Startnummer 6

Hauke Henseleit: Schwimmer mit Deutschem Rekord

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Startnummer 6: Hauke Henseleit

Wagenfeld - Als der junge Hauke Henseleit im Alter von sechs Jahren ein bisschen zu aufgedreht war, schickte ihn seine Mutter kurzerhand zum Schwimmen. „Damit ich ein bisschen runterkomme. Ich war wohl relativ anstrengend“, erzählt der inzwischen 18 Jahre alte Hauke Henseleit vom TuS Wagenfeld schmunzelnd.

Damals wusste noch keiner, dass er eine Behinderung hat. Als er die Diagnose „Spina bisida occulta“ bekam – mit anderen Worten „Versteckter offener Rücken“ – hielt ihn das aber nicht davon ab, weiter zu schwimmen. Mittlerweile zählt er im Behindertensport zu den größten Talenten Deutschlands.

Durch seine Behinderung hat Henseleit eine verkürzte Achillessehne und eine verkümmerte Unterschenkelmuskulatur, was ihn beim Schwimmen vor allem im Beinschlag beeinträchtigt. Deshalb sei er zum Beispiel kein so guter Brustschwimmer, weil dort die Bewegung mit den Beinen sehr wichtig sei. Seine Paradedisziplin ist daher der Freistil. „Ich habe mir eine Technik angeeignet, bei der ich sehr viel mit den Armen mache und die Beine vernachlässige“, erklärt der junge Mann aus Hüde.

Im Alltag hat Henseleit Probleme, richtig zu laufen, er geht verstärkt auf den Zehen. Zudem plagen ihn öfter Rückenschmerzen, wenn er zu lange geht oder ungünstig sitzt. Dann kann es passieren, dass die Achillessehne überreizt und er ein paar Tage an Krücken laufen muss. Doch Henseleit macht um seine Behinderung kein Aufhebens. „Man macht das beste daraus“, sagt er lapidar – und das kann man bei ihm absolut wörtlich nehmen.

Allein seine Erfolge in 2015 lesen sich beeindruckend. Bei den internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin gewann er in seiner Startklasse über 100 Meter Freistil Gold und über 50 Meter Freistil Silber. Bei der DM in Remscheid wurde er über 100 Meter Freistil wieder Erster mit einer Fabelzeit von 58,53 Sekunden – ein neuer Deutscher Rekord.

Auch abseits des Schwimmbeckens ist Henseleit sehr aktiv. Der Zwölfklässler, der im Frühjahr sein Abitur macht, spielt Cello, E-Bass und Gitarre und spielt im Musikverein Altes Amt Lemförde. Dazu ist er noch in der Kirche engagiert, vor allem als Betreuer von Freizeitfahrten. „Mir macht es Spaß, mit Kindern zu arbeiten“, sagt Henseleit. Daher wolle er nach der Schule Lehramt studieren.

Neben seinen Hobbys und den Vorbereitungen für das Abitur schafft Henseleit es immer noch, mindestens zwei Mal pro Woche ins Wasser zu springen. Mit dem Schwimmen einmal aufhören? Undenkbar. „Das könnte ich nicht, da würde mir was fehlen“, betont er. Und trotz des vollen Terminkalenders blickt Henseleit ehrgeizig in die Zukunft: „Ich will meine Möglichkeiten ausreizen.“

Für 2016 bedeutet das, seine Zeiten zu halten. Darüber hinaus sei alles möglich – vielleicht ja sogar irgendwann eine Teilnahme bei den Paralympics. Henseleit schließt das nicht aus: „Jedes Kind träumt davon, einmal bei Olympia zu sein.“ Aber egal, ob sich dieser Wunsch eines Tages erfüllt, seine Mutter hat in jedem Fall alles richtig gemacht, als sie ihn damals zum Schwimmen schickte.

kal

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