E-Bike, Fotobuch, Gymnastik: Tischtennisspieler vertreiben sich die Zeit

Schon heiß auf die Rückkehr

An der Platte wird auch Andre Meyer vorerst nicht stehen dürfen – aber der Heiligenroder hält sich nun eben im eigenen Wohnzimmer fit.
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An der Platte wird auch Andre Meyer vorerst nicht stehen dürfen – aber der Heiligenroder hält sich nun eben im eigenen Wohnzimmer fit.

Diepholz – Aufgrund der Corona-Epidemie hat sich der Tischtennissport im Kreis Diepholz vorzeitig in die Winterpause verabschiedet: Im Jahr 2020 dürfen nach einem Beschluss des niedersächsischen Tischtennisverbandes (TTVN) keine Punktspiele mehr absolviert werden, sodass die Aktiven ihre Schläger vorerst einmotten müssen. Aber wie überbrücken die Sportler die ungeliebte Zwangspause – und droht nach Corona sogar ein Nachwuchsproblem? Wir haben uns dazu bei einigen Vereinsvertretern umgehört.

Gerade beim Thema Nachwuchs gilt Twistringens Bezirksoberliga-Spitzenspieler Jens Kramer als idealer Ansprechpartner. Über viele Jahre lang bildete der SCT-Talentschmied die Twistringer Youngster aus und entwickelte Rohdiamanten wie Hendrik Wiese, Marvin Kramer, Lukas Bollhorst oder Filius Felix zu gestandenen Leistungsträgern. Sein Wort hat im Jugendbereich also Gewicht, wenn er optimistisch anmerkt: „Ich glaube nicht, dass uns durch Corona Kids wegbrechen werden. Die dürften eher total heiß auf Sport sein, wenn die Hallen wieder offen sind. Da bin ich mir ziemlich sicher.“ Auch Kramer selbst scharrt schon mit den Hufen: „Hoffentlich gilt der komplette Sport-Lockdown nur für November. Im Dezember würde ich zumindest gerne trainieren.“

Und falls nicht? „Dann habe ich ja zum Glück einen Garten, wo es viel zu tun gibt“, schmunzelt der Routinier: „Außerdem habe ich mir ein E-Bike zugelegt. Genügend Bewegung sollte auch ohne Tischtennis kein Problem sein.“

Auch Kirchweyhes Landesliga-Mannschaftsführerin Martina Nöhren dürfte die Zeit ohne Tischtennis „locker überstehen. Ich habe im Büro viel um die Ohren und kann mich nun nach der Arbeit um andere Dinge kümmern. Anstatt zu trainieren, gestalte ich momentan gerade ein schönes Fotobuch meines letzten Urlaubs.“ Beim Thema Jugendliche wirkt die SVK-Kapitänin indes deutlich weniger optimistisch als Kramer: „In den letzten Jahren waren ja ohnehin schon deutlich weniger Kinder in den Hallen. Ich befürchte, Corona könnte das noch verstärken.“

Eine Meinung, die Andre Meyer vom Landesligisten TSV Heiligenrode überhaupt nicht teilt: „Ich sehe es doch bei meiner Tochter. Die will unbedingt wieder Sport machen und kann es kaum erwarten, dass die Turnhallen wieder öffnen. Nach Corona werden die Kids eher noch viel heißer auf Sport sein.“ Der TSV-Haudegen kann hingegen durchaus einige Wochen auf Tischtennis verzichten: „Es dient ja der allgemeinen Gesundheit. Deshalb trage ich die Maßnahmen komplett mit.“

Zumal Meyer für sich eine ganz neue Sportart entdeckt hat: „Ich mache mittlerweile täglich Gymnastik im Wohnzimmer und habe mir dafür sogar eine Matte gekauft. Auch im reiferen Alter lerne ich immer noch dazu.“

Wie sicher auch seine wesentlich jüngere Vereinskollegin Nele Puls. Doch die herausragende Oberliga-Spitzenspielerin hat die Befürchtung, im Jahr 2020 noch an den Tisch zu müssen: „Wir fallen ja nicht unter den TTVN. Für uns ist der deutsche Tischtennisbund zuständig, sodass uns eventuell Spiele im Dezember drohen. Nachvollziehen könnte ich das allerdings nicht.“ Stattdessen könnte Puls gut mit einer Pause bis ins neue Jahr leben. „Ich bin ja ohnehin kein Trainingsmonster“, grient die 21-Jährige: „Aber Jüngere sehen das bestimmt anders. Ich glaube, wir bekommen durch Corona kein Nachwuchsproblem. Wer heiß auf Tischtennis ist, bleibt auch dabei.“

Von Carsten Drösemeyer

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