Kreativ sein beim Training

Schwimmer „brennen“ - trotz Corona-Zwangspause

Dehnen im Vilser Holz: Annele Ruppelt während einer ihrer Laufeinheiten.
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Dehnen im Vilser Holz: Annele Ruppelt während einer ihrer Laufeinheiten. Das Wiehebad ist zwar in der Nähe, aber geschlossen – allein schon wegen der Jahreszeit hat das Freibad momentan zu.

Die Schwimmer und Wasserballer dürfen aktuell nicht rein in ihr Lieblingselement. Stattdessen schwingen sie sich aufs Rad oder drehen Joggingrunden, um fit zu bleiben. Athleten und Trainer aus der Region verraten, was sie von der erneuten Corona-Zwangspause halten, wie es aktuell um die Motivation bestellt ist - und welche Folgen sie befürchten.

  • Die Schwimmer im Kreis Diepholz müssen wegen Corona ihr Training umstellen.
  • Bisher gibt es keine Austrittswelle in den Vereinen.
  • Annele Ruppelt hat sich Alternativen überlegt.

Syke – „Es ist doch eigentlich erwiesen, dass das Chlor im Wasser die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus stark vermindert. Deshalb kann ich nicht ganz verstehen, warum wir nicht zum Training in die Halle dürfen“, sagt Ute Sprecher-Odigie, die Schwimmwartin des Grafen Schwimmteams Hoya-Bruchhausen. Wie andere Sportler müssen die Schwimmer zumindest noch den November abwarten, bis sie vielleicht wieder loslegen können. „Es ist eine echt verrückte Zeit“, findet Jochen Zwarg, Coach und Spieler von den Wasserballern der SG Bremen/Syke, die momentan ebenfalls nicht in ihr Element dürfen.

„Jeder trainiert für sich, man darf ja sonst nichts machen“, seufzt Zwarg (46), der sich selbst „zu den Alten“ im Team zählt und versucht, etwa dreimal pro Woche rund acht bis zwölf Kilometer zu laufen: „Bestimmt hat der eine oder andere auch Hanteln zu Hause, mit denen Krafttraining möglich ist.“ Die letzte Trainingseinheit im Wasser hatte die Syker Mannschaft kurz vor dem Amateursportverbot. Im Sommer ist Zwarg, der in Bremen-Neustadt wohnt, gerne auch mal in den nahegelegenen Werdersee gesprungen, um dort zu trainieren – bei den aktuellen Temperaturen ist das nicht mehr so gemütlich.

Beim Weyher SV haben Kathrin Bultmann, die sich um die Leistungsschwimmer kümmert, und ihre Trainerkollegen Übungen für zu Hause zusammengestellt und verteilt. „Fast 100 Prozent mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Therabändern“, berichtet Bultmann: „Einige fahren auch viel Fahrrad, um fit zu bleiben. Andere gehen joggen.“

Klar, laufen geht, Krafttraining auch - aber dann verließen sie ihn.

Jochen Zwarg von den Syker Wasserballern über die aktuell eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten.

Sprecher-Odigie sagt, „dass es bei uns nicht sinnvoll ist, nun eine zentrale Trainingsinitiative außerhalb der Halle anzubieten, denn die Kinder und Jugendlichen kommen teilweise von weiter her aus dem Nienburger oder auch Verdener Raum.“ Untätig ist man bei den „Grafen“ aber nicht. „Ich habe Pläne und Infos verschickt, dass sich die Sportler bitte selbstständig mit Laufen oder Radfahren um ihre Fitness kümmern sollen“, sagt die Schwimmwartin.

Sie sorgt sich aber nicht in erster Linie um die körperliche Verfassung ihrer Schwimmer, sondern um das Wassergefühl: „Das geht nach ungefähr zwei Wochen verloren. Und wenn der Lockdown vier Wochen dauert, fange ich praktisch wieder bei Null an.“ Deshalb wünscht sich Sprecher-Odigie, „dass wir mit unseren 70 Kindern und Jugendlichen noch in diesem Jahr in die Halle dürfen“. Ganz bitter ist der Lockdown für den erst zwölfjährigen Frederik Freund, der sich für die deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Dezember in Dortmund qualifiziert hatte. „Ich hätte es Frederik gegönnt, denn es wäre seine erste DM-Teilnahme gewesen“, meint Sprecher-Odigie.

