Einzel- und Teamtitel bei der Marathon-Europameisterschaft der Senioren

Sebrantke vergoldet

Oliver Sebrantke, 36.
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Oliver Sebrantke, 36.

Hradek / Syke - Von Arne Helms · Oliver Sebrantke hatte kaum realisiert, dass er in 2:37:33 Stunden gerade Marathon-Europameister der Altersklasse M 35 geworden war, da zerrte schon ein Dopingkontrolleur an seinem Arm.

„Der größte Erfolg in meiner Laufkarriere“, wie der Athlet des LC Hansa Stuhr das Rennen später bezeichnen würde – zelebriert mit einem Unbekannten, der wartet, bis ein Becher voll ist? Nein, der Herr hatte sich versehen. Und Sebrantke meinte erleichtert: „Bei mir hätte es fünf Stunden gedauert.“

Der Offzielle entschuldigte sich freundlich und griff auf den Läufer zu, der tatsächlich für eine Dopingprobe bestimmt war. Der 36-jährige Stuhrer hingegen griff zum tschechischen Bier und machte sich klar, was da soeben passiert war.

15 Läufer hatten in Sebrantkes Altersklasse im Startbereich gestanden. Was für eine EM wenig erscheint, „ist in dieser Altersklasse normal“, sagt Wilhelm Köster, Seniorenwart des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes. „In dem Alter nehmen viele Leute im Marathon auch noch an den großen Meetings teil. Je höher es in der Altersklasse geht, desto größer werden die Felder“, ergänzt der 77-Jährige. Eine Senioren-EM unterliegt keinen Qualifikationsnormen. Jeder, der das entsprechende Alter erreicht, kann teilnehmen – muss allerdings auch alles selbst zahlen. Finanzielle Unterstützung vom nationalen Verband gibt es nicht.

Und so kam es laut Sebrantke, dass sich „nur ambitionierte Läufer“ vom tschechischen Hradek aus auf die hügelige Zehn-Kilometer-Runde durch Tschechien, Polen und Deutschland machten – bei starkem Wind und Temperaturen von mehr als 20 Grad. „Es war nicht laut, beim Startschuss hat keiner gejubelt“, erzählt Sebrantke, „alle wollten gewinnen. Das war ganz anders als bei einem Stadtmarathon, wo sich alle schon vorher in den Armen liegen.“

Der Deutsche orientierte sich gleich nach vorne, ließ aber drei Läufer ruhigen Gewissens ziehen. Sie gehörten nicht zu seiner Altersklasse. „Die Gesamtplatzierung interessiert nicht“, erklärte der Stuhrer. Zur Info: Sebrantke wurde Gesamtdritter hinter zwei anderen Deutschen.

Nach langsamen zehn Anfangskilometern (37 Minuten) hatte der Stuhrer alles im Griff, lag vor seinen 14 M 35-Konkurrenten – sofern diese noch nicht ausgestiegen waren, denn es kamen nur zwölf ins Ziel.

Trotz Führung riss Sebrantke, der mit einer Saisonbestleistung von 2:34:26 Stunden angereist war, der Geduldsfaden. Er distanzierte die Verfolger gemeinsam mit zwei Läufern, die nicht zu seiner Altersklasse gehörten und sich bereitwillig an der Führungsarbeit beteiligten. In 1:17:00 Stunde ging es über die Halbmarathonmarke. „Ich wusste die ganze Zeit, dass ich auf Goldkurs liege“, so Sebrantke, der den letzten Kilometer trotz nachlassender Kräfte als „einen einzigen Jubellauf“ empfand.

Die Knie schlotterten erst, als während der Siegerehrung die Nationalhymne gespielt wurde. „Das war für mich der emotional ergreifendste Moment“, blickte der 36-Jährige später zurück. Allein 2012 hat Sebrantke schon drei Marathon-Gesamtsiege gefeiert, diesen Augenblick auf dem Podest aber ordnete er zwei Etagen höher ein: „Ein Moment im Leben, den ich wohl nur einmal haben und nie vergessen werde.“

Doch aus dem einmaligen sollte nur kurz darauf ein zweimaliger Moment werden, denn auch mit dem deutschen Team hatte Sebrantke Gold gewonnen. „Das sind Titel, die man auf ewig hat. Da ist man schon ein bisschen scharf drauf, wenn man genug Stadtmarathons gewonnen hat“, staunte Sebrantke über die beiden Medaillen, die um seinen Hals baumelten. Nächstes Ziel? „Vielleicht die WM.“ Im Oktober 2013.

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