Schiedsrichterobmann setzt auf Betreuung, denn Pöbeleien sind alltäglich

Kreis gehen die Referees aus

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Lehrwart Jan-Eike Ehlers (Foto) und Schiedsrichter-Obmann Werner Bollow verstärken das Referee-Coaching.

Syke - Schlechter Rasen, dreckige Trikots, Bier, Bratwurst und Schiedsrichterentscheidungen, die Diskussionsstoff liefern – das zeichnet den Amateurfußball aus. Wer sich aber in letzter Zeit mal im Kreis Diepholz ein Spiel der sechs untersten Ligen angeguckt hat, wird festgestellt haben, dass etwas fehlt. Keine Angst – nicht Bratwurst und Bier, sondern der Schiedsrichter. In der letzten Hinrunde konnten 18 Partien nicht mit Unparteiischen besetzt werden. Grund: Dem Kreis Diepholz gehen die Schiedsrichter aus. Während Ende 2011 die Marke von 300 Referees noch knapp ausreichte, leidet nun erstmals der Spielbetrieb unter dem negativen Trend.

Werner Bollow ist Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Diepholz, somit „Chef“ der Referees. Er kämpft seit Jahren gegen die Entwicklung. Zurzeit vergebens: „Wir haben aktuell 270 Schiedsrichter zur Verfügung, das ist einfach zu wenig. Am härtesten trifft es die 5. Kreisklasse der Männer sowie die Frauen-Kreisklasse.“ Bereits jetzt kündigt Bollow an, dass es in der Rückserie der Frauen-Kreisklasse gar keine Schiedsrichter mehr geben wird. „Ich glaube aber, dass dort am wenigsten Bedarf besteht, weil die Damen auch alleine klarkommen“, lobt er deren Fairness.

Dennoch ist es der derzeitige Tiefpunkt im Kreis Diepholz. Ein Trend, der bundesweit auszumachen ist. 2012 zählte der DFB noch 76000 Schiedsrichter – sieben Prozent weniger als noch vor sechs Jahren.

Die Gründe, warum viele Schiedsrichter aufhören, seien unterschiedlich. Doch beispielsweise würden Beleidigungen einige zum Aufhören treiben. „Es ist einfach so, dass die Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Wir sehen das ja auch jeden Tag in den Medien. Die Hemmschwelle zur Gewalt ist im Alltag generell gesunken – und das ist auf dem Fußballplatz nicht anders“, sagt Bollow. „Ich glaube, das sitzt bei vielen jungen Leuten im Hinterkopf, dass etwas passieren kann, wenn sie angeschrien werden. Sie haben Angst, dass verbale Kritik in Handgreiflichkeiten umschlagen.“ Bisher hat der Schiri-Boss mit körperlichen Übergriffen zum Glück wenig zu tun.

Doch bereits mit harscher Kritik würden junge, noch unerfahrene Referees schon im Jugendbereich konfrontiert, schildert Bollow. Trainer und Eltern hätten schon einen großen Einfluss auf den Spielverlauf. In einigen Fällen werden Jungschiedsrichter in einer ihrer ersten Spielleitungen so massiv angegangen, dass sie sofort wieder aufhörten. „Es gibt ein Beispiel, in dem ein Schiedsrichter eine berechtigte Rote Karte bei uns im Kreis gegen einen Spieler gibt – und einfach getreten wird“, berichtet Bollow: „Da sagen viele: Darauf habe ich keinen Bock, für die paar Euro kann ich auch Pizza ausfahren.“

Die hohe Abbrecher-Quote bei Unparteiischen im Alter von unter 18 Jahren – ein großes Problem, mit der die Schiedsrichtergilde bundesweit zu kämpfen hat. Je nach Kreis schwankt die Zahl zwischen 40 und 60 Prozent. „Mit den neuen Medien werden die Spiele auch öffentlich zugänglicher. Wie oft haben mir schon Schiedsrichterkollegen erzählt, die von fremden Menschen per Facebook bepöbelt werden, was sie denn schon wieder für einen Mist am Wochenende gepfiffen hätten. Und dazu haben viele keine Lust.“

Deshalb versuchen Bollow und sein Lehrwart Jan-Eike Ehlers künftig, die jungen Schiedsrichter noch mehr zu fördern und ihnen von Anfang zu vermitteln, wie sie mit Kritik auf dem Fußballplatz angemessen umgehen können. „Wir wollen uns verstärkt um die jungen Leute kümmern, die 17 Jahre alt sind und noch in der Jugend pfeifen“, erklärt Bollow: „Das Ziel muss es sein, sie zu beobachten und zu motivieren, damit sie auch im Herrenbereich weiter Spiele leiten.“ Dies sei der einzige Weg, um den Nachwuchs an die Aufgabe heranzuführen. Bollow appelliert auch an die Vereine, sich um ihre Schiedsrichter zu kümmern: „Jeder Verein braucht einen Schiedsrichterbetreuer, der intern versucht, den Nachwuchs zum Pfeifen zu bringen und sich um die bestehenden Schiedsrichter kümmert. Wir haben nur eine Chance, wenn wir mit den Vereinen zusammenarbeiten und auch die Vereine mit uns. Sonst wird das nicht funktionieren.“

Trotz der aktuellen Situation im Kreis Diepholz blickt Schiri-Boss Bollow optimistisch in die Zukunft: „Fast ein Drittel unserer Schiedsrichter sind unter 18 Jahre – und ich kenne die Jungs und Mädels, die werden dabei bleiben und schon bald im Herrenbereich pfeifen.“

Wer dem Kreis Diepholz und vor allem dem Fußball helfen möchte: Der nächste Schiedsrichter-Anwärterlehrgang beginnt am Samstag in Affinghausen. Alle Termine sowie Anmeldeformulare gibt es auf der Homepage des NFV-Kreises Diepholz unter

ktu

www.nfv-diepholz.de

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