550 Zuschauer sind Augenzeugen, als der TSV Wietzen die Relegation gewinnt

„Schon geil“

Ran an die Flasche: Sascha Grundmann schleppt für (v.l.) Maurice Gaede, Benjamin Bauer, Ferenc Hilker, Metin Boran, Richard Fiterer und Daniel Müller das Siegerbier heran.
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Ran an die Flasche: Sascha Grundmann schleppt für (v.l.) Maurice Gaede, Benjamin Bauer, Ferenc Hilker, Metin Boran, Richard Fiterer und Daniel Müller das Siegerbier heran.

Wietzen - Friedhelm Gaede ist 63 Jahre alt. Trainer des TSV Wietzen wollte er eigentlich lange nicht mehr sein. Was er und seine Fußballer da am Samstag erlebten, das fand aber auch der Altcoach „schon geil“. 550 Zuschauer – rund ein Viertel der gesamten Einwohnerzahl – standen an der Seitenlinie und schrien sich die Kehle aus dem Hals, als die Fußballer des TSV Wietzen die Rettung in der Bezirksliga perfekt machten.

Das entscheidende Spiel zwischen dem TSV Wietzen und dem SV Scharrel, Zweiter in der Kreisliga Hannover-Land, zog die Fans busseweise an. Für die Wietzer brüllten unter anderen die Teams aus Estorf-Leeseringen und Wechold-Magelsen.

Und das half: Weil der TSV Wietzen den Gegner in einem umkämpften Spiel mit 3:2 (1:0) nach Hause schickte, muss Estorf nicht aus der Nienburger Kreisliga absteigen. Und Wechold hoffte wieder auf den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Alle durften feiern – und taten das nach dem Schlusspfiff ausgiebig. „Ein richtiger Wahnsinn“, fasste Gaede den Abend zusammen, der sich bis 21 Uhr auf dem Wietzer Sportplatz abspielte und – zumindest für die Spieler – in einer Nienburger Disco endete. „Aus dem Alter bin ich raus“, grinste Gaede.

Die Ausgelassenheit am Abend hatten sich die Akteure des TSV allerdings bitter erkämpfen müssen. Vielleicht auch durch die Fans und deren Hoffnungen, die von außen in das Spiel getragen wurden, begannen die Gastgeber zittrig und nervös. Dass Scharrel, ebenfalls angefeuert von einer ganzen Busladung, nicht in Führung ging, lag einzig und allein an Wietzens Keeper André Schreuder, der gegen Sven (25.) und Julian Homann (29.) glänzend reagierte. Das 1:0 (35.) nach einer tollen Einzelleistung von Majid Derwisch machte die Gastgeber dann aber natürlich endgültig zu Glückspilzen.

Dieses Glück verdienten sich die Spieler in der zweiten Halbzeit. „Da haben wir endlich Fußball gespielt“, freute sich Gaede, dessen Sohn Maurice per Schlenzer das 2:0 (65.) erzielte. Sven Homann (70.) brachte die Gäste zwar noch einmal auf 1:2 heran, mit Daniel Müllers Foulelfmeter zum 3:1 (82.) war die Partie jedoch entschieden. Da konnte Robert Fiterer noch so holprig einen Strafstoß verschulden, den Pascal Pagga zum 2:3 (88.) nutzte – Wietzens Nichtabstieg aus der Bezirksliga stand fest. „Jetzt müssen wir zusehen, dass wir uns noch ein bisschen verstärken“, blickte Gaede voraus. Mit Ferenc Hilker (nach Steimbke) und Marcel Alpert (nach Vilsen) gehen ihm zwei Verteidiger verloren.

Kleiner Nachtrag noch zur Ansetzung des Relegationsspiels: Für den Fußball war es gut, dass Wietzen mit dem Sieg für klare Verhältnisse sorgte. Da alle anderen Relegationsgruppen ihre Partien bis Samstag bereits absolviert hatten, war klar, dass beiden Teams ein Punkt für die Bezirksliga genügt hätte. „Das ist doch eine Verzerrung“, grantelte sogar Sieger Friedhelm Gaede. Schön, dass es nicht soweit gekommen ist. · ahe

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