„In fünf Minuten Voraussetzungen für Lizenz zusammen“

Bassums Schützen wieder feste Bundesliga-Größe

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Die eingeschworene Bassumer Truppe (hinten von links): Martin Robran (Betreuer), John Jenssen (Trainer), Martin Mohnke, Sebastian Wollenhaupt, Oscar Nilsson, Marcus Jensen und Denis Rother sowie (vorn v.l.): Albert Grieskamp, Sascha Sandmann, Artur Gevorgjan, Valerij Samojlenko und Trainer Jens Voß.

Bassum - Von Cord Krüger. Als Anfang Februar der letzte Schuss einer grandiosen Saison gefallen und das unglückliche Aus im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft besiegelt war, erlebte Jens Voß einen schönen Lohn: Alle Luftpistolen-Schützen des Bundesligateams sagten dem Sportleiter des Schützenvereins Bassum von 1848 für die kommende Serie erneut zu. „In fünf Minuten hatten wir die Voraussetzungen für die Lizenz zusammen“, erinnert sich Voß. Ein Beleg, dass es in der Mannschaft stimmte. Daran hat sich nichts geändert. Denn das beständige Kollektiv der 1848er steuert zurzeit erneut dem DM-Finale entgegen.

Der jüngste Sprung in die Endrunde der bundesweit besten acht Teams war also keine Eintagsfliege. Zudem gab jenes achtbare 2:3 gegen die SGi Ludwigsburg als Meister der Süd-Bundesliga Rückenwind für die jetzige Saison: Aktuell rangiert der SV hinter dem ungeschlagenen Spitzenreiter SV Kriftel und der Braunschweiger SG auf Platz drei in der Bundesliga Nord. Die Tatsache, dass es sich bei Kriftel um den amtierenden deutschen Meister und Braunschweig um den „Vize“ handelt, sagt einiges über das hohe Niveau aus, auf dem sich die 1848er bewegen.

Und nun erscheint klarer, warum sich Top-Schützen aus dem Ausland den Niedersachsen anschließen. Dänemarks Nationalmannschafts-Mitglied Marcus Errebo Jensen ist seit 2016 dabei, im vorigen Herbst folgte der schwedische Meister Oscar Nilsson. „In der Bundesliga wollen sich solche Ausnahmesportler mehr an Nervenstärke und Wettkampfhärte holen“, erläutert Voß: „Viele Fans und die Tatsache, unmittelbar neben seinem direkten Konkurrenten zu schießen, machen den Reiz aus. Das ist anders, als in einer Reihe mit 50 Mann sein Pensum abzuspulen und danach in die Listen zu schauen, wo man gelandet ist.“

Jensen und Nilsson haben sich schnell akklimatisiert und überzeugen seitdem – ebenso wie „Dauerbrenner“ Artur Gevorgjan, seit 25 Jahren Bassumer, Olympia-Neunter von Atlanta 1996 und mehrfacher Weltcup-Finalist. Ähnlich erfahren: Valerij Samojlenko, 62 Jahre jung, früherer Europameister und mehrfacher deutscher Meister, der zu den Wettkämpfen aus Hamburg anreist. Unverzichtbar für die eingeschworene Gemeinschaft bleiben zudem Denis Rother, Sascha Sandmann, Martin Mohnke, Sebastian Wollenhaupt, Peter Benne, Nina Recker, Martina Schwenker, Albert Grieskamp und Thomas Hoppe. Grieskamp kann zurzeit wegen einer Knie-Operation nicht eingreifen, Hoppe hat bereits die von ihm vor der Saison versprochenen drei Einsätze hinter sich.

Doch „Macher“ Voß hat deshalb keine schlaflosen Nächte. Er weiß nämlich, dass alle im Team „jederzeit Gewehr bei Fuß stehen: Wenn jemand ausfällt, springt ein anderer ein und funktioniert trotz der hohen Belastung.“ Neben dem Schießtraining seien Fitness oder Jogging für alle die Regel. Denn wer einmal einen Schießsportler nach solchen vier Serien vom Stand habe zurückkommen sehen, „weiß, wie fertig er ist. Das ist Höchstleistung!“ Vor allem fürs Gehirn, dem Organ mit dem höchsten Energieverbrauch.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Bassumer fast an jedem Bundesliga-Tag ihren Kader umbauen mussten, zeigten sie eine beachtliche Konstanz, urteilt ihr Sportleiter: „Unser Schnitt von 1 870 Ringen pro Begegnung ist noch ein bisschen besser als im letzten Jahr.“

Zwei dieser Wettkämpfe nährten den Traum vom erneuten DM-Finale besonders, meint der Sportchef: das 3:2 gegen das seit Jahren starke Olympia Berlin sowie das 5:0 über den SSV Bad Westernkotten. „Unsere Einstellung gegen den Vorletzten Westernkotten hat mich beeindruckt“, gesteht Voß: „Niemand hat den Gegner unterschätzt. Unser Plan, viele Einzelpunkte zu holen, ging auf.“

Nun müssen sich die 1848er noch zweimal konzentrieren – heute gegen Braunschweig und tags darauf gegen den Tabellenzehnten GTV Bremerhaven-Seestadtteufel. „Wir haben es selbst in der Hand. Die Anspannung ist da, aber es ist positiver Druck“, sagt Jens Voß.

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