„Viererkette können wir getrost vergessen“ / Mangel an Abwehrspielern

Routinier Gaede muss auf antiquierten Libero setzen

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Keeper Andre Schreuder (links) gehört zu den absoluten Leistungsträgern beim Bezirksligisten TSV Wietzen. ·

Wietzen - Von Carsten DrösemeyerEnde gut, alles gut. Buchstäblich auf dem letzten Drücker schnappte sich der TSV Wietzen durch zwei souveräne Erfolge in der Abstiegsrelegation doch noch das letzte freie Bezirksliga-Ticket.

Dabei sprach zehn Spieltage vor Schluss nahezu alles für den Absturz in die Kreisliga. Auch der Trainerwechsel von Torsten Klein zu Uwe Sieling hatte kaum etwas bewirkt, so dass Wietzen bei neun Punkten Rückstand zum Relegationsplatz praktisch bereits als Absteiger feststand. Aber ein Ass hatten die Wietzer noch im Ärmel. Sieling wurde der Laufpass gegeben und Ex-Coach Friedhelm Gaede bekniet, als Retter kurzfristig einzuspringen. Angesichts der prekären Situation ließ sich „Vize“ auch erweichen und übernahm nach zweijähriger Abstinenz wieder das Kommando auf der TSV-Trainerbank.

„Ich hing einfach noch zu sehr an der Mannschaft. Das Team war ja größtenteils noch von mir zusammengestellt worden. Deshalb konnte ich nach zehn erfolgreichen Jahren in Wietzen nicht einfach ablehnen“, erläutert Gaede seinen Entschluss, sich auf das Himmelfahrtskommando einzulassen.

Eine Entscheidung, die sich als regelrechter Coup erweisen sollte. Unter dem Altmeister sammelte Wietzen stolze 21 Punkte, hievte sich noch auf Rang 13 und schaffte in der Relegation ohne größere Probleme den kaum mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt.

Eine reife Leistung, doch Gaede, der von der Mannschaft überredet wurde, ein weiteres Jahr dranzuhängen, warnt davor, die Aufholjagd als Maßstab für die kommende Saison zu nehmen: „Das war eine Ausnahmesituation. Ab jetzt geht es wieder bei null los. Für uns zählt nur der Klassenerhalt, das wird schwer genug.“

Sicherlich eine realistische Einschätzung. Schließlich verzeichnet der TSV im talentierten Youngster Max Grulke (aus der Drakenburger A-Jugend) lediglich einen Neuzugang, während Ferenc Hilker und Marcel Alpert den Verein verließen. „Damit stehen mir kaum noch Abwehrspieler zur Verfügung. Eigentlich wollte ich ja die Viererkette installieren, aber das können wir getrost vergessen. Es muss wieder mit Libero gehen“, seufzt Gaede.

Doch selbst mit dieser etwas antiquierten Taktik geht Wietzen keinesfalls aussichtslos ins Bezirksliga-Rennen. Immerhin stehen in Topkeeper Andre Schreuder, dem Fiterer-Trio und Trainersohn Maurice Gaede genügend überdurchschnittliche Akteure zur Verfügung. Gaede sieht dies ähnlich – verweist jedoch auf den quantitativ nicht gerade üppig besetzten Kader: „Der erste Anzug reicht sicherlich für einen soliden Mittelfeldplatz, aber danach wird es dünn. Sollten Leistungsträger langfristig ausfallen, bekommen wir Probleme. Der Klassenerhalt wird kein Selbstgänger.“

Bleibt allerdings trotz Gaedes Skepsis ein realistisches Ziel. Im Normalfall sollte Wietzen die Klasse in dieser Saison halten können.

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