei Laune zu halten.

Natürlich schmeckt auch Benedetto Muzzicato die nun schon fast dreimonatige Hängepartie nicht. Doch der Trainer des BSV Rehden kann die inzwischen vier witterungsbedingten Absagen für seinen Regionalligisten (zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele) nachvollziehen: „Mit jeder anderen Entscheidung würde man die Plätze vernichten“, meint der 39-Jährige.

Trotzdem kam sein Team gut durch die Vorbereitung: „Wir hatten in jeder Woche seit Jahresbeginn vier Einheiten draußen – auf Kunstrasen.“ Und das, obwohl der BSV kein derartiges Synthetik-Geläuf besitzt: „Da kann ich nur RW Damme, dem TuS Sulingen und dem Bremer SV danken. Bei allen drei Clubs durften wir trainieren und Testspiele bestreiten.“ 

„Das alles kostet ja auch Miete“

Die Termine hatten Sportvorstand Michael Weinberg und BSV-Vorsitzender Friedrich Schilling ermöglicht. „Das ist nicht selbstverständlich, denn das alles kostet ja auch Miete“, verdeutlicht Muzzicato. So standen seine Fußballer deutlich häufiger auf dem Feld als in anderen Winterpausen, habe er von der Mannschaft gehört. 

Weitere Einheiten bestritten die Schwarz-Weißen in der Bassumer Soccer-Halle und im Fitness-Studio. Die eigenen Waldsportstätten bekamen sie hingegen kaum zu Gesicht. „Ich war nur zum Trainingsauftakt am 2. Januar und am vorigen Freitag in Rehden, um mal zu gucken, ob eventuell etwas geht“, berichtet der BSV-Coach. Doch das Stadion und die Nebenplätze waren unbenutzbar.

Ähnlich sieht die Lage beim Bezirksligisten SV Heiligenfelde aus. „Dieses Jahr waren wir noch nicht auf unseren Rasenplätzen“, informiert Tobias Dickmann, Spielertrainer des Tabellensechsten: „Dafür hat es in den zurückliegenden Wochen einfach zu viel geregnet. Und am Wochenende kam auch noch Schnee dazu.“

Kunstrasen-Kapazitäten heiß begehrt

Doch die Aktiven des SVH blieben nicht untätig. „Wir haben das Glück, dass wir den Kunstrasenplatz des Hachestadions in Syke immer freitags nutzen dürfen. Das kommt uns natürlich sehr entgegen. So können wir wenigstens einmal die Woche draußen trainieren“, zeigt sich Dickmann erleichtert. 

„Wir sind auch viel in der Halle, machen Stabilisations- und Koordinationsübungen, Spinning und gehen hin und wieder mal schwimmen. Zudem haben wir uns über die Winterpause einen Athletik-Coach geholt, mit dem wir an unserer Fitness arbeiten“, berichtet der 24-Jährige: „Und wenn es die Zeit erlaubt, gehen wir auch mal in die Soccer-Halle. Dennoch hoffen wir, dass das Wetter bald besser wird.“

Das sehnen auch die Spieler des SC Twistringen herbei. Denn den Rasen ihres geliebten A-Platzes haben die Bezirksliga-Kicker seit dem Heimspiel gegen den SV Heiligenfelde im November nicht mehr gesehen. „Den haben wir damals ganz gut umgepflügt“, erinnert sich Trainer Andreas Schultalbers.

Bassumer Soccer-Halle eingemietet

Seitdem hat das Wetter nicht zur Regeneration des Platzes beigetragen. Schultalbers ist in der Vorbereitung gezwungen, seine Mannschaft anderweitig bei Laune zu halten. Einige Einheiten auf der Laufbahn haben die Kicker inzwischen in den Beinen. Zusätzlich stand auch Spinning im Fitnessstudio auf dem Trainingsplan, sodass die Mannschaft körperlich auf einem guten Stand sein dürfte.

Um das spielerische Element nicht zu vernachlässigen, mieteten sich die Twistringer in der Bassumer Soccer-Halle ein. Auch der C-Platz wird immer wieder für ein Abschlussspiel nach den Laufeinheiten malträtiert. „Da wünscht man sich dann ab und an schon einen Kunstrasenplatz. Aber der kostet halt auch was“, sagt Schultalbers.

An derart schlechte Bedingungen in der Winterpause könne sich Schultalbers nicht erinnern: „Vielleicht hat man früher aber auch nicht so sehr auf die Plätze geachtet. Wir haben früher auf einem Geläuf gespielt, wo kaum noch Rasen auf dem Platz war“, fügt der 58-Jährige augenzwinkernd hinzu.

