START IN DIE SAISON 38-Jähriger geht in Melchiorshausen den anderen Weg

Jan Schmötzer: Zurück in die Zukunft

Einen Jungbrunnen hat Jan Schmötzer eigentlich gar nicht nötig: Der 38-jährige Melchiorshauser zieht seine Kraft aus dem Willen, es in der Landesliga noch einmal zu packen. Foto: töbelmann
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Einen Jungbrunnen hat Jan Schmötzer eigentlich gar nicht nötig: Der 38-jährige Melchiorshauser zieht seine Kraft aus dem Willen, es in der Landesliga noch einmal zu packen.

Eigentlich geht die Fußball-Geschichte ja so: Spieler der Kategorie 30+ sagen nur für ein Jahr zu und zählen schon mal die Tage, bis sie ins Altherren-Team wechseln können. Bei Jan Schmötzer ist das aber ganz, ganz anders. „Schmötzi“ wird im Oktober schon 39, könnte also die Tage bis zur Ü 40 (Altliga) zählen. Tut er aber nicht, denn der feine Techniker will es noch mal bei den Herren des TSV Melchiorshausen in der Landesliga wissen.

Melchiorshausen - „Wir haben Probleme, eine Alte Herren in Melchiorshausen zu stellen. Werder wäre eine Alternative gewesen, aber ich wollte in der Region bleiben und kann jetzt weiterhin mit dem Rad zum Training fahren, weil ich in Brinkum wohne“, sagt der Mittelfeldmann, der mit einer guten Spielübersicht ausgestattet ist.

Auch sonst gehört der 39-Jährige einer Spieler-Gattung an, die nicht mehr so häufig vorzufinden ist. 20 Jahre spielt er nun im Erwachsenbereich – und hat es in dieser Zeit gerade mal auf vier Vereine gebracht. Eine Anzahl, die manch junger Spieler schon mit 20 erreicht hat.

Und noch eine durchaus positive Eigenschaft: Seit 20 Jahren hält der 1,84-Meter-Mann sein Idealgewicht und bringt 78 Kilogramm auf die Waage. „Das Gute dabei ist, dass ich nicht viel dafür tun muss. Ich habe wohl ganz gute Gene“, schmunzelt Schmötzer.

Am Anfang war der TV Stuhr seine sportliche Heimat, wo er vier Jahre lang (unter anderem unter Trainer Frank Thinius) spielte. Dann folgten kurze Abstecher nach Brinkum und Syke. Vor allem die Station in Brinkum hat Schmötzer nicht in allerbester Erinnerung: „Ich hatte eine gute erste Serie gespielt und mir für mein zweites Jahr viel vorgenommen. Aber dann kam mit Hartmut Konschal ein neuer Trainer. In der Vorbereitung habe ich wegen meines Urlaubs die erste Trainingseinhat verpasst. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, aber wenig später wurde mir erklärt, dass man nicht mehr auf mich setzen würde. Das war schon eine riesige Enttäuschung.“

Seit 2006 ist jetzt der TSV Melchiorshausen der Club seiner Wahl. Bis 2013 zählte er dabei in der ersten Herren stets zu den Leistungsträgern – was ab 2013 bis heute auch in der alten Herren der Fall war, wo er zusätzlich als Kapitän fungierte und auch im Management des Teams eingebunden war. Aber so richtig machte es ihm in der verganenen Spielzeit dort keinen Spaß mehr, weil es immer schwerer wurde, auch genügend Leute zu den Spielen zu bekommen. Schmötzer spricht Klartext: „Das war ein verschenktes Jahr und hatte mehr was von einer Thekenmannschaft.“

Und just zu diesem Zeitpunkt klopfte Lars Behrens bei ihm an. „Latte“ hatte schon im Jahr zuvor mal nachgefragt, ob sich Schmötzer nicht eine Rückkehr in die erste Herren vorstellen könne. „Damals habe ich noch abgesagt, weil ich im Altherren-Team viele gute Freunde habe. Aber ich habe immer mal wieder mit viel Freude ausgeholfen“, erinnert sich der kaufmännische Angestellte, der zusammen mit seiner italienischen Partnerin Luisa und dem jetzt sechsjährigen Sohn Mattia in Brinkum wohnt.

Und jetzt hakte Behrens erneut nach. Zusammen mit Schmötzers gutem Kumpel Jens Ruscher (Torwart der alten Herren) traf sich das Trio in der Vereinskneipe, um die Zukunft zu besprechen. Lange hat das nicht gedauert. Am Ende sagten Schmötzer und auch Ruscher (momentan nach Handbruch außer Gefecht) für die Landesliga zu. „Das ist toll, dass das geklappt hat. Jan soll unser Spiel auf der Sechs auch mal beruhigen“, meint Behrens. Schmötzer, der am liebsten auf der Sechs spielt, hat den Wechsel aber nicht vollzogen, um nur ein Mitläufer im Team zu sein: „Ich werde natürlich keine Ansprüche an den Trainer stellen. Aber für mich selbst habe ich den Ehrgeiz, möglichst viele Spiele zu machen. Vielleicht kann ich die jungen Spieler auch etwas auf und neben dem Platz führen. Im Spiel ist es wichtig, auch mal Ruhe reinzubringen. Das traue ich mir zu. Und athletisch werde ich mithalten können.“

Und was soll für das zum Großteil zusammengebliebene Team am Ende herausspringen? Schmötzer überlegt nicht lange: „Besser abschneiden als im Vorjahr.“ Melchiorshausen wurde Siebter, was viele dem Team vorher nicht zugetraut hatten.

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