Neuer TuS-Coach im Interview

Ex-Profi Dikhtyar: „Wagenfeld passt gut zu mir“

Sergiy Dikhtyar
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Der neue Mann an der Seitenlinie des TuS Wagenfeld: Sergiy Dikhtyar.

Seit 1992 lebt Sergiy Dikhtyar mittlerweile in Deutschland. Über die Stationen Schalke 04, Wattenscheid 09 und den BSV Rehden ist der Ex-Profi mittlerweile als Trainer beim TuS Wagenfeld gelandet. Und er kann sich vorstellen, länger zu bleiben.

Wagenfeld – Einen klangvollen Namen hat Bezirksligist TuS Wagenfeld bei der Verkündung des neuen Trainers präsentiert: In Sergiy Dikhtyar (45) steht künftig ein Ex-Profi des FC Schalke 04 auf der TuS-Kommandobrücke. Was der frühere Stürmer schon alles im Fußball erlebt hat – und auf was für einen Trainer sich Wagenfeld freuen darf, verrät der zweifache Familienvater im Gespräch.

Herr Dikhtyar, Sie sind in Kiew geboren und haben beim großen Club Dynamo das Kicken erlernt. Wie wurde ein Verein wie Schalke 04 auf Sie aufmerksam?

Das war 1992. Ich war mit Kiew bei einem Jugendturnier in Nordrhein-Westfalen. Da wurde ich von Schalke angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, zwei Wochen bei ihnen vorzuspielen. Was für eine Frage! Ich war sofort Feuer und Flamme. Es war für mich ein absoluter Traum, die arme Ukraine zu verlassen und es in Deutschland zu probieren. Zum Glück hinterließ ich beim Probetraining dann einen guten Eindruck – und Schalke gab mir die Chance.

Hatten Sie Anpassungsschwierigkeiten? Die deutsche Sprache gilt ja als sehr schwierig...

Das kann ich nur bestätigen (lächelt). Zuerst wollte ich unbedingt zehn Wörter am Tag lernen, aber das klappte nicht. Also habe ich täglich drei Wörter gelernt, und so wurde es immer besser. Ich wollte mich ja unbedingt verständigen. Gerade mit den Mitspielern in der Schalker A-Jugend. Zum Glück klappte das dann auch relativ schnell.

Und wie lief es sportlich für Sie?

Richtig gut. Erst in Schalkes A-Jugend und dann in der Zweiten.

Dort war ein gewisser Klaus Fischer, Schalkes Jahrhundertstürmer, Ihr großer Fürsprecher.

Völlig richtig. Ihm habe ich viel zu verdanken. Da ich noch keinen Führerschein hatte, nahm er mich immer mit zum Training und baute auch als Trainer auf mich. Klaus Fischer ist menschlich hervorragend. Ein ganz feiner Kerl. Er hat mich sehr gefördert und mir Mut zugesprochen. Und am letzten Spieltag der Saison 1994 gab er Cheftrainer Jörg Berger den Tipp, mich doch mit nach München zu nehmen...

Wie verlief Ihr Profidebüt?

Es war wie im Traum. Im Münchner Olympiastadion vor ausverkauftem Haus gegen die Bayern. In der 70. Minute durfte ich beim Stand von 0:2 dann sogar aufs Feld und konnte noch etwas auf mich aufmerksam machen.

Wie die Zeit vergeht: Sergiy Dikhtyar im Jahr 1994 als Schalker Jungprofi.

So brachten Sie es als Youngster auf 13 Bundesligaspiele und zwei Tore.

Ein paar Pokalpartien waren sogar auch noch dabei. Es lief nicht so schlecht, bis mich ein Wadenbeinbruch stoppte. Ich war sieben Monate raus, fand den Anschluss nicht mehr und wechselte zu Wattenscheid 09 in die 2. Bundesliga. Ich wollte ja schließlich spielen.

Schlägt Ihr Herz denn noch für Schalke?

Natürlich. Einmal Schalke, immer Schalke! Ich habe dem Club viel zu verdanken und durfte tolle Menschen wie den leider schon verstorbenen Manager Rudi Assauer kennen lernen. Ein super Typ. Nur nicht bei Vertragsverhandlungen (lacht).

Machen wir mal eine Rundreise über Ihre übrigen Stationen. Erst war da Wattenscheid.

Auch da gefiel es mir super. Ein familiärer Club mit einem tollen Trainer wie Hannes Bongarts. Von dem konnte ich mir viel abschauen.

Dann folgte Saarbrücken.

Da lief es für mich nicht so gut. Deshalb bin ich wieder zu Wattenscheid zurück. Das war, als ob man nach Hause kommt.

Anschließend ging es in den Norden – zum SV Meppen.

Ein super Club mit tollen Fans! Ich war dort zwar nur ein Jahr, aber es gefiel mir wirklich sehr.

Dann noch fünf Jahre beim BV Cloppenburg...

Wo ich leider ständig an einem Haarriss laborierte. Trotzdem ebenfalls eine schöne Zeit.

Und schließlich lockte Sie Rehdens Präsident Friedrich Schilling.

Richtig, das war 2009. Durch seine Kontakte konnte ich neben dem Fußball noch eine Ausbildung machen. Und sportlich hatte ich in Rehden sogar noch meinen vierten Frühling (lacht). Wir sind 2012 schließlich in die Regionalliga aufgestiegen. Das perfekte Ende meiner Karriere.

Ein Junge aus der Weltstadt Kiew wurde also auf dem Dorf heimisch?

Kann man so sagen. Meine Frau und ich arbeiten hier, die Kinder gehen hier zur Schule. Wir fühlen uns auf dem Land richtig wohl.

Also können Sie sich vorstellen, länger in Wagenfeld zu arbeiten?

Okay, bei einem Angebot von Real Madrid könnte ich schwach werden (lacht). Im Ernst: Wagenfeld passt gut zu mir.

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