Auch Bultmann hofft, dass die Schwimmbäder in Syke (Haupttrainingsplatz der Weyher in der kalten Jahreszeit) oder Bremen und Delmenhorst, wohin sie auch schon ausgewichen sind, „bald wieder öffnen“. Schade sei auch, dass die zwischendurch auch noch reparaturbedürftige Lehrschwimmhalle in Kirchweyhe wegen Corona geschlossen ist. Dort tummeln sich sonst die Nachwuchsschwimmer. „Sie trifft es besonders hart, weil sie in diesem Jahr fast gar kein Training hatten“, erinnert sich Bultmann: „Die Einheiten konnte man an einer Hand abzählen. Wenn sie mal durften, hat man gesehen, wie sehr sie sich gefreut haben.“

Zwarg rechnet nicht mehr damit, dass sein Team 2020 noch mal ran darf – sei es Training im derzeit geschlossenen Syker Hallenbad oder ein Spiel. „Ich glaube, dass der Lockdown weitergeht – das wäre nur logisch. Und dann müssen wir mal schauen, was danach ist.“ Bisher ist die Bezirksliga-Saison nicht abgesetzt worden.

Ich mache mir schon Sorgen um die Schwimmsicherheit bei Kindern - und dass es da Verluste gibt.

Trainerin Kathrin Bultmann vom Weyher SV über die erneute längere Zwangspause, die dem Nachwuchs die Lust am Schwimmen verderben könnte.

Angst, dass einige Sportler nach der erneuten Auszeit nicht wieder den Weg zum Verein finden könnten, hat Sprecher-Odigie nicht: „Um unsere Leistungsabteilung mache ich mir da keine Gedanken. Bei den ganz Kleinen war es so, dass einige nach dem ersten Lockdown im Frühjahr dann im Sommer nicht wiedergekommen sind. Aber just diese Kinder sind nun wieder da.“

Bultmann befürchtet dagegen schon, „dass einige Jüngere, die oft auch noch andere Sportarten betreiben, sich für etwas anderes entscheiden“. Die Vereinsaustritte bewegen sich aber, sagt die Trainerin, aktuell „im normalen Rahmen“.

Bei den Syker Wasserballern hat bisher niemand hingeschmissen. „Bei uns denken sie: Jetzt erst recht“, betont Zwarg: „Zuletzt waren zwölf bis 15 Leute beim Training – volle Kapelle.“ Darunter auch sein Sohn Lasse (14), der bei der BTS Neustadt auch als Fußballtorwart aktiv ist. „Ich habe ihn gerade motiviert, mal beim Wasserball mitzumachen. Er war heiß“, erzählt Zwarg – doch nun sind die Schwimmbäder dicht.

Annele Ruppelt: Trockentraining und Laufen

Und denjenigen Schwimmsportlern, die das Syker Hallenbad nutzen, droht schon das nächste Problem: Ab Frühling wird es renoviert und ist dann für etwa anderthalb Jahre geschlossen. „Die ganze Koordination des Trainings ist momentan echt schwierig“, gibt Bultmann zu.

Und trotzdem ist das Feuer für das Wasser weiterhin da. „Grafen“-Leistungsschwimmerin Annele Ruppelt (Lieblingsstrecken Schmetterling und Kraul) etwa will ihren Sport auf jeden Fall weiter ausüben. Die 16-jährige Schülerin der elften Klasse der Fachoberschule in Syke hält sich im Augenblick mit Laufen und Trockentraining fit: „Ich laufe zwei- bis dreimal pro Woche fünf bis sieben Kilometer. Radfahren in der Kälte ist nicht so mein Ding. In den eigenen vier Wänden trainiere ich mit Hanteln oder dem Theraband, um etwas für Arme, Beine und den Rücken zu tun.“

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