Fußball-Unparteiische halten sich online fit / Straffes Programm, das schmerzt – aber Spaß macht

Schiris als „Hampelmänner“? Nur virtuell

Im Anflug auf den Wiederbeginn: Tim Otto zeigt seinen Schiedsrichter-Kollegen im Online-Meeting, wie sie sich auch ohne Fußball „im Grünen“ fit halten können.
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Im Anflug auf den Wiederbeginn: Tim Otto zeigt seinen Schiedsrichter-Kollegen im Online-Meeting, wie sie sich auch ohne Fußball „im Grünen“ fit halten können.

Syke – Okay. Aufgewärmt bin ich jetzt schon mal. Und bereits aus der Puste. Nach gerade mal zwei von angesetzten 60 Minuten, die das „Workout“ für die Fußball-Schiedsrichter im Kreis Diepholz noch dauern soll. Das kann ja heiter werden, denke ich mir kurz nach Beginn dieser Online-Session. Allerdings wusste ich ja auch, was auf mich zukommt, denn Schiris müssen topfit sein.

  • Das Alternativangebot des Schiedsrichter-Ausschusses in der zwangsläufig fußballfreien Zeit kommt bei den Referees gut an.
  • Tim Otto und Leo Heckmann, beide höherklassig als Unparteiische im Einsatz, wechseln sich als „Vorturner“ ab.
  • Der Selbstversuch des Untrainierten ist teils schmerzhaft, macht aber Spaß.

Anders können sie ein Pensum mit manchmal bis zu drei Spielen zwischen Freitagabend und Sonntagnachmittag wohl kaum durchstehen.

„Weil momentan aber für uns an Sonntagen wie diesem nicht viel los ist, haben Leo und ich uns überlegt, was wir unseren Jungs und Mädels so anbieten können“, schildert Tim Otto aus dem Lehrstab des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Diepholz. Leo – das ist Leo Heckmann. Der Mann vom TSV Asendorf pfeift wie Otto leidenschaftlich gern auf Bezirksebene, beide kommen zudem in den Junioren-Bundesligen als Assistenten zum Einsatz. Doch in der jetzigen Corona-Zwangspause wechselt er sich für die wöchentlichen Übungsleiter-Tätigkeiten vor seinen Referee-Kollegen mit Heckmann vom TSV Asendorf ab.

Starke Resonanz unter Schiris: „Waren angenehm überrascht“

„Wir waren angenehm überrascht, wie unser Angebot angenommen wurde“, freut sich Otto: 30 Unparteiische schalteten sich zur Premiere am 7. Februar zusammen, 35 eine Woche später. Zur dritten Auflage versammelten sich trotz besten Frühlings- und Laufwetters von 18 Grad noch immer 20 Referees vor ihren Laptops und Tablets. Das Programm, das Tim Otto ausgearbeitet hat, könnte auf einen Profi am anderen Ende der Leitung schließen lassen. „Nein, beruflich mache ich das nicht“, erklärt der Bankkaufmann, „und Leo auch nicht“, sagt er über seinen studierenden Kollegen. Ottos Tätigkeit als B-Junioren-Trainer bei „seinem“ TSV Weyhe-Lahausen hilft ihm aber beim Zusammenstellen bestimmter Übungen. „Wir konzentrieren uns natürlich auf das, was einem als Schiedsrichter auf dem Platz nützt – also nicht unbedingt die Bizeps-Muskulatur“, erläutert der 22-Jährige.

Wohl aber die Kräftigung der Oberschenkel. Die machen sich bei mir schon recht bald nach dem Aufwärmen bemerkbar, das unter anderem aus dem „Hampelmann“, virtuellem Seilspringen, sich schnell abwechselnden Vorwärtsbewegungen der Knie oder seitlichen Steps – beides im Liegestütz – besteht.

Jeder macht so viel, wie er kann

Anschließend bittet Tim Otto zu Kniebeugen auf Zehenspitzen, ehe sich jeder mit dem Rücken an ein freies Stück Wand zu pressen und hinabzugleiten hat – bis Ober- und Unterschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. In dieser Position nach mehreren Wiederholungen zu verharren – da können 30 oder 40 Sekunden ganz schön lang werden.  Doch Otto baut keinen Druck auf: „Wenn jemand mehr oder weniger machen kann oder will – das ist jedem selbst überlassen“, erinnert er seine Zuhörer.

Doch der Weyher baut immer genügend Pausen zur Regeneration ein und variiert bei den zu beanspruchenden Übungen – von Liegestützen über Bauchmuskeltrainings in Rückenlage bis zu Standsprüngen. So vergeht die Zeit ziemlich schnell. Vielleicht auch deshalb bleibt die Gruppe der 20 Online-Sportler konstant – keiner verlässt das Meeting vorzeitig, wie das bei der einen oder anderen digitalen Konferenz im Berufsleben dank „schlechter Verbindungen“ ja schon mal vorkommen kann. . .

Übungen auf kleinem Raum ohne Hilfsmittel

Ebenfalls interessant: Jedes Element kommt ohne irgendwelche Geräte oder Hilfsmittel aus und beansprucht wenig Platz – nachzumachen also auch im kleinsten Zimmer. Nach einer guten Stunde sind Bauch-Zirkeltraining, Finale und abschließendes Dehnen beendet. „Vielen Dank Euch allen – Leo und ich freuen uns über die tolle Resonanz“, verabschiedet sich Tim Otto: „Nächstes Wochenende ist das Rumgehopse wieder mit Leo“, kündigt der Lahauser an.

Alles klar. Es eilt für mich auch nicht allzu sehr mit der nächsten Einheit, wenn ich so meine brennenden Oberschenkel abtaste. Aber schön war’s auf jeden Fall! Und ich weiß: Ich muss mehr tun. Notfalls eben vor dem Computer.

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