Tartanbahn anstelle von Taktik-Elementen

Das Wetter hat auch den TSV Wetschen im Griff. „Wir können draußen nicht viel machen“, seufzt Thomas Otte, Trainer beim Beziskligafünften. Da dem TSV kein Kunstrasenplatz zur Verfügung steht, suchte der 51-Jährige nach Alternativen, um die Spieler bei Laune zu halten. Er trainierte mit dem Tabellenfünften in der Indoor-Soccer-Halle in Rahden, ging an die Fitness-Geräte im „Sauna- und Sportparadies“ in Diepholz und ließ ein paar Runden auf der Tartanbahn in Rehden drehen. 

„Wir würden gern mehr machen, haben aber keine großen Alternativen. Das ist schon alles grenzwertig“, unterstreicht Otte. Niederlagen kassierte der TSV Wetschen bei Tests auf Kunstrasen beim Landesligisten BW Lohne (0:6) und beim westfälischen Bezirksliga-Spitzenreiter FC Preußen Espelkamp (2:9).

SG Diepholz muss seit Oktober zusehen

Pfützen, Frost, frischer Schnee: An Fußball – und sei es nur auf einem Trainingsplatz – war vielerorts seit Herbst nicht zu denken.

Viel schlimmer ist die Situation bei der SG Diepholz. Seit dem 29. Oktober (1:1 beim SV Heiligenfelde) hat der Tabellen-15. der Bezirksliga kein Pflichtspiel mehr absolviert, hinkt schon mit mehreren Nachholpartien hinterher. „Für die Motivation der Truppe ist das sehr schwierig, zumal die Plätze im Mühlenkamp-Stadion unter Wasser stehen und gesperrt sind“, sagt Diepholz’ Interimstrainer Wolfgang Pinkes. 

Er bemühte sich um Trainingsalternativen, fuhr in die Soccer-Halle nach Rahden, machte im Fitness-Bereich etwas im „Sauna- und Sportparadies“ und spulte Laufeinheiten auf dem GFS-Platz ab. Einmal in der Woche können die Diepholzer auch die Mühlenkamp-Halle nutzen. „Ersatz für Fußball-Training ist das nicht wirklich“, weiß Pinkes. An der Mühlenkampschule steht neuerdings ein Kunstrasen-Spielfeld für die Öffentlichkeit zur Verfügung, allerdings ohne Flutlicht. Auch hier haben die SG-Kicker bereits trainiert.

Bislang absolvierten die Kreisstädter erst einen Test, unterlagen auf Kunstrasen beim Weser-Ems-Bezirksligisten SV „Falke“ Steinfeld mit 0:3. Am Wochenende fielen gleich beide Tests den schlechten Platzverhältnissen zum Opfer. Und in Diepholz ist noch lange nicht an ein Fußballspiel zu denken. „Wir waren noch nicht einmal auf dem Platz“, seufzt Pinkes. Der 53-Jährige sieht seine Mannschaft im Vergleich zu den Nordkreisvereinen, die über einen Kunstrasenplatz verfügen, im Nachteil: „Für mich ist das eine Wettbewerbsverzerrung.“

Nur in Melchiorshausen läuft alles nach Plan

Ganz anders sieht die Lage dagegen beim Bremer Landesligisten TSV Melchiorshausen aus. „Bisher hatten wir mit dem Wetter echt Glück gehabt. Wir haben vorherige Woche zweimal ganz normal auf Rasenplätzen trainieren können, hatten mit dem schlechten Wetter bisher keine Probleme. Die Regenfälle vor den Trainingseinheiten hielten sich bei uns bisher in Grenzen. 

Der Platz sieht für die aktuellen Verhältnisse auch vollkommen in Ordnung aus“, erklärt Cheftrainer Lars Behrens: „Aber ich habe gehört, dass es diese Woche Minustemperaturen geben soll. Wenn es gefriert, können wir natürlich nicht auf den Rasen – da ist die Verletzungsgefahr einfach viel zu hoch. Dann müssen wir uns Alternativen einfallen lassen.“

Doch auch, wenn bei der Vorbereitung auf die Rückrunde bisher alles nach Plan läuft, legt Behrens Wert darauf, dass seine Kicker sich nicht nur auf dem Platz austoben. „Wir haben schon intensive Intervall-Läufe hinter uns, waren zudem im Weyher Fitnessstudio. Dort haben wir Tabata-Training betrieben“, erklärt Melchiorshausens Coach. Tabata ist eine Form von Intervall-Training, bei der sich 20 Sekunden hoher Belastung, gefolgt von zehn Sekunden Pause, abwechseln. „Aber wir waren auch in diversen Soccer-Hallen, um uns weiterhin fit zu halten.“ - ck/mbo/ntr/jdi

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