Schiri bedroht, aus Verein gefeuert / Behrens erklärt Rückzug der Mannschaft

Ein Spieler rastet aus – und tritt die Lawine in Syke los

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Der Letzte schließt ab? Nein, Uwe Behrens behält eine Hand in der Tür. Zwar hat der TuS Syke gerade seine letzte verbliebene Herren-Fußballmannschaft abgemeldet, dennoch will der TuS-Spartenleiter jetzt einen Neuanfang starten.

Syke - Von Arne Flügge. Der Spieler war auf dem Rasen schon häufiger auffällig geworden. Das ging so weit, dass einige Teamkollegen schon nicht mehr mit ihm zusammenspielen wollten.

„Sobald er auf dem Platz stand, sprangen da irgendwelche Sicherungen heraus“, sagt Uwe Behrens. Da sich besagter Spieler später aber immer reumütig gezeigt und „37 Mal entschuldigt hatte“, ließ der Trainer des TuS Syke noch Gnade vor Recht ergehen. Bis zum 7. September, als dieser Fußballer das Fass zum Überlaufen brachte.Der ohnehin schon arg strapazierte Geduldsfaden des Trainers war nun endgültig gerissen. Er warf den Spieler sofort aus Mannschaft und Verein. Was Behrens da noch nicht wissen konnte: Als Spätfolge mussten die Syker ihre letzte noch verbliebene Fußball-Herrenmannschaft abmelden. Das Ende eines Traditionsvereins, der zu seinen besten Zeiten das Aushängeschild im NFV-Kreis Diepholz gewesen war.

Was aber hatte sich an diesem 7. September so Gravierendes zugetragen? Die Syker hatten sich vor der Saison freiwillig in die 2. Kreisklasse Nord zurückversetzen lassen – und dort in den ersten Saisonspielen derbe, teils zweistellige Niederlagen kassiert. Nun kam es zum Spiel gegen die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst III – und der TuS Syke ging sogar mit 2:0 in Führung.

Dann allerdings pfiff der Schiedsrichter Elfmeter für Seckenhausen – und das Unheil nahm seinen Lauf. Besagter Syker Spieler rannte sofort in Richtung Referee „und hat ihn beleidigt, bepöbelt und bedroht“, sagt Behrens. Zwar sei der Kicker nicht handgreiflich geworden, „doch er hat den Schiri mit seinen Drohgebärden so eingeschüchtert, dass der sich nicht mehr getraut hat, unserm Spieler Rot zu zeigen“, berichtet Behrens.

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Der Referee, der auch Wochen später noch unter den Eindrücken steht und namentlich nicht genannt werden möchte, erklärte gegenüber dieser Zeitung: „Ich habe dem Spieler aus reinem Selbstschutzgedanken nicht Rot gezeigt. Ich bin froh, dass das Spiel jetzt abgehakt ist und ich nie wieder den TuS Syke pfeifen muss.“

Mit den Verbalattacken gegen den Schiri war aber noch nicht Schluss gewesen. Die Syker wollten den Spieler vom Platz nehmen, doch der widersetzte sich zunächst seiner Auswechslung und warf sogar noch eine Wasserflasche in Richtung Co-Trainer Jörn Sperlich. „Wie der Spieler sich verhalten hat, war ein absolutes No-Go“, sagt Behrens, der sofort handelte und den Fußballer aus Mannschaft und Verein warf: „Es war die einzige Möglichkeit, er hatte seine letzte Chance. Doch dann war endgültig Schluss. Wenn du so einen Querulanten hast, der nicht kapiert, dass er nur der eigenen Mannschaft schadet, dann muss der weg.“

Dass die Syker die Partie nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren, ist nur noch eine Randnotiz.

In der darauffolgenden Woche lief alles ruhig ab. Der TuS Syke spielte gegen Heiligenfelde III und verlor 0:10. Als Trainer Behrens dann aber am nächsten Spieltag seine Kicker zur Partie gegen Gessel-Leerßen treffen wollte, waren nur „etwa fünf, sechs Leute da“, berichtet Behrens. Unentschuldigt nicht zum Spiel waren die Akteure gekommen, die „mit dem Spieler, den wir gefeuert haben, eng verbandelt sind. Ich vermute, er hat seine Kumpels belatschert, auch nicht mehr zu kommen.“

Syke konnte nicht antreten, das Spiel wurde mit 5:0 für Gessel gewertet. „Für die Jungs, die unbedingt in Syke spielen wollen, tut es mir richtig leid“, sagt Behrens. Und da nicht damit zu rechnen gewesen war, dass sich die abtrünnigen Spieler noch einmal anders entscheiden würden, „haben wir uns dazu entschlossen, die Mannschaft abzumelden. Wären wir drei Mal nicht angetreten, hätte es vom Verband auch noch eine satte Geldstrafe gegeben“, so der Trainer und Spartenleiter. Und diese Genugtuung habe man den Meuterern nicht geben wollen. Den Namen des Redelsführers wollte Uwe Behrens nicht preisgeben: „Das lohnt sich nicht, lass’ ihn laufen...“

Unterm Strich haben besagter Spieler und seine Kumpel ihr Ziel aber nicht erreicht. „Wir wollen hier weiterhin etwas aufbauen. Und das lassen wir uns von ein paar Wenigen nicht kaputtmachen“, kündigt Sykes Spartenleiter Uwe Behrens an

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