Hoffen auf Paralympics 2021

Seeliger hat Tokio fest im Blick

Elke Seeliger am Schießstand
+
Mit dem Adler auf dem Oberarm: Elke Seeliger aus Weyhe gehört zum Nationalmannschaftskader.

Die Leidenschaft für den Schießsport begleitet Elke Seeliger durch gute und schlechte Zeiten. Die Weyherin war bereits bei den Paralympics 2016 - nun will sie diese in Tokio noch bewusster wahrnehmen.

  • - Das professionelle Schießen ist eine Antriebsfeder für Seeliger.
  • - Im Lockdown entdeckt sie ein altes Hobby neu.
  • - Seeliger sieht auch in Pandemie-Zeiten das Positive.

Weyhe – Der Weg rund um den leicht getrübten Teich ist etwas geschottert, am Rand ist noch etwas Grün zu erkennen. Doch der Rasen hat es hier schwer. Es ist knapp unter null Grad. Und es ist durchaus Betrieb hier. Die Halme sind platt gedrückt. Es ist mucksmäuschenstill, die Geräuschlosigkeit ist aber nicht mit Ruhe gleichzusetzen. Hier herrscht eher diskretes Treiben. Etwa alle fünf Meter sitzt jemand. Dick eingemummelt. Darunter auch Elke Seeliger. „Mit Schneehose und Schlafsack geht das schon“, sagt die 48-Jährige. Sie genießt die Nähe zur Natur hier, knapp 30 Kilometer nördlich von Bremen. Dafür legt sie den Gewehrkolben weg und greift zur Angelrute. Petri Heil statt Gut Schuss. „Seitdem ersten Lockdown habe ich wieder zum Angeln gefunden“, sagt Seeliger: „Einfach, um mal herauszukommen.“

Schließlich spielt sich das Leben für alle derzeit häufig genug in den eigenen vier Wänden ab. Die Pandemie hat auch bereits ohne Corona-Leine die Mobilität reduziert. Diese ewige Zetern, das derzeit allerorts zu vernehmen ist, macht die Sportschützin jedoch nicht mit. „Klar, gibt es momentan einige Einschränkungen“, sagt Seeliger, schiebt aber hinterher: „Mein Leben besteht ohnehin aus Einschränkungen.“

Top-Ten-Platz bei den deutschen Meisterschaften

Es war Ende 2013, als Seeliger merkte, dass etwas nicht stimmt. „Ich bin jeden Tag mit meinen Hunden zehn Kilometer gelaufen“, so Seeliger: „Doch plötzlich habe ich immer Ausfallschritte gemacht, bekam schließlich meine Beine nicht mehr voreinander.“ Nach einer Ärzte-Odyssee stand die Diagnose: Syringomyelie – eine Nervenerkrankung im Rückenmark. Aus der „Fußgängerin“, wie sie selbst sagt, wird eine Rollstuhlfahrerin. Sportschützin bleibt sie.

Ihre Leidenschaft für das Schießen entdeckte Seeliger bereits als Teenagerin. Zur Leidenschaft gesellt sich Talent. Sie feiert sowohl mit Pistole als auch mit Gewehr Erfolge. Ende der Nullerjahre landet sie bei den deutschen Meisterschaften im Münchner Olympiastadion in den Top Ten; Seeliger ist in der Sportpistolen-Elite angekommen.

2013 ist sie erneut in München am Start – dem jährlichen Höhepunkt der deutschen Schießsportszene. Diesmal mit dem Gewehr. Es sollte ihr letzter Wettkampf als „Fußgängerin“ sein.

Am 24. März der große Knall: Paralympics verschoben

In der folgenden schweren Zeiten geben ihr Familie und Freunde Halt, das Schießen ist eine Antriebsfeder. „Ich bin einfach froh, dass ich diesen Sport habe“, sagt Seeliger: „Ich bin einfach nicht der Typ, der auf dem Sofa sitzen und nichts tun kann.“

Im März 2020 setzt dann gezwungenermaßen der Müßiggang ein. Das Coronavirus breitet sich nun auch in Deutschland rasant aus. „Als der erste Lockdown kam, habe ich mir gesagt: Jetzt machst du erst mal eine kleine Pause. Da haben wir alle ja noch gedacht: Na gut, ein paar Wochen runterfahren, um dann wieder voll durchzustarten.“ Das große Ziel hat die Nationalmannschaftsschützin dabei fest im Visier: Paralympics in Tokio.

Am 24. März der Knall. Das Internationale Paralympische Komitee verschiebt die Sommerspiele auf 2021. „Das war psychologisch schon ein ganz schöner Einschnitt für mich“, betont Seeliger: „Man hatte eben die ganze Zeit darauf hin gearbeitet – und dann hieß es doch: Nö. Vom Kopf her war es schon schwierig.“

„Ich bin auf einem guten Weg“

Zunächst verziehen die dunklen Wolken nicht so schnell. „Mir ist dann auch gesundheitlich noch etwas dazu gekommen, sodass ich sowieso eine richtige Pause machen musste. Ich brauchte noch eine größere OP“, schildert Seeliger.

Seit Oktober ist Seeliger wieder voll ins Training eingestiegen. „Ich bin auf einem guten Weg, das läuft schon alles.“ Im erneuten Lockdown helfen auch die Erfahrungen aus dem ersten. „Trainieren kann ich weiterhin, das ist mir aufgrund meines Kaderstatus zum Glück weiterhin gegeben.“ Sie darf somit weiter zum Schießstand fahren. Wichtig, um das ganz große Ziel – Tokio 2021 – ernsthaft und gewissenhaft anzugehen.

Für Seeliger wäre es der zweite Auftritt bei den Spielen. Bereits 2016 war sie in Rio de Janeiro am Start. Doch von dem Brasilien-Trip ist relativ wenig hängen geblieben: „Es ging alles so schnell. Ich wusste gar nicht so genau, was ich machen muss, wie alles abläuft; und schwupps – war es dann auch schon wieder vorbei. Jetzt möchte ich gerne bewusster mitmachen. Und ich möchte dort angreifen.“

Die Familie findet noch näher zusammen

Wenn die Pandemie-Entwicklung die Spiele überhaupt zulässt. „Mal heißt es hü, mal heißt es hott“, betont Seeliger. Es gebe so viele Spekulationen. So viele, dass sie mittlerweile die Scheuklappen aufsetzt. „Ich kann und möchte mir nicht immer alles durchlesen oder anhören.“ Et kütt wie et kütt, würde der Kölner sagen. Man könnte es Fatalismus nennen, es ist aber vielmehr ein Zutrauen in die eigene Stärke. Egal, was kommt, Seeliger wird es annehmen und meistern.

Auch die Begleitumstände der Pandemie. Sie sieht das Positive. „Die Familie wächst dadurch noch mehr zusammen, man muss sich gegenseitig noch mehr unterstützen. Das finde ich schön.“ Überhaupt werde häufig zu schnell gemosert. Beispiel Homeoffice. „Vor ein paar Jahren wollten es unbedingt alle machen, die Wenigsten durften oder konnten es. Jetzt machen es viele – und dann ist es auch wieder nicht recht.“ Man müsse eben das Beste aus der Situation machen. „Wir dürfen ja trotzdem alle raus. Es ist ja nicht so, dass wir alle Zuhause rumhocken müssen.“ Dann lieber Angeln angeln gehen.

Kraft tanken in der Natur: Während des Lockdowns hat Elke Seeliger wieder zum Hobby Angeln gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Sergiy Dikhtyar sagt „Ja“ zu Wagenfeld

Sergiy Dikhtyar sagt „Ja“ zu Wagenfeld

Sergiy Dikhtyar sagt „Ja“ zu Wagenfeld
Erlewein schlägt Schröder im Barrier Finale

Erlewein schlägt Schröder im Barrier Finale

Erlewein schlägt Schröder im Barrier Finale
Rehdens Abwehrriegel hält lange

Rehdens Abwehrriegel hält lange

Rehdens Abwehrriegel hält lange
TuS Sulingen bezahlt 2:0-Sieg beim SCT teuer

TuS Sulingen bezahlt 2:0-Sieg beim SCT teuer

TuS Sulingen bezahlt 2:0-Sieg beim SCT teuer

Kommentare