Webner: „Im Vergleich zu anderen Sportarten sind wir in einer glücklichen Lage“

Schach via Skype

Ein Bild aus besseren, „normalen“ Zeiten: Gemeinsame Fahrten zu Turnieren sind derzeit natürlich nicht drin, doch die Schachspieler des TuS Varrel haben Möglichkeiten gefunden, um weiter gemeinsam zu trainieren. Foto: TuS Varrel

Varrel - Von Daniel Wiechert. Die Corona-Pandemie stellt alles auf den Kopf. Das merkt auch Landwirt Heiko Fischer. „Der Publikumsverkehr hier auf dem Hof ist in den vergangenen Tagen deutlich mehr geworden“, sagte der 36-jährige Milcherzeuger aus Stuhr, als das Kontaktverbot erst wenige Tage alt war. Im Privatleben ist das Gewusel, sind die Begegnungen hingegen weniger geworden. Stichwort Kontaktverbot. Das merkt auch Fischer bei seiner Sportleidenschaft. „Wir waren ziemlich zügig betroffen“, erinnert sich der Vorsitzende der Schachabteilung im TuS Varrel. Das letzte reguläre Training sei Ende Februar gewesen: „Der Verein hatte früh erkannt, dass wir den Alltag nicht einfach so weiter durchziehen können.“

Still stehen die Figuren jedoch nicht. „Wir verabreden uns online“, betont Fischer. Gerade für den Schachnachwuchs sei es gar keine so große Umgewöhnung: „Es gibt online ja einige Trainingsplattformen, die die jüngeren Spieler schon lange nutzen.“ In Varrel setzen sie jedoch nicht nur auf externe Anbieter, sie wollen den Kontakt halten. So werden die Nachwuchsspieler auch über die Entfernung geschult. Dafür ist Dennis Webner zuständig. „Ich baue eine Stellung auf und teile dann den Bildschirm“, erklärt Webner das Coaching via Skype: „Dann macht jeder der Reihe nach Vorschläge, welcher Zug jetzt angebracht sein könnte.“

Die ambitioniertesten Spieler der Varreler bekommen zudem noch weitere Taktikaufgaben zum Tüfteln gestellt, die sie interaktiv lösen sollen. Webner hat das Gefühl, dass seine Spitzenspieler sich nicht hängen lassen. Schließlich wisse niemand, was der Gegner in spe derzeit investiere. Somit sei der Eigenanreiz da, selbst möglichst viel zu machen, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Ich glaube, wir stehen da gut im Saft“, sagt Webner. Fischer sieht das ähnlich. „Die Kinder und Jugendlichen werden schon weitermachen.“ Viele hätten „richtig Bock“. Überhaupt wissen sie beim TuS Varrel, dass „im Vergleich zu anderen Sportarten wir in der glücklichen Lage sind, das Training am Leben halten zu können.“

Peter Orantek vom Schachklub Kirchweyhe ist skeptischer, was die Situation angeht. Er hat „Mailchess“ angeboten; also Fernschach via elektronischer Post. „Aber viele sind zu faul“, sagt Orantek mit einem Lachen, ehe seine Stimme ernster wird: „Ich habe das Gefühl, dass die meisten Kinder einfach nur gern Ferien haben wollen. Die machen ja oft nicht einmal ihre Hausaufgaben, die sie von ihren Lehrern gemailt bekommen.“ Das alles sei „wirklich unglaublich“.

Beim Schachklub Kirchweyhe schlagen sie sich aber noch mit anderen Problemen herum. Das Team belegt zwei Spieltage vor dem Saisonende den ersten Platz in der Oberliga Nordwest. Das Team um Mannschaftsführer Orantek hat damit den Aufstieg in die 2. Bundesliga vor Augen. Fraglich ist jedoch, wann weiter gespielt werden kann. „Im Moment ist das ganze Schach betroffen“, sagt Orantek. Wann der Liga-Alltag wieder anläuft, scheint derzeit völlig offen zu sein. „Es kann nur gespielt werden, wenn die Grenzen offen sind“, sagt Orantek. Schließlich kommen einige Großmeister der Kirchweyher aus Kroatien oder Serbien. Diese sind auch für das große Weyher Highlight fest eingeplant. Denn bevor das Coronavirus alles auf den Kopf gestellt hat, hatten sich die Weyher im März für die Endrunde um den Deutschen Mannschafts-Schachpokal qualifiziert.

Dabei gewannen sie unter anderem gegen den Bundesligisten SG Solingen. Das Final Four ist nun für das dritte Mai-Wochenende geplant, womöglich sogar ausgerichtet in Kirchweyhe. Aber wie so vieles derzeit: Nichts ist gewiss. „Es ist zu befürchten, dass auch dann noch nicht gespielt werden darf“, sagt Orantek.

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