SPIELER DES WOCHENENDES Heiligenfeldes Lars Diedrichs

„Schön reingekurbelt – wie bei Fifa“

„Er genießt das absolute Vertrauen von allen“ – ein schönes Kompliment von SVH-Coach Torben Budelmann für Routinier Lars Diedrichs (Bild).
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„Er genießt das absolute Vertrauen von allen“ – ein schönes Kompliment von SVH-Coach Torben Budelmann für Routinier Lars Diedrichs (Bild).

Heiligenfelde – Als Torben Budelmann per WhatsApp die Handynummer von Lars Diedrichs schickt, garniert er seine Nachricht noch mit zwei Hinweisen. „Bestell’ ihm einen schönen Gruß“, lässt der Coach des Fußball-Bezirkligisten SV Heiligenfelde ausrichten. Und dann noch: „Erinnere ihn an die Kiste!“ – dazu ein Tränen lachendes Emoji. Wer es beim SVH zu besonderen Ehren in der Zeitung bringt, muss zahlen. Pro Foto oder Überschrift einen Kasten Bier – ein „Spieler des Wochenendes“ sogar zwei.

Wer schon dran war, bleibt für ein halbes Jahr verschont. „Sonst müsste ,Joschi’ Brandhoff bestimmt zehn Kisten anschleppen“, sagt Diedrichs und lacht. Er selbst hat in dieser Saison bereits einen ausgegeben, „deshalb kommt für mich nun nur noch eine Kiste on top. Das ist okay. Wobei es unser Torwart Jörn Wachtendorf auch absolut verdient gehabt hätte“, findet der 33-Jährige. Eventuell bringt er die Erfrischung für die Teamkollegen schon am Dienstag mit zum Training.

Im Heimspiel gegen Spitzenreiter TSG Seckenhausen-Fahrenhorst hatte der Offensivmann bewiesen, dass auch wenige Minuten ausreichen können, um viel zu bewirken. Eingewechselt in der 86. Minute, Treffer zum entscheidenden 3:2 in der Nachspielzeit. „Gefühlt war es mein zweiter Ballkontakt“, meint der Matchwinner: „Der erste Schuss ging in die Pilze, der zweite in den Knick. Da hatte ich auch mal Glück.“ Nach Pass von Maximilian Wirth ließ Janek Piontek den Ball passieren, Diedrichs fackelte nicht lange und drehte ihn vom linken Strafraumeck mit rechts in den rechten Winkel. „Als der Ball den Fuß verließ, wussten wir draußen – der ist drin“, sagt Budelmann. „Schön reingekurbelt, würde man bei Fifa sagen“, erzählt Diedrichs und schmunzelt. An der Playstation hat der ehemalige Bramstedter und Bassumer (zehn Jahre im jeweiligen TSV) an vielen Abenden gegen Online-Gegner das beliebte Fußballspiel gezockt. Seit etwa zwei Jahren ruht jedoch die Konsolen-Karriere. Stattdessen verbringt Diedrichs, der im IT-Bereich einer Zahnradfabrik in Bassum arbeitet, lieber mehr Zeit mit seiner Verlobten Britta sowie den beiden Söhnen Jaron (4) und Robin (1). Weil die Familie Priorität genießt, hat er nicht mehr so viel Zeit für Fußball wie früher. Zweimal pro Woche ist „Dieds“ aktuell dabei: einmal Training (statt dreimal) plus ein Spiel. Dass er – wie am Sonntag – nicht mehr immer zur Startelf zählt, sei für ihn im sechsten SVH-Jahr in Ordnung: „Wir haben gute Jungs, die auch mal dran sind. Ich gucke von Jahr zu Jahr, wie es bei mir weitergeht.“ Für Budelmann ist Diedrichs noch immer ein ganz wichtiger Mann: „Er wird nicht umsonst in unserer Chat-Gruppe manchmal Papa genannt. Seine Ruhe, seine Gelassenheit, seine Meinung – alles hat in der Mannschaft sehr viel Gewicht. Er genießt das absolute Vertrauen von allen. Und wie wichtig er auf dem Platz sein kann, haben wir ja gesehen.“

Momentan, das ist bei „Dieds“ herauszuhören, macht es wieder Spaß beim SVH. Nach miesem Saisonstart setzten sich die Heiligenfelder vor ein paar Wochen zusammen und verständigten sich mit ihrem Coach darauf, die Taktik zu ändern. Nicht immer sofort draufgehen, auch mal ein bisschen abwarten, den Gegner kommen lassen und bei Ballgewinn blitzschnell ab nach vorne. „Wir haben richtig gute Leute im Umschaltspiel“, findet Diedrichs. Budelmann hatte sich in der schwachen Phase bemerkenswert selbstkritisch geäußert („Vielleicht war mein Ego etwas zu groß“) und war von seinem bevorzugten Ballbesitz-System abgerückt. „Dass er sich so hinterfragt, ehrt ihn. Das macht er aber immer“, urteilt Diedrichs und ergänzt: „Man darf bei aller Taktik den Fußball nicht vergessen, muss auch Leidenschaft reinbekommen. Wir haben uns gemeinsam etwas erarbeitet, was wir besser umsetzen. Das waren zwei, drei, vier Kniffe, die funktionieren.“

Siehe Seckenhausen. Heiligenfelde hat nun nur noch vier Punkte Rückstand auf Platz zwei, der zur Teilnahme an der Meisterrunde berechtigt. Die Aufholjagd läuft! Aber Diedrichs hält den Ball lieber flach: „Es war einfach schön, auch mal wieder ein Spiel zu drehen – und dann auch noch gegen den Tabellenführer. Wir wollen immer gewinnen, klar. Aber wir sollten jetzt nicht irgendwelche Ambitionen raushauen.“

Zitat: „Danach pumpte das Adrenalin ohne Ende – so extrem hatte ich das schon lange nicht mehr.“

Lars Diedrichs über die Momente nach seinem Siegtor

Hintergrund: Düngen, Sanden, Vertikutieren – Rasenpflege als neues Hobby

Lars Diedrichs hat in den vergangenen Monaten begonnen, sich seinem ganz persönlichen „Corona-Projekt“ zu widmen. „Ich interessiere mich für Rasen und die Pflege – und möchte in meinem Garten bald richtigen Fußballrasen wachsen sehen“, sagt der 33-Jährige, der mit seiner Familie in Osterbinde lebt. Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Sein älterer Sohn Jaron hat beim TSV Bassum gerade mit dem Fußballspielen angefangen. Diedrichs ist in mehreren Facebookgruppen wie „Greenkeeper“ oder „Mein schöner Rasen“ unterwegs, um sich zu informieren. Düngen, Sanden, Vertikutieren, Lüften – alles Begriffe, mit denen der Heiligenfelder Offensivmann inzwischen einiges anfangen kann. „Im Sommer sah der Rasen sehr gut aus, aktuell ist er in Ordnung“, urteilt Diedrichs und fügt mit einem Schmunzeln an: „Ich habe durchaus schon neidische Blicke der Nachbarn bemerkt.“  mr

Von Malte Rehnert